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Panorama Glücklicher arbeiten in Skandinavien: Ich mach mir den Job, wie er mir gefällt
Nachrichten Panorama Glücklicher arbeiten in Skandinavien: Ich mach mir den Job, wie er mir gefällt
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10:00 03.02.2019
Im Norden gehen die Menschen davon aus, dass jeder für den anderen nur das Beste möchte. Was dann entsteht, ist die Basis für die skandinavische Toleranz, Flexibilität und den tiefen Zusammenhalt: Vertrauen. Quelle: Christophe Boisson
Stockholm

Wir kennen es alle, dieses schwedische Mädchen mit den orangefarbenen Zöpfen. Rotzfrech, stark und selbstbewusst macht es sich die Welt so, wie sie ihr gefällt. Und ein wenig ist es auch so in den Ländern, in denen rot-weiße Häuser Nordsee, Schären und Fjorde säumen.

Beinahe zwei Jahre lang reiste ich durch skandinavische Länder, wo nicht nur die glücklichsten Menschen leben, sondern auch arbeiten. Ich besuchte 30 Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen und lernte eine Arbeitswelt kennen, die glücklicher kaum sein könnte. Was können wir uns von den Nordeuropäern abgucken?

Fangen wir einfach mit Pippi Langstrumpf an. Sie ist beispielhaft für einen eigenwilligen Menschenschlag, der nach den Erhebungen des Projekts World Value Survey der individualistischste der Welt ist. Du selbst zu sein, selber zu denken, eigenverantwortlich zu handeln ist im Norden erklärtes Entwicklungsziel, unabhängig von Erwartungen oder Vorgaben.

Beispielhaft für den eigenwilligen Menschenschlag der skandinavischen Länder: Pippi Langstrumpf. Quelle: Imago

Warum nicht um 12 Uhr nach Hause gehen, wenn das Kind krank ist? Auch als CEO. Warum kein Nickerchen machen, wenn man die Nacht davor schlecht geschlafen hat? Warum nicht als vollständiger Mensch auf der Arbeit erscheinen? Genau das bedingt das hohe Glücksgefühl in den Nordländern. Es ist das Gefühl der Freiheit, sein Leben weitestgehend autonom führen zu können.

Es erklärt auch den wirtschaftlichen Erfolg der Miniländer. Denn anstatt Menschen in Boxen zu stecken, „nutzen wir alle das Beste von allen“, wie mir ein schwedischer Bauarbeiter erklärte. Und dazu gehören selbstverständlich auch unsere Schwächen, unser persönliches Leben, die Fehler, die wir unvermeidlicherweise machen.

Deshalb gibt’s im Norden auch erst ab der achten Klasse Noten. Denn es geht nicht um richtig oder falsch, sondern darum, die kindliche Neugierde und Unbedarftheit zu erhalten. Es mag deshalb nicht verwundern, dass die Schweden den sogenannten Europäischen Innovationszeiger anführen. Weil sie sich (mit einem Augenzwinkern) in gewisser Hinsicht ihr Leben lang auf dem Niveau eines Dreijährigen befinden und fragen: Warum? Warum so – und nicht anders?

Individualismus, der nicht in Egoismus abgleitet

Ein Wikinger macht nicht irgendetwas einfach so, nur weil irgendjemand das sagt oder man es halt schon immer so gemacht hat. Er fragt nach. Und erhält dafür den Sinn seines Tuns zurück. Und das ist Glück. 24 Stunden lang zu wissen, warum man die Dinge tut, die man tut. Und diese Teilhabe, dieses unersättliche Interesse – nervt! Zugegeben. Sie macht jedoch letztendlich nicht nur die Menschen in den Unternehmen glücklich, sondern auch die Unternehmen selbst.

Denn nichts ist so wertvoll wie der Blickwinkel eines anderen. Das anzuerkennen ist wichtig, denn nur so gleitet Individualismus nicht in Egoismus ab. Die kleinen Wikinger lernen darum schon in der Schule, dass man schneller ans Ziel kommt, wenn man gemeinsam rudert.

„Alle Menschen jederzeit!“ lautet das Credo eines schwedischen Lastwagenherstellers. Denn Kinder können genauso fantastisches Feedback geben wie ein Praktikant oder ein Geschäftsführer. Die außergewöhnlichsten Ideen kommen aus den erstaunlichsten Ecken. Deshalb ist Gleichberechtigung im Norden so wichtig. Lehrer sind die Kumpel der Schüler, Chefs sind nur Kollegen mit einem anderen Aufgabenbereich, Eltern teilen sich alle Aufgaben, Kunde und Lieferant sind ein Team.

„Wir sitzen alle in einem Boot“

„Gleichheit ist nicht mehr als die Anerkennung dessen, dass jeder Mensch einen wertvollen Beitrag leisten kann“, meint Tommy, der Gründer einer kleinen schwedischen Baufirma. Denn auf das Miteinander kommt es an, nicht auf das Gegeneinander. „Wir sitzen alle in einem Boot. Du bist nicht allein. Wir sollten alle in dieselbe Richtung streben. Das macht dich auch als Person glücklicher“, sagt Jonas, Teamleiter einer Produktionsabteilung in Schweden.

Und damit hat er recht, denn gute Beziehungen sind das A und O für ein glückliches Leben. „Ich, du, wir“ – so pocht der Rhythmus des Nordens. „Wir wollen nur das Beste füreinander. Wir wollen einander helfen“, sagt die blonde Gro aus Norwegen. Und man geht im Norden tatsächlich davon aus, dass jeder für den anderen nur das Beste möchte. Was dann entsteht, ist die Basis für die skandinavische Toleranz, Flexibilität und den tiefen Zusammenhalt: Vertrauen.

Deshalb ist es kein Problem, um 14 Uhr zum Skirennen des Lütten abzudüsen. Weil Kollegen und Arbeitgeber darauf vertrauen, dass man die Stunden schon irgendwo und irgendwann wieder reinholen wird. Man vertraut einander – und dann schaut man auch nicht so genau hin. Dann kann die Arbeit dem Leben folgen, und die Menschen können die Energie, die sie aus der Arbeit erhalten, für das Private nutzen – und auch andersherum.

Flexibilität und Verständnis auf beiden Seiten

Es sind die Flexibilität und das Verständnis auf beiden Seiten, die zum Glück und auch zum Engagement der Menschen im Norden beitragen. Und das täglich 24 Stunden lang.

Was machen wir jetzt hier in Deutschland? „Wenn ich Angela Merkel wäre, würde ich sagen: 80 Millionen pfiffige Menschen. Auf Leute, wir machen’s alle zusammen!“, sagt zum Beispiel Rune, der Schaltkästen in Norwegen baut.

80 Millionen Mal einfach einmal pro Tag etwas anders machen: Schwächen zeigen. Hilfe anbieten. Wissen teilen. Warum fragen. Zuhören. Nicht schräg gucken, wenn einer früher geht. Große Veränderungen entstehen durch viele kleine Veränderungen, die viele Menschen täglich gemeinsam tun. Viel Glück!

Maike Van Den Boom Quelle: Eva Garmendia/Evia Photos

Zur Person: Maike van den Boom, geboren 1971 in Heidelberg, ist Glücksforscherin und Autorin. Seit Sommer 2018 lebt die Halbholländerin in Stockholm. Im Krüger-Verlag ist ihr Buch „Acht Stunden mehr Glück“ (416 Seiten, 20 Euro) über das Arbeiten in Skandinavien erschienen.

Von Maike van den Boom

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