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Panorama Gruppenvergewaltigung: Die Machtfantasien der Täter
Nachrichten Panorama Gruppenvergewaltigung: Die Machtfantasien der Täter
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17:53 13.06.2018
Die 13-Jährige war im Freibad und wurde auf ihrem Heimweg in einen Wald gezerrt und missbraucht haben. Quelle: dpa
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Velbert

Nach dem schweren Missbrauchsfall an einem 13-jährigen Mädchen in Velbert bleiben sechs verdächtige Jugendliche in Untersuchungshaft. „Das sind harte Bandagen für Jugendliche, aber die sind hier absolut berechtigt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal am Mittwoch. Nach weiteren beteiligten Jugendlichen werde intensiv gefahndet, sagte der Sprecher. Er sprach von „drastischen Sexualstraftaten“. Die tatverdächtigen Schüler aus Velbert im Alter zwischen 14 und 16 Jahren stammten aus Bulgarien, sagte der Sprecher. Sioe sollen die Tat mit einem Handy gefilmt haben.

Eine Spaziergängerin habe das 13-jährige Mädchen aus den Händen der mindestens acht Jugendlichen gerettet. Sie habe zuvor mitbekommen, dass die Familie der 13-Jährigen nach dem Kind suchte und die Jugendlichen scharf angesprochen, als sie auf die Gruppe traf.

Mädchen in Wald gezerrt und missbraucht

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten die Jugendlichen das Mädchen zusammen mit einigen Freundinnen zunächst in einem Velberter Freibad belästigt. Als die 13-Jährige dann allein nach Hause ging, hätten die Jungen sie verfolgt, in einen nahe gelegenen Wald gezerrt und missbraucht.

Ein Weg führt durch einen Wald in der Nähe des Parkbades. Dort soll das Mädchen überfallen worden sein. Quelle: dpa

Gruppenvergewaltigungen sind kein Einzelfall

Ein Blick in die Kriminalstatistik offenbart: Gruppenvergewaltigungen sind kein Einzelfall. Wir erfahren nur öfter von ihnen, sagen Psychologen. Wie zum Beispiel Anfang des Jahres von einer Clique aus dem Ruhrgebiet, die immer wieder Mädchen in eine Falle gelockt und vergewaltigt haben soll. 2017 machte ein Fall aus Chicago international Schlagzeilen: Bei Facebook hatten rund 40 Menschen live mitverfolgen können, wie mehrere Menschen eine 15-Jährige vergewaltigten.

Das brutale Verbrechen in Velbert wurde erst jetzt, Monate später öffentlich, weil Polizei und Staatsanwaltschaft lange versucht hatten, das schwer traumatisierte Opfer zu schützen. Sie war am 21. April in einem Schwimmbad von mehreren Teenagern angemacht und belästigt worden, berichtet Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der ermittelnden Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Als sie sich auf den Heimweg durch ein Waldstück machte, soll sie von mindestens acht Jugendlichen angegriffen worden sein.

Verbrechen werden heute stärker wahrgenommen

Sexualdelikte, in denen gleich mehrere Männer über Frauen herfallen, beschäftigen Polizei und Staatsanwaltschaft in Deutschland laut Polizeilicher Kriminalstatistik seit Jahren auf stets ähnlichem Niveau. So ermittelten die Behörden 2017 gegen 467 Tatverdächtige, die an Gruppenvergewaltigungen beteiligt gewesen sein sollen - mehr als ein Drittel von ihnen sind Jugendliche oder Heranwachsende unter 21 Jahren, in aller Regel männlich.

„So etwas hat es auch in der Vergangenheit schon gegeben, heute werden solche Verbrechen jedoch stärker wahrgenommen“, sagt der Kriminalpsychologe Rudolf Egg. Auch weil in Zeiten von Smartphones die Dokumentation des eigenen Verbrechens so leicht geworden sei. Hinzu komme in manchen Fällen auch der Reiz, vor breitem Publikum zu protzen - etwa dann, wenn Täter gefilmte Gewaltszenen ins Internet stellten. „Durch Filmen kann man auch den Tatrausch verlängern, wenn man die Tat nachher noch mal anschaut“, ergänzt der Psychotherapeut und Experte für Täterverhalten, Christian Lüdke.

Die Täter wollen mit Videos prahlen

„Moderne Handys und Internet erleichtern die Tatgelegenheit, schaffen sie aber nicht“, betont Egg. Sexualstraftäter würden häufig ihre Taten aufzeichnen, fotografieren, festhalten – auch wenn sie sich damit dem Risiko, überführt zu werden, aussetzten. „Die Kamera läuft mit - und zwar aus ganz ähnlichen Motiven, wie wir im Urlaub Fotos machen: Die Täter wollen sie sich nach der Tat anschauen, sie anderen zeigen und auch damit prahlen“, sagt er. „Es kann ihnen auch um eine besondere Demütigung des Opfers gehen. Filme ich die Vergewaltigung, setze ich die Frau der Bedrohung aus, dass auch andere diese Demütigung zu sehen bekommen, das schreckliche Geschehen also nicht mehr endet.“

Gefährliche Kombination aus Sex, Macht und Gruppendynamik

Beide Fachleute sehen bei Gruppenvergewaltigungen eine gefährliche Kombination von Sexualität, Machtdemonstration und Gruppendynamik am Werk: Es gebe Anführer, die andere anstecken, Mitläufer, die zu feige seien, einzuschreiten, und Mittäter, die ihre Position in der Gruppe aufwerten wollen, erklärt Egg.

„Je größer die Gruppe, desto unwahrscheinlicher ist es, dass einer Stopp sagt“, sagt Lüdke. Der einzelne bekomme das Gefühl, die Taten der anderen seien schlimmer, oder er warte vergeblich auf das Einschreiten der anderen. Stattdessen steigere sich der gemeinsame Tatrausch immer weiter. „Es kann sogar sein, dass sich - typisch männlich - ein Wettkampf entwickelt, in dem jeder der härteste sein will.“

Von RND/dpa

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