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Panorama Deutsches Herzzentrum wegen Organspenden unter Verdacht
Nachrichten Panorama Deutsches Herzzentrum wegen Organspenden unter Verdacht
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18:12 22.08.2014
Transportbox in den Räumen der Deutschen Stiftung Organtransplantation in Berlin. Quelle: Jens Kalaene/Archiv
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Berlin

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Totschlags gegen das Zentrum. Der 2012 aufgeflogene Fall in Göttingen führte zu einem Vertrauensverlust in die Transplantationsmedizin und einem Rückgang der Bereitschaft, Organe zu spenden.

Auch in Berlin bestehe der Verdacht, dass Wartelisten für Herztransplantationen manipuliert wurden, sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Ermittelt werde, ob Patienten auf der Liste bevorzugt wurden, während andere nach hinten rutschten und damit in Lebensgefahr gerieten. Geprüft werde auch, ob Patienten wegen möglicher Manipulationen starben.

Im Sommer 2012 geriet erstmals in Deutschland das Uniklinikum im niedersächsischen Göttingen in Verdacht, Wartelisten für Spenderlebern manipuliert zu haben. Der Prozess läuft noch. Danach wurden Ungereimtheiten bei der Zuteilung von Spenderlebern in Göttingen, Regensburg, Leipzig und München bekannt.

"Wir bedauern sehr, dass ein weiteres Klinikum in dem Verdacht steht, Patientendaten manipuliert zu haben", sagte Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO). Die Organspende sei davon aber nicht betroffen. "Wir hoffen, dass diese Manipulationsvorwürfe nicht zu einer erneuten Verunsicherung in der Bevölkerung und damit einem Rückgang der Organspende-Bereitschaft führen."

In Deutschland warten etwa 10 700 schwer kranke Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Schwerstkranke Patienten werden nach strengen Kriterien in einer bundesweiten Dringlichkeitsliste geführt. Dies soll sicherstellen, dass gespendete Organe nur nach medizinischer Notwendigkeit vergeben werden.

Mit 2013 nur noch 876 Organspendern nach 1046 im Jahr 2012 und 1200 im Jahr davor sank die Zahl auf einen historischen Tiefstand. In diesem Jahr setzte sich diese Tendenz fort: Von Januar bis Juli gab es 513 Spender (Vergleichszeitraum 2013: 548).

In Berlin hatte sich das Herzzentrum selbst an die Ermittler gewandt. "Wir haben bei der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet", sagte Sprecherin Barbara Nickolaus. Auch der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sei informiert worden. Laut Staatsanwaltschaft übergab ein Rechtsanwalt Unterlagen des Zentrums.

Czaja zufolge geht es um den Vorwurf, dass Patienten von 2010 bis 2012 hohe Dosierungen eines herzunterstützenden Medikaments bekamen. Ärzte sollen das Mittel unmittelbar vor einem Dringlichkeitsantrag verabreicht haben, um auf diese Weise den Status ihrer Patienten auf der Warteliste zu verbessern. "Der Tagesspiegel" und die "Berliner Zeitung" hatten berichtet, es gehe um knapp 30 Patienten des Herzzentrums. Demnach soll eine Oberärztin die hohen Dosen verschrieben haben.

Das Renommee des Herzzentrums, das unzählige Leben gerettet hat, müsse mit lückenloser Aufklärung wieder hergestellt werden, sagte Gesundheitssenator Czaja. Das Vertrauen der Öffentlichkeit sei bereits stark erschüttert.

Die Berliner Grünen-Fraktion forderte Konsequenzen. Dass sich das Herzzentrum selbst an die Staatsanwaltschaft gewandt hat, sei ein gutes Zeichen, sagte der gesundheitspolitische Sprecher Heiko Thomas. "Wenn an dem Verdacht etwas dran ist, dann schockt mich das", sagte er. Dann müsse geprüft werden, ob es Einzelfälle seien oder ob im Herzzentrum eine Systematik dahinterstecke. Der Fall zeige erneut, wie wichtig die Arbeit der Prüfkommission zur Kontrolle von Organtransplantationen sei.

Diese unabhängige Kommission wurde nach dem Organspende-Skandal von 2012 eingesetzt. Ihr gehören die Bundesärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen an. Die Kommission prüfte nach eigenen Angaben vom Freitag seit Oktober 2013 weitere 37 Klinik-Programme, darunter das Herzzentrum.

Die Prüfung dort sei abgeschlossen, die Gesamtuntersuchung aber noch nicht. Abschließende Ergebnisse will die Kommission im September vorlegen. Diese Transparenz helfe, zukünftige Fälle zu vermeiden und das Vertrauen in die Kliniken wieder zu stärken, sagte DSO-Vorstand Rahmel.

Eugen Brysch, Vorsitzender der Stiftung Patientenschutz, warf dem Herzzentrum jedoch vor, bereits seit Monaten von den Vorwürfen gewusst zu haben. Er forderte staatliche Stellen in der Kommission. Bisher habe sie immer wieder beschwichtigt, dass die Auffälligkeiten allein bei Leber-Transplantationen lägen. Brysch schlug vor, die Überwachung und Prüfung an das Robert-Koch-Institut zu übertragen.

Nach dem Skandal in Göttingen waren die Kontrollmechanismen verschärft worden. DSO-Chefmediziner Rahmel sagte im Interview der dpa, der Berliner Fall sei ein Beleg dafür, dass die Kontrollen funktionierten. "Dazu muss man wissen: Diese aktuell an die Staatsanwaltschaft gemeldeten Fälle liegen in der Vergangenheit. Sie wurden jetzt nur aufgrund der neu eingeführten Kontrollen aufgedeckt."

dpa

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