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Panorama Facebook-Seite sammelt fremde Kinderfotos
Nachrichten Panorama Facebook-Seite sammelt fremde Kinderfotos
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11:19 03.03.2017
Wenn Eltern einen besonderen Moment mit ihrem Nachwuchs online teilen wollen, sollten sie dabei einiges beachten. Auch Kinder haben ein Recht auf Privatsphäre – mit diesem Slogan appelliert die Polizei. Quelle: Polizei Hagen
Rosenheim/Brüssel

Sie spielen im Park, liegen fast nackt am Strand oder in der Badewanne: Die Facebook-Seite „Little Miss & Mister“ durchforstet Nutzerprofile und sammelt Bilder von Kindern auf Facebook und verbreitet diese öffentlich. Mittlerweile sind Eltern alarmiert, sogar eine Opfergruppe hat sich schon gebildet. Seit Ende Dezember waren dort bis zu dieser Woche unzählige Fotos von Kindern zusammengekommen, darunter Bilder von Babys und Kleinkindern. Das Profilbild der Seite, die rund 660 Menschen abonniert hatten, zeigt ein Kind, das sich mit Lippenstift schminkt. Nachdem die Seite kurzzeitig nicht mehr zu erreichen war, hat sie nun einen Neustart mit zunächst rund 40 Abonnenten hingelegt – stündlich werden es mehr.

Ein Buchstabenspiel mit dem Begriff „Satire“

„Auch ihr Kind kann der Star von morgen werden“, heißt es in den Informationen. Wer dahintersteckt, bleibt im Unklaren. Die Betreiber der Facebook-Seite geben sich den offensichtlich ironisch gemeinten Namen „SAsha TIschREin“, ein Buchstabenspiel mit dem Begriff „Satire“. Mails an die auf der ursprünglichen Seite angegebene belgische E-Mail-Adresse kommen als unzustellbar zurück, Anrufe bei einer angegebenen Nummer führen zu Personen, die anscheinend nichts mit der Seite zu tun haben.

Betreiber zeigen Screenshots von Beschimpfungen seitens Eltern

Auf eine Anfrage via Facebook-Nachricht antwortet ein Administrator: „Viele FB-Nutzer schmeißen ihre Informationen durchs www wie Konfetti. Genau das wollen wir aufzeigen. Besonders liegt uns der Schutz von Kinderbildern am Herzen. Das www ist voll von üblen Menschen, die diese Bilder für ihre Zwecke missbrauchen und dem wollen wir entgegenwirken.“ Warum sie nicht offenlegen, wer sie sind? „Wir schützen uns und unsere Familien. Mit den Wutmuttis ist nicht zu spaßen.“ Gleichzeitig schicken die Betreiber Screenshots von wüsten Beschimpfungen und Drohungen betroffener Eltern.

„Sharenting“ – ein gefährlicher Trend

Die Wurzel allen Übels liegt laut dem Cyberkriminologen Thomas-Gabriel Rüdiger von der Fachhochschule der Polizei des Landes Brandenburg in dem Trend zum „Sharenting“, einem Kunstwort aus „share“ (teilen) und „parenting“ (Kindererziehung). Wenn Eltern keine Bilder von ihren Kindern öffentlich machten, gäbe es auch eine solche Seite nicht. „Bilder von erkennbaren Kindern haben im Netz prinzipiell nichts verloren“, sagt Rüdiger.

Die Polizei Hagen machte bereits im Jahr 2015 Schlagzeilen mit dem Aufruf „Hören Sie bitte auf, Fotos Ihrer Kinder für jedermann sichtbar bei Facebook und Co. zu posten! – Auch Ihre Kinder haben eine Privatsphäre!“ Polizeisprecher Tino Schäfer, der die Idee zu der Kampagne hatte, sagt, man habe damals vor allem die Sensibilität dem Thema gegenüber erhöhen wollen. „Wir haben damals eine Reichweite von 17 Millionen gehabt und bis heute fast nur positive Reaktionen und viel Verständnis“, berichtet Schäfer. Einen konkreten Anlass habe es damals nicht gegeben.

Einer US-Studie zufolge sind inzwischen 90 Prozent der unter Zweijährigen schon im Netz präsent. Für den Cyberkriminologen Rüdiger ist dies eine Auswirkung des „digitalen Narzissmus“ der Eltern. „Viele zeigen diese Bilder ja nicht, weil sie damit ihren Kindern etwas Gutes tun möchten, sondern weil sie hoffen, mit den Bildern Anerkennung bekommen.“

Die Seite hackt keine Profile, sie teilt lediglich die Bilder von Kindern, die für alle öffentlich sichtbar sind – und macht deutlich, wie man die Privatsphäre-Einstellungen ändern kann. Für einige Mütter ist es dennoch ein Schock, Bilder ihrer Kinder auf der Seite zu entdecken. „Es wurde ein Bild gepostet von meiner Tochter ohne mein Einverständnis ich möchte bitte das das Foto von ihr gelöscht wird denn wird es nicht getan fühle ich mich gezwungen es zur Anzeige bei der Polizei zu bringen“, schrieb eine Facebook-Nutzerin noch auf der ersten Seite – mit den Fehlern im Original.

Mutter aus Rosenheim findet zehn Jahre altes Bild ihres Sohnes im Netz

Eine Mutter aus Rosenheim hat ein zehn Jahre altes Foto ihres Sohnes auf der Seite entdeckt. Sie sei zunächst über einen Eintrag in einem Fanforum für eine Drogeriekette auf die Seite gestoßen, sagt sie. „Ich habe mir die Seite angeschaut und mich hat der Schlag getroffen. Da konnte ich nicht an mich halten, habe geschrieben, was ich davon halte – und so schnell konnte ich gar nicht gucken, da war ich selber Opfer.“ In Windeseile hatte jemand ein Bild ihres damals sechsjährigen Sohnes auf ihrer Seite gefunden und geteilt.

Auf der ursprünglichen Seite „Little Miss & Mister“ machten sich Nutzer sogar lustig über die aufgebrachten Mütter – oder sprachen sogar Drohungen aus gegen diejenigen, die sich kritisch zu Wort meldeten. Auch der Administrator schrieb einmal: „Ich hab grad voll keine Zeit dein Geschreibsel zu lesen. Muss deine FL durchforsten.“ Die Rosenheimerin hat inzwischen eine eigene Facebook-Seite für Betroffene gegründet und viele Nutzer darauf aufmerksam gemacht, dass Bilder von ihren Kindern von „Little Miss & Mister“ veröffentlicht werden.

Oft merken Betroffene nichts von Verbreitung, Facebook schweigt dazu

Das Problem: Einträge, die bei Facebook öffentlich und nicht nur für Freunde sichtbar sind, können problemlos mit einem einzigen Klick immer weiter verbreitet werden. Im Zweifel merken das die Betroffenen nicht einmal. Eine Benachrichtigung gibt es nur beim ersten Teilen – danach nicht mehr.

Zu dem aktuellen Fall äußert sich Facebook nicht. Stattdessen verweist das Unternehmen auf die Privatsphäre-Einstellungen, die jedem Nutzer ermöglichen, zu entscheiden, ab geteilte Inhalte öffentlich oder nur für Facebook-Freunde sichtbar sein sollen. Quelle: Facebook

Facebook äußert sich nicht zu dem Fall. Das Unternehmen weist stattdessen darauf hin, dass Nutzer mit den Privatsphäre-Einstellungen festlegen können, wer ihre Bilder sehen kann. Befinden sich die Einstellungen auf „öffentlich“, sind eben auch die Posts öffentlich. Eine Umstellung auf Sichtbarkeit nur für Freunde kann das Problem beheben. Außerdem können Betroffene Verletzungen von Persönlichkeitsrechten bei Facebook melden, wie das Unternehmen betont.

Die 33-Jährige aus Rosenheim glaubt nicht an ehrenhafte Motive und sagt über die Seite: „Das ist für mich eine perfide Masche, Bilder – da sind auch leicht bekleidete Kinder dabei – Pädophilen zugänglich zu machen.“

Von Britta Schultejahns und Martina Herzog

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