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Panorama Das wiedergefundene Paradies
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12:10 25.12.2016
Ein Neuanfang: Am Strand von Unawatuna, wo 2004 der Tsunami auf den Strand traf, steht heute die Pension Palm Paradise. Quelle: Hartmut Darmstadt
Colombo

Ein idyllischer Strand mit Palmen. Surfer werfen sich auf ihren Brettern in die Wellen, ein kleiner Junge saugt den Kokosnusssaft mit einem Strohhalm direkt aus der Frucht. Fast täglich werden hier kleine bemalte Steinbrocken angespült. Sie sehen schön aus zwischen den Muscheln, doch die Bruchsteine fortgespülter Häuser erinnern noch heute an die große Katastrophe von 2004. Hier, an der Küste im Süden Sri Lankas nahe der Kolonialstadt Galle, hatte der Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag besonders stark gewütet. Die Küste ist bis heute gesäumt von verwahrlosten Fundamenten und überwucherten Grabsteinen, die alle ein Datum tragen: 26. Dezember.

In der Nähe des kleinen Badeortes Unawatuna hat der Deutsche Hartmut Darmstadt zusammen mit der einheimischen Familie De Silva ein kleines Refugium aufgebaut, das neue Perspektiven nach der Zerstörung bietet: 2012 eröffnete die Pension Palm Paradise mit sechs einfachen Zimmern direkt am Strand. In dem angeschlossenen Restaurant kocht die Mutter der Familie zum Beispiel „Devilled Prawns“ mit Curryblättern und scharfer Tomatensoße. In auf beiden Seiten gebrochenem Englisch tauschen sich Darmstadt und die Familie aus: über die anstehende Mondscheinzeremonie im Tempel, über die Launen der örtlichen Tuk-Tuk-Fahrer.

Papa oder „big boss“

Der Globetrotter Darmstadt, ein frisch pensionierter Mathelehrer, sagt: „Ich habe schon öfter damit geliebäugelt, mir in Sri Lanka selbst ein Haus zu bauen, wollte aber den Einheimischen nichts wegnehmen. So kamen wir auf die Idee, zusammen etwas aufzubauen. Davon profitiert die Familie, und ich habe eine Bleibe, wenn ich zu Gast bin.“

Auf einer Motorradreise hielt der heute 63-jährige Hesse 1995 an dem kleinen Kokosnuss-Stand der Familie. Auf der Rückfahrt kam er wieder vorbei, Adressen wurden ausgetauscht, Fotos zugeschickt. „Bei meinem nächsten Sri-Lanka-Besuch musste ich gleich bei der Familie übernachten“, erinnert sich Darmstadt. Die drei inzwischen erwachsenen Söhne und die Tochter nennen ihn liebevoll „piya“, Papa oder „big boss“, mit ironischem Unterton. „Er gehört zur Familie, seit wir klein waren. Er war einfach immer da“, sagt Lavan, der für die Finanzen zuständig ist.

Nur mit viel Glück überlebt

Zufällig kam Darmstadt am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 in der Hauptstadt Colombo an. Zwei Tage lang wusste er nicht, ob „seine Familie“, die De Silvas, noch am Leben sind. Dann die Erleichterung. „Auf dem Hügel neben ihrem Wohnhaus saß die Familie und blickte hinaus aufs Meer. Immer noch in der Angst auf eine neue Welle. Das Wasser hatte sich einmal durchs ganze Haus gespült.“ Lavan hatte nur mit viel Glück überlebt. Der zweitjüngste Sohn der Familie erzählt: „Ich war neugierig und bin aufs trockengefallene Riff gelaufen, um das Wasser zu sehen. Ich wurde von der Welle gepackt und ins Landesinnere geschwemmt. Doch ich konnte mich an einem Baum festhalten.“

Innerhalb von wenigen Tagen spendeten Freunde und Kirchengemeinden aus Hartmuts Heimat mehr als 10 000 Euro. Der schlanke, braun gebrannte Hüne erinnert sich: „Ich habe säckeweise Geld abgehoben, bin mit dem Motorrad rumgefahren und habe den Menschen, die auf ihren Trümmern saßen, Scheine in die Hand gedrückt.“ Auch in den Folgemonaten reiste der Hesse immer wieder auf eigene Faust durch das zerstörte Land, kaufte mit Spenden Fischerboote und Gaskocher und stattete Schulen aus. In der Nähe stiftete Darmstadt 2007 einen Kindergarten, der nach ihm benannt ist. Noch heute hilft er den Nachbarn des Palm Paradise.

Ein Schweizer Paar kommt jedes Jahr an Weihnachten wieder. Die beiden waren auch 2004 da. Sie trug damals das Bein im Gips, wurde von der Welle erfasst, doch sie überlebte. Die Katastrophe ist so an diesem Ort immer irgendwie präsent. Doch das verlorene Paradies ist dabei, sich wiederzufinden.

Die Katastrophe und ihre Folgen

Das Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra am Morgen des 26. Dezembers 2004 löste eine Folge von Tsunamis entlang des Indischen Ozeans aus. Es war das größte Seebeben der Geschichte. Insgesamt starben rund 230 000 Menschen in 14 Ländern, mehr als 1,7 Millionen Küstenbewohner wurden obdachlos. In Sri Lanka wurden 70 Prozent der Ost- und Südküste zerstört. Der internationale Spendenstrom reißt bis heute nicht ab. Die Gesamtsumme beläuft sich Schätzungen zufolge bislang auf rund 4,8 Milliarden Euro von staatlicher und 1,5 Milliarden Euro von privater Seite. Laut Caritas wurden in Deutschland rund 670 Millionen Euro für die Tsunamihilfe gespendet. Der Wiederaufbau von Häusern, Schulen, Kindergärten und Gesundheitszentren wurde laut Caritas bis 2007 abgeschlossen. Aktuell laufen die Gelder demzufolge vor allem in soziale Projekte für Kinder und alte Menschen, in die Katastrophenvorsorge und Versöhnungsarbeit in den beiden Bürgerkriegsländern Indonesien und Sri Lanka.

Von RND/Nina May

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