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Panorama Die versagte Liebe von Walter Ulbrichts Tochter
Nachrichten Panorama Die versagte Liebe von Walter Ulbrichts Tochter
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13:40 08.09.2017
Trügerisches Familienglück: Lotte, Beate und Walter Ulbricht. Quelle: ullstein bild
Potsdam

Das Buch mit dem Titel „Tochter des Diktators“, das Ines Geipel am Mittwochabend in der Villa Quandt in Potsdam erstmals öffentlich vorstellte, verspricht illuster zu sein. Packt doch die Autorin gern heiße Eisen an, von ihr gibt es schon streitbare Bücher über DDR-Staatsdoping und Amokläufe an Schulen. Wiederholt hat sie auch schon Biografien über vergessene Frauen geschrieben, die im Obrigkeitsstaat der Männer unglücklich wurden.

Protagonistin: Walter Ulbrichts Tochter

Jetzt greift die 57-Jährige zu einem tragischen Stoff, der auch von ihr selbst bereits journalistisch aufbereitet wurde. Es geht um Beate, die Adoptivtochter von Lotte und Walter Ulbricht. Kurz nach dem Mauerbau geht die 18-Jährige beim Studium in Moskau eine Liebesbeziehung mit dem italienischen Kommunisten Ivano Matteoli ein. Durch den rigiden, langen Arm ihrer Eltern blieb dem „Staatskind“ aber eine glückliche Ehe mit ihm versagt. Sie versuchte sich mit Alkohol zu trösten und wird 1992 unter ungeklärten Umständen in Berlin-Lichtenberg in ihrer Wohnung erschlagen aufgefunden.

Ines Geipel liefert keine süffige Kolportage und wartet auch nicht mit neuen Details oder Theorien auf. Von der ersten bis zur letzten Seite muss sich der Leser mit der Erzählfigur Anni Paoli anfreunden, die aus einer recht vagen Distanz über Bea und Ivano erzählt. Die Gewährsfrau der Königskinder-Geschichte lebt in Cigoli, jenem Dorf in der Toskana, aus dem Ivano stammt. Der graue Himmel über Berlin und Moskau wird also mit südlicher Bläue kontrastiert, die aber nicht mit Leichtigkeit gleichzusetzen ist. Die falschen Verheißungen von Katholizismus und Eurokommunismus schießen in Cigoli so sehr ins Kraut, dass mafiotische und terroristische Wucherungen die Ereignisse mitbestimmen.

Geipel mit poetischer Triebfeder

Ines Geipel schreibt dieses Mal mit einer poetischen Triebfeder, der sie 1999 in ihrem autobiografischen Roman „Das Heft“ schon einmal freien Lauf ließ. Nicht alle Formulierungen glücken ihr, manche Sätze klingen gewollt – etwa „die Kälte klirrte in mir wie Metall“. Ines Geipel möchte „die Sachbuchproblematik der Beate“ durch einen literarischen Ton umschiffen oder auch bereichern – so richtig klar wird das nicht. Der Unbedarfte, der auch Fakten aus der zeitgeschichtlich aufgeladenen Liebesgeschichte ziehen möchte, muss Unschärfen und Abschweifungen verkraften. Ohne den historischen Stoff, der im Buch mit authentischen Fotos beglaubigt werden soll, ließe sich diese ambitionierte Rollenprosa leichter konsumieren.

Ines Geipel geht es um „eine literarische Bergung des Lebens einer Frau, die nie eine Chance bekommen hat“. Zweierlei ist ihr wichtig. Sich dem ewigen Thema DDR einmal aus anderer, aus südlicher Richtung zu nähern. Und nicht zu skandalisieren. Dabei war Beate Ulbricht nie in Italien. Und auf die Frage, warum die Tochter einer ukrainischen Zwangsarbeiterin 1946 von den Ulbrichts adoptiert wurde, äußert die Autorin doch nur eine politische Verschwörungstheorie.

Ines Geipel: Tochter des Diktators. Klett-Cotta Verlag Stuttgart, 198 Seiten, 20 Euro.

Von Karim Saab

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