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Panorama Ein Drittel der Kosmetika enthält hormonell wirksame Stoffe
Nachrichten Panorama Ein Drittel der Kosmetika enthält hormonell wirksame Stoffe
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17:40 24.07.2013
Geschminkte Lippen: Ein Drittel der Kosmetika enthält laut einer Studie hormonell wirksame Stoffe. Quelle: Rolf Vennenbernd/Archiv
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Berlin

Der Zusatz dieser Chemikalien sei zwar legal, sie stünden aber im Verdacht, die Fruchtbarkeit zu mindern oder die Pubertät früher beginnen zu lassen, teilte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) am Mittwoch mit. Das Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist allerdings gegen eine generelle Verdammung sämtlicher Substanzen. Und das Bundesverbraucherschutzministerium will keinen nationalen Alleingang bei Verboten.

Für die Studie wertete der BUND die Angaben zu Inhaltsstoffen von mehr als 60 000 Körperpflegeprodukten aus. Die Kosmetika wurden dabei auf 15 bestimmte Chemikalien gescannt. Dazu gehören Stoffe wie Ethylhexyl Methoxycinnamate oder 4-Methylbenzylidene Camphor, die zum Beispiel in UV-Filtern von Sonnencremes vorkommen. Andere Chemikalien sind in Haarfärbemitteln, Hautpflege- oder Hautschutzmitteln enthalten.

Für die 15 gescannten Substanzen sei in Tierversuchen eine hohe hormonelle Wirksamkeit im Körper dokumentiert, begründen die Umweltschützer ihre Auswahl. Untersucht wurden auch Sonnencremes, Haarfärbemittel, Haargel, Handcremes und Bodylotions. Nur Naturkosmetik sei in der Regel nicht mit den untersuchten Stoffen belastet gewesen, heißt es in der Studie.

Dagegen schneiden vor allem die Marktführer beim BUND-Check schlecht ab. "Bei den großen Marken ist knapp die Hälfte der Produkte betroffen", sagte der Leiter der Untersuchung, Jurek Vengels. Am stärksten verbreitet seien sogenannte Parabene. Sie sollen Kosmetika vor Verderb schützen.

Doch gerade an Parabenen scheiden sich die Geister. Der Toxikologe Thomas Platzek vom Berliner Bundesinstitut für Risikobewertung warnt vor einer generellen Diskriminierung bestimmter Substanzen. Seiner Einschätzung nach haben sich etwa Methyl- und Etyhlparaben als sicher erwiesen. "Diese Stoffe sind auch in Lebensmitteln enthalten", sagt Platzek. Andere seien allerdings umstritten. "Auf EU-Ebene wird diskutiert, die Grenzwerte von Propyl- und Butylparaben um die Hälfte abzusenken", ergänzt Platzek. In Dänemark sind sie bereits verboten.

Das Bundesverbraucherschutzministerium argumentierte am Mittwoch, viele Kosmetika würden importiert. Ein nationaler Alleingang sei bei Verboten deshalb wenig hilfreich. Man dränge auf EU-Ebene jedoch auf Beschränkungen bei Parabenen und stütze wissenschaftliche Empfehlungen, Propyl- und Butylparaben etwa in Produkten für die Babypflege zu verbieten. Die zuständigen Gremien würden sich derzeit noch beraten.

Der BUND bemängelt, dass gegenwärtige Risikobewertungen lediglich für einzelne Stoffe gelten. "Der Cocktail, der sich durch die Verwendung verschiedener Kosmetika im Körper ergibt, wird nicht berücksichtigt", sagte BUND-Expertin Sarah Häuser. Hinzu komme, dass auch Kunststoffe hormonähnliche Wirkungen hätten. Viele Kosmetika sind darin verpackt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält dagegen. "Der menschliche Körper ist gewöhnt, mit hormonell wirksamen Stoffen umzugehen", sagt Experte Platzek. Bei Kosmetika spiele vor allem die Paraben-Konzentration eine Rolle. Darüber gebe die BUND-Untersuchung aber keinen Aufschluss.

Die Umweltschützer wollen die Verbraucher selbst entscheiden lassen. Eine neue Smartphone-App soll Interessierten künftig helfen, möglicherweise bedenkliche Produkte zu erkennen. Die Deutschen geben nach Angaben des BUND im Jahr rund 12,9 Milliarden Euro für Körperpflege- und Kosmetikprodukte aus.

dpa

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