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16:46 16.08.2014
Peter Scholl-Latour ist tot. Quelle: Tim Brakemeier
Berlin

Es gab wohl kaum eine Talkshow-Couch, auf der er nicht saß und in seinem berühmten Nuscheln die Welt erklärte: Peter Scholl-Latour prägte das Bild der Deutschen von der Weltpolitik. Als Fernsehreporter war er eines der populärsten TV-Gesichter, als Sachbuchautor brachte er es mit Büchern wie "Der Tod im Reisfeld" auf Millionenauflagen. Im Alter von 90 Jahren ist Scholl-Latour am Samstag in Rhöndorf am Rhein gestorben.

Unermüdlich bereiste Scholl-Latour bis ins hohe Alter die Welt. Er war überall und kannte sie alle - vom Ajatollah Khomeini bis zum Vietcong-General Vo Ngyuen Giap. Stempel von 200 Staaten, von denen mancher schon lange untergangen ist, hatte er in seinen Pässen. Noch kurz nach seinem 90. Geburtstag am 9. März plante er die nächste Reise in den Tschad. "Ich muss wieder raus", sagte er damals.

Richtig wohl fühlte sich Scholl-Latour in den Krisengebieten der Welt. Er berichtete aus dem Dschungel über den Vietnamkrieg, wurde 1973 Gefangener der Vietcong-Guerilla, zog mit den Mudschahedin durch Afghanistan. "Mit dem Tod von Peter Scholl-Latour verliert Deutschland einen der letzten großen journalistischen Welterklärer", meinte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Als solcher befasste sich der Journalist mit den Konflikten in der arabischen Welt, aber auch in Asien und Afrika. Die Kriege der USA und Großbritanniens im Irak und in Afghanistan kritisierte er.

Viele seiner mehr als 30 Bücher erzählen von Kriegen. Schon die Titel lassen wenig Gutes ahnen. Ob "Der Wahn vom Himmlischen Frieden" über China, "Allah, Blut und Öl" oder "Afrikanische Totenklage", "Welt aus den Fugen" - Scholl-Latours Welt war geprägt von Mord und Totschlag, Machtkämpfen und Verschwörungen. Damit landete er fast immer Bestseller. Sein 1979 erschienenes Buch "Tod im Reisfeld" über den Vietnam-Krieg wurde später sein größter Erfolg. Mehr als eine Million Mal ging es über die Ladentheke.

Peter Scholl-Latour (2.v.l.) und sein Kamerateam waren 1973 in Vietnam in Gefangenschaft geraten. Quelle: dpa

Peter Scholl-Latour verband in seinen Werken die Beschreibung historischer Entwicklungslinien mit journalistischen Schilderungen und persönlichen Erfahrungen - eine Arbeitsweise, die ihm auch Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung eintrug. In dem Sammelband "Das Schwert des «Experten»" warfen ihm Wissenschaftler in den 90er Jahren ein verzerrtes Islambild vor, das Angst, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus schüre.

Die Aufstände in der arabischen Welt beschäftigten ihn in den vergangenen Jahren stark. Die Hoffnungen, die sich mit dem "Arabischen Frühling" verknüpften, hielt Scholl-Latour für maßlos überzogen. "Das ist eine arabische Katastrophe", sagte er. "Kein Land steht heute besser da als vor der Revolte."

Lange hielt Scholl-Latour es nicht an einem Platz aus. Die Zeit als Regierungssprecher im Saarland, WDR-Fernsehdirektor oder "stern"-Chefredakteur blieben Episoden. 1963 wurde er Leiter des neuen ARD-Studios in Paris, seine Reportagen aus dem Kongo machten ihn zum populärsten Fernsehreporter Deutschlands. 1971 wechselte er zum ZDF.

Mut und Überlebensinstinkt hätten ihm bei seinen zahllosen Reisen geholfen, sagte er. Er traue nur dem, was er selbst sehe.

Von Estban Engel und Stephan Maurer

Der letzte Welterklärer

  • Peter Scholl-Latour wurde am 9. März 1924 in Bochum geboren. Seine elsässische Mutter entkam als Jüdin knapp der Deportation. Er ging in Fribourg (Schweiz) in ein Jesuitenkolleg. 1945 geriet er kurzzeitig in Gestapo-Haft. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges meldete er sich bei einer französischen Elite-Einheit und kämpfte als Fallschirmspringer in Indochina.
  • Seit 1950 als Journalist tätig, bereiste Scholl-Latour bis ins hohe Alter die Welt. Er berichtete aus dem Dschungel über den Vietnamkrieg, wurde Gefangener der Vietcong-Guerilla, zog mit den Mudschahedin durch Afghanistan.
  • Scholl-Latour veröffentlichte zahlreiche Sachbücher, in denen er die Beschreibung historischer Entwicklungslinien mit journalistischen Schilderungen verband - eine Arbeitsweise, die ihm auch Kritik und den Vorwurf der Vereinfachung eintrug. Sein letztes Buch "Der Fluch der bösen Tat. Das Scheitern des Westens im Orient" soll nach Angaben des Propyläen Verlags im September erscheinen.

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