Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Panorama Metalheads feiern den Friesenjung: Otto rockt beim Wacken
Nachrichten Panorama Metalheads feiern den Friesenjung: Otto rockt beim Wacken
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:05 04.08.2018
Otto Waalkes begeisterte beim Wacken Open Air. Quelle: imago/Eibner
Anzeige
Wacken

„Happy Birthday, lieber Otto“ schallt es aus Tausenden Kehlen, als der jüngst 70 gewordene Kult-Komiker die „Louder“-Bühne des Wacken Open Air entert. Und der antwortet mit „Hallo, Wacken“ – „Hallo, Otto“ echot der Metal-Chor. Das muss wohl Liebe sein zwischen diesen zwei so unterschiedlichen Spezies: Auf der einen Seite Otto, der seit gut 45 Jahren das deutsche Publikum mit seiner Mischung aus Musik-Clownerien, Wort- und Herren-Witz verzückt und den Schwarzkutten, die alles, was Waalkes und seine „Friesenjungs“ anstimmten, textsicher mitsangen. In den Songpausen wehten Klangfetzen des auf einer anderen Bühne stattfindenden „In Flames“-Konzerts herüber und erinnerten die Fans an den eigentlichen Grund ihrer Reise nach Wacken. Geschenkt.

Auch geschenkt, dass Ottos Kalauer, die sich um menschliche Regungen unterhalb der Gürtellinie drehen, nach beinahe einem halben Jahrhundert reichlich angestaubt anhören („Jane, greif die Liane – aiaiaiaiai“) … Doch immer, wenn man gerade feststellt, dass Otto nicht mehr witzig ist, muss man im nächsten Augenblick herzhaft lachen. Und sobald der Musiker Waalkes zur Gitarre greift und singt, hat er die Menge 100-prozentig im Griff. Seine deutschsprachigen Persiflagen internationaler Hits sind nach wie vor sowohl komisch wie auch musikalisch eine perfekte Kopie des Originals. Billy Joels „We Didn’t Start The Fire“ etwa, aus dem Otto „Wir haben Grund zum Feiern“ macht. Textprobe: „Wir haben Grund zum Feiern! Keiner kann mehr laufen, doch wir könn‘ noch saufen! Wir haben Grund zum Feiern! Ist uns auch speiübel, bringt den nächsten Kübel“. Das bringt die trinkfreudigen Metaller zum Hüpfen.

Otto auf der Bühne eines Heavy-Metal-Festivals? Dass es funktioniert, beweist der Ostfriese bei seinem Auftritt in Wacken. Das Konzert ist von der ersten Strophe an ein Heimspiel.

Otto spielte seine eigene Version von AC/DC-Hits

Aus Foreigners Hardrock-Hymne „Urgent“ wird Ottos Klo-Klamauk „Örtchen“, auch das Lyrik mit starker Anbindung an die Alltagsnöte des gemeinen Festivalbesuchers. Ganz zu schweigen vom Klassiker „Erst auf dem Heimweg wird’s hell“, bei dem man wegen Waalkes Stimmtalent meint, AC/DCs Bon Scott oder später Brian Johnson hätten Deutsch gesungen. Dass Band und Barde einen Riesenspaß an diesem Auftritt haben, zeigt sich auch dadurch, dass sie Rockklassiker wie „Born To Be Wild“, „We Are The Champions“ und Hendrix‘ „Wild Thing“ sowie „Satisfaction“ im Original intonieren – ohne jeden Flachs, aus Liebe zur Musik. Die wohl teuerste Coverband der Welt bringt Metalheads und Komödianten eben doch zusammen.

Wenn Tausende Metalfans noch eine halbe Stunde nach Konzertschluss auf dem Heimweg ins Zelt oder Wohnmobil beseelt „Bin ein kleiner Friesenjung“ singen (nach Stings „Englishman in New York“), dann hat Otto wohl alles richtig gemacht...

Mehr zum Thema: Wacken-Festival 2018

Das große Quiz zum Wacken-Festival 2018

Wacken im Livestream: Das Festival online und im TV schauen

Alle Fotos vom Wacken-Festival 2018

Kolumne: Metal und Mülltrennung – Nachhaltigkeit erobert das Festival

Kolumne: Doro – die Seele des Wacken-Festivals

Das sind die verrücktesten Wacken-Outfits

Von Daniel Killy/RND

Anzeige