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Panorama Die Grande Dame des Chansons wird 90
Nachrichten Panorama Die Grande Dame des Chansons wird 90
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15:57 31.05.2014
Die Schauspielerin und Chansonnière Gisela May im Juni 2012 in Berlin. Quelle: dpa
Berlin

Als ausdrucksstarke Interpretin von Brecht-Weill-Chansons wurde die Schauspielerin und Sängerin Gisela May berühmt. Heute feiert sie ihren 90. Geburtstag, den sie – abseits allen Rummels – im privaten Kreis verbringen will. Am 10. Juni aber erwartet das Berliner Kino Babylon-Mitte sie als Gast zur Geburtstagsfeier. Junge Künstler möchten die Wahlberlinerin mit Liedern, Lesungen und Filmdokumenten zu ihrer Karriere ehren.

Soloabende, die in erster Linie durch Werke von Bertolt Brecht, Kurt Weill und Hanns Eisler geprägt wurden, bescherten Gisela May über Jahrzehnte Triumphe von der New Yorker Carnegie Hall bis zur Mailänder Scala. Wo sie auftrat, wurde sie mit Ovationen überschüttet. Im Laufe der Jahre hat sie zahlreiche Auszeichnungen bekommen – etwa den Nationalpreis der DDR, das Filmband in Gold der Bundesrepublik Deutschland und das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Aber nicht allein als Sängerin, auch als Schauspielerin errang Gisela May beachtliche Erfolge. Ihre wichtigste Bühnenrolle war Brechts „Mutter Courage“. Sie spielte die Figur von 1978 bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Berliner Ensemble 1992. Noch heute gilt sie neben Helene Weigel und Therese Giehse als berühmteste Interpretin der Marketenderin, die im 30-jährigen Krieg fürs nackte Überleben alle Menschlichkeit fahren lässt.

Gisela May

  • Die Lust an Sprache und Musik wurde der 1924 in Wetzlar geborenen Künstlerin schon in die Wiege gelegt. Mutter Käte war Schauspielerin, Vater Ferdinand May Schriftsteller.
  • 1942 bis 1944 besuchte sie die Schauspielschule in Leipzig. 1951 kam sie ans Deutsche Theater Berlin. 1962 wechselte sie zum Berliner Ensemble.
  • Schon in den 1950er und 60er Jahren trat Gisela May in Defa-Kinofilmen auf. Nach der Wende wurde sie an der Seite von Evelyn Hamann in der Serie "Adelheid und ihre Mörder" populär.

Anders als die Mehrzahl deutscher Schauspielerinnen zog Gisela May nie eine enge Grenze zwischen ernstem und unterhaltsamem Theater. Neben klassischen Schauspielrollen übernahm sie oft auch Aufgaben im Dienst der sogenannten leichten Muse. Beispielsweise brillierte sie in den 1970er Jahren im (Ost-)Berliner Metropoltheater, dem heutigen Admiralspalast, als Hauptdarstellerin im Musical „Hello, Dolly!“.

Eine Arbeit mit und unter Bertolt Brecht, dem sie in ihrer Zeit am Deutschen Theater mehrfach begegnete, ergab sich nicht. Gern erzählte Gisela May, dass sie „bei ihm nichts gewinnen konnte“. Schmunzelnd fügt sie stets hinzu: „Der Brecht stand ja mehr, nun ja, ich will nicht sagen, auf bäuerliche Frauen, aber doch auf kräftigere, auf Frauen, die sich nicht geschminkt haben. Und ich habe mich immer schön gemacht.“ Erst 1962, Jahre nach Brechts Tod, wechselte sie in das damals von seiner Witwe Helene Weigel geleitete Berliner Ensemble.

Begonnen hatte Gisela Mays musikalische Laufbahn bereits 1957. In der DDR wurde sie die „Botschafterin des Chansons“ genannt. Im Westen machte eher der Begriff der „sozialistischen Nachtigall“ die Runde. Gisela May mag sich zu Mauerzeiten staatskonform verhalten haben, angebiedert aber hat sie sich nicht. So hielt sie etwa fest zu ihrem langjährigen Lebenspartner, dem systemkritischen Philosophen Wolfgang Harich.

Von Peter Claus

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