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Panorama Der Tafel-Streit spaltet die Republik
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19:05 27.02.2018
Reaktion auf das Moratorium: Besprühter Wagen der Essener Tafel. Quelle: Foto: dpa
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Berlin

Eine lange Menschenschlange hat sich vor der Passionskirche im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf formiert. Das ist hier keine Seltenheit, das Haus richtet regelmäßig Konzerte aus. Aber an diesem Donnerstagmittag warten keine Konzertbesucher in der Kälte, sondern Menschen, die etwas zu essen brauchen. Es sind Bedürftige, die bei einer der Laib-und-Seele-Ausgabestellen der Berliner Tafel für ein paar Lebensmittel anstehen.

Die Berliner Tafel war die erste ihrer Art in Deutschland und feierte vor ein paar Tagen ihren 25. Geburtstag. 50 000 Menschen werden jeden Monat an den Ausgabestellen versorgt – vor Beginn der großen Flüchtlingswelle waren es noch 4000 weniger. Zustände wie bei der Tafel in Essen, die mittlerweile keine neuen Klienten mit Migrationshintergrund mehr aufnimmt, gibt es in Berlin jedoch nicht, betont die Tafel-Vorsitzende Sabine Werth. „Verteilungskämpfe sind keine Frage der Herkunft. Die laufen quer durch die gesamte Gesellschaft“, sagte Werth dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Merkel und Barley kritisieren Vorgehen

Gleichwohl sei es auch an den Ausgabestellen der Berliner Tafel zu Spannungen gekommen. Doch dann sei es Aufgabe der Ehrenamtlichen, einzuschreiten. „Gegebenenfalls muss die Polizei gerufen werden – aber das gilt auch bei Deutschen, die sich danebenbenehmen“, sagt Werth. Es habe jedoch „belastende Situationen“ für die Mitarbeiter gegeben, und es komme auch immer wieder mal zu solchen Konflikten. In vier von insgesamt 45 Ausgabestellen gelte derzeit ein Aufnahmestopp. Doch im Gegensatz zur Essener Tafel werde keine Gruppe pauschal ausgeschlossen.

Der Streit um die Frage, ob Tafeln ihre Klientel sortieren dürfen, hat inzwischen auch die Bundespolitik erreicht. Während sich die kommissarische Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre Familienministerin Katarina Barley (SPD) gegen das Vorgehen der Essener Einrichtung aussprachen, zeigten andere Politiker Verständnis. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt etwa meint, es dürfe nicht sein, dass „die, die angestammt berechtigt sind“, durch respektloses Verhalten anderer von der Tafel ausgeschlossen würden. In Essen hatte es Konflikte zwischen Einheimischen und Geflüchteten gegeben. Vor allem Ältere hätten sich durch das Auftreten von jüngeren Flüchtlingen eingeschüchtert gefühlt, hatte der Tafel-Chef Jörg Sartor berichtet und damit den Aufnahmestopp für Migranten begründet.

„Der Aufnahmestopp war eine hilflose Reaktion“

Die Nationale Armutskonferenz sprach am Dienstag von einem „Alarmsignal“. Die Tafeln dürften nicht länger Ausputzer der Nation sein, erklärte die Diakoniedirektorin in Berlin-Brandenburg und Armutskonferenz-Sprecherin Barbara Eschen. Die Entscheidung der Essener Tafel zeige überdeutlich, wie groß die Zahl derer ist, deren Existenzminimum nicht zum Leben reiche, erklärte Eschen. Es sei „unerträglich“, dass von Armut Betroffene Menschen jetzt in Konkurrenz zueinander stünden. „Es kann nicht länger sein, dass staatliche Maßnahmen wie der Regelsatz das Auskommen nicht sichern und Ehrenamtliche einspringen sollen, die das an die Belastungsgrenze bringt.“ Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss aus Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege, dem Deutschen Gewerkschaftsbund und deutschlandweit tätigen Fachverbänden und Betroffeneninitiativen.

Vorläufig wird es aber beim Essener Moratorium bleiben, erklärte der dortige Tafel-Vorstand am Dienstag nach einer Krisensitzung. Es werde innerhalb der nächsten zwei Wochen ein Runder Tisch gegründet, um über die künftige Verteilung der Lebensmittel nachzudenken. Man sei sich aber einig, dass Alleinerziehende, Senioren und Familien mit minderjährigen Kindern im Mittelpunkt stehen sollten, hieß es. Die Verantwortlichen hatten in den vergangenen Tagen mit Anfeindungen zu kämpfen. Hassbotschaften trafen ein, Autos der Essener Tafel wurden mit „Nazis“-Parolen besprüht.

„Der Aufnahmestopp war eine hilflose Reaktion, noch hilfloser finde ich allerdings, dass sie nicht damit aufhören“, sagt die Berliner Tafel-Chefin Sabine Werth. „Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweite Klasse.“ Es laufe jeglichen Grundsätzen der Tafeln zuwider, Arme gegen noch Ärmere auszuspielen.

Von Jean-Marie Magro/RND

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