Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
„Ich finde mich eher langweilig“

Christoph Waltz im Interview „Ich finde mich eher langweilig“

Christoph Waltz spielt demnächst einen Partyhengst im Däumling-Format. Im Interview gibt sich der zweifache Oscar-Preisträger bescheiden und spricht über Kollegen mit zu großem Ego.

Voriger Artikel
Porno-Verleger will Trump zu Fall bringen
Nächster Artikel
Zwei deutsche Urlauber vor Teneriffa ertrunken

Christoph Waltz lebt in Los Angeles und Berlin.

Quelle: dpa

Los Angeles. „Downsizing“ – zu deutsch Gesundschrumpfen – heißt der neue Film mit Christoph Waltz, der in Deutschland im Januar anläuft. Darin versuchen Erdbewohner das Problem der Überbevölkerung so zu lösen, indem sie auf Däumling-Format schrumpfen. Der zweifache Oscar-Preisträger spielt einen dieser Mini-Menschen.

Einfach schrumpfen – eine interessante Idee, oder?

Natürlich würde das eine Menge Probleme lösen, allerdings auch eine Menge Probleme erzeugen, von denen wir gar nichts ahnen. Für mich ist die Idee des Downsizing eher eine Metapher, die auf die menschliche Denkweise bezogen ist.

Wie meinen Sie das?

Bis ins 15. Jahrhundert haben die Menschen geglaubt, dass sie das Zentrum des Universums sind. Dann haben Entdeckungen das Gegenteil bewiesen. Doch inzwischen haben wir uns als Spezies so zurückentwickelt, dass jeder Einzelne glaubt, der Mittelpunkt des Universums zu sein. Die Menschheit muss einfach realisieren, dass wir gemeinsam Verantwortung für unseren Planeten übernehmen müssen. Ich nenne das mentales Gesundschrumpfen.

Haben Sie auch schon mal etwas in Ihrem Leben gesundschrumpfen müssen – Karriere oder etwa Ego?

Ich habe mich eigentlich noch nie zu groß gemacht. Ich fand mich niemals interessant genug, dass ich mich aufblasen muss. Das gilt auch für mein Ego. Ich finde mich ehrlicherweise eher langweilig. Ich lasse mich lieber von interessanten Dingen, die in der Welt vorgehen, inspirieren.

2a57f9a0-b25c-11e7-b2bc-1ed82c2171d1

Christoph Waltz ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Schauspieler weltweit. Vor allem seine fiesen Rollen brachten dem Österreicher Ruhm und Ehre ein.

Zur Bildergalerie

Was ist der größte Irrglauben, den Leute über Sie haben?

Dass ich ein netter Mensch bin.

... und dass Sie Deutscher sind.

Auch ein Irrglaube. Ich habe zwar einen deutschen Pass, weil mein Vater deutsch war, aber das ist auch schon alles, was deutsch ist an mir.

Können Sie uns wenigstens ein paar gute Qualitäten von Ihnen verraten?

Ich bin sehr schön und hochgradig gelehrt ...

… all das mit österreichischen Charme.

Vielleicht. Wobei es nicht der österreichische, sondern der Wiener Charme ist. Wir Wiener sprechen die Dinge nicht direkt an, weshalb die Deutschen uns als Schleimer sehen.

Also ist der deutsche Humor völlig anders als der wienerische?

Meine Standardantwort darauf ist: Gibt es einen Unterschied zwischen Stechschritt und Wienerwalzer?

Sie spielen im Film einen in die Jahre gekommenen Partyhengst. Der wohl berühmteste Partyhengst der Welt ist gerade gestorben. Haben Sie Hugh Hefner jemals getroffen?

Nein, habe ich nicht. Und ich schlaf auch nicht in Pyjamas.

Vermeiden Sie Partys in Hollywood?

Nicht wirklich. Ich stehe nicht besonders drauf, aber vermeiden tue ich sie auch nicht. Und wenn eine Einladung gut klingt, dann geh ich hin.

Was ist für Sie eine gute Party?

Wenn dort Musik leise genug gespielt wird, dass man sich noch unterhalten kann. Ich finde es nicht so toll, wenn Menschen sich nur gegenseitig anschreien und sich dennoch nicht verstehen können.

Im Film gibt es den Satz „Freunde erzählen sich immer die Wahrheit“. Was für Wahrheiten haben Sie zuletzt Freunden anvertraut?

Sie glauben ernsthaft, dass ich das verrate? Ich treffe oft auf Schauspieler, die den Zwang verspüren, etwas mitzuteilen, was sie als die ultimative Wahrheit betrachten.

Wen meinen Sie?

Ich will jetzt keinen herausheben. Aber im Allgemeinen passiert das besonders oft, wenn ich in Deutschland am Theater arbeite. Dort herrscht die Kultur der brutalen Wahrheit. Und die tragen sie dir alles andere als diplomatisch vor. Was nicht unbedingt dafür spricht, dass es wirklich die Wahrheit ist. Meist steckt viel aufgeblasenes Ego und Defensivverhalten dahinter.

Viele Hollywood-Kollegen verbreiten ihre Meinungen auf Social Media. Sie auch?

Nein, ich finde es nicht gut, wenn man einfach nur etwas raushaut. Nur um sich Luft zu machen. Ich bin dafür, dass man argumentiert. Das allerdings geht auf Social Media nicht und deshalb benutze ich es auch nicht.

Wie ist es, wenn man wie Sie erst relativ spät in Hollywood zu Ruhm und Ehren kommt?

Ich habe keinen Vergleich, weil ich als junger Schauspieler nicht die Chance bekommen habe, zu Ruhm zu kommen – und diesen zu missbrauchen.

Zur Person

Christoph Waltz wurde in Wien geboren. Seine Mutter stammt aus Österreich, sein Vater aus Deutschland. Deshalb besitzt Waltz beide Staatsbürgerschaften.

Der 61-Jährige erlangte als Schauspieler weltweite Bekanntheit durch seine Leistungen als SS-Standartenführer Hans Landa in „Inglourious Basterds“ (2009) und als Dr. King Schultz im Film „Django Unchained“ (2012), für die er jeweils mehrere Auszeichnungen erhielt – unter anderem jeweils den Oscar als bester Nebendarsteller.

Nach dem Erfolg von „Inglourious Basterds“ wurde der Schauspieler für weitere US-Produktionen verpflichtet; so verkörperte er in der Comicverfilmung „The Green Hornet“ den Bösewicht und war 2011 in „Wasser für die Elefanten“ als Zirkusdirektor zu sehen.

Waltz ist zum zweiten Mal verheiratet mit einer Kostümbildnerin und hat vier Kinder.

Von Dierk Sindermann/RND

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Panorama

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Sollten die Geschäfte trotzdem öffnen?

6c46fbda-d530-11e7-9deb-d9e101ec633c
In Basel ist ein ICE entgleist

Am Mittwochabend ist in Basel ein ICE der Deutschen Bahn teilweise entgleist