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Karriere durch Sex? Hollywoods Frauen wehren sich

Das System Hollywood Karriere durch Sex? Hollywoods Frauen wehren sich

Über Jahrzehnte soll der US-Filmmogul Harvey Weinstein Schauspielerinnen sexuell genötigt haben, mittlerweile wird ihm sogar Vergewaltigung vorgeworfen. Jetzt brechen die Opfer plötzlich ihr Schweigen – kippt damit das Kartell der männlichen Macht in Hollywood?

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Unter Beschuss: Harvey Weinstein.

Quelle: imago/Future Image

Los Angeles. Es ist schon eine Krux mit Hollywood: Da gibt sich die US-Kinoelite bei jedem Galadinner fortschrittlich, sozial und auf Weltverbesserung bedacht – und dann wird sie regelmäßig von Tiefschlägen erwischt, die das Verhalten in den eigenen Reihen als hinterwäldlerisch, wenn nicht sogar als verkommen und kriminell enttarnten. Die Enthüllungen um den inzwischen geschassten Produzenten Harvey Weinstein nehmen mittlerweile monströse Zügen an.

Zunächst ging es um sexuelle Belästigungen in acht Fällen, die der 65-jährige Weinstein nicht abstreitet. Finanzielle Schweigevereinbarungen mit den Opfern sind bekannt. Seit einem aktuellen Bericht im Magazin „New Yorker“ steht nun auch der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum. Demnach gibt es Betroffene, die von erzwungenem Sex berichten. Wie etwa die Italienerin Asia Argento, die nach eigenen Worten von Weinstein 1997 in einem Hotel an der Côte d’Azur missbraucht wurde. Die damals 21-Jährige habe Weinstein nicht „erzürnen“ wollen und sich der Attacke ergeben, um ihre Karriere nicht zu gefährden.

Auch Gwyneth Paltrow, hier im Arm von Weinstein, erhebt Anschuldigungen

Auch Gwyneth Paltrow, hier im Arm von Weinstein, erhebt Anschuldigungen.

Quelle: dpa

Nun melden sich immer mehr Frauen zu Wort. Die Schauspielerinnen Mira Sorvino, Angelina Jolie und Rosanna Arquette bezeugen zumindest versuchte Übergriffe. Gwyneth Paltrow sagte, Weinstein habe sie als 22-Jährige in einem Hotel gebeten, ihm eine Massage zu geben und wurde zudringlich. Ihr damaliger Lebensgefährte Brad Pitt habe Weinstein mit dem Vorfall später bei einer Filmpremiere konfrontiert. Sich entsetzt zu geben reicht nun nicht mehr. Weinstein, das ist der Mann, der Oscar-Filme am laufenden Band produzierte („Shakespeare in Love“, „Django Unchained“) und dem viele Hollywood-Größen ihren Ruhm verdanken. Immer deutlicher wird, dass nicht alle so überrascht sein können, wie sie jetzt sagen. Von Gerüchten habe er schon in den Neunzigern gehört, räumte George Clooney ein. Er sei aber skeptisch gewesen, weil umgekehrt immer wieder Schauspielerinnen mit der Behauptung denunziert würden, sie hätten ihren Aufstieg nicht ihrem Talent zu verdanken.

Mächtige Männer, die für sich das Recht beanspruchen, Frauen in den Schritt zu greifen, sind auch in noch bedeutsameren Positionen zu finden. Im Filmgeschäft aber haben schon in Hollywoods goldenen Tagen Studiomogule wie etwa Darryl F. Zanuck (20th Century Fox ) systematisch ihre dominierende Position ausgenutzt. Hat sich seitdem kaum etwas geändert? Beinahe jede befragte Schauspielerin habe angegeben, dass sie Angst vor einer Vergewaltigung gehabt habe, heißt es im „New Yorker“.

Männer rissen Witze über das Verhalten des Filmbosses

Das müssen auch männliche Kollegen mitbekommen haben. Der Comedian Seth MacFarlane hat bei einer Oscar-Nominierung sogar auf offener Bühne über Weinsteins Sexualverhalten Witze gerissen. Und in der Weinstein Company wurde Frauen, die sich beschwerten, offenbar deutlich gemacht, dass das hier nun mal so sei.

Das Schweige-Komplott funktioniert nicht mehr. Auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle sehen das so. In einer Erklärung über das Verhalten Weinsteins, einem langjährigen Gönner der demokratischen Partei, schreiben sie: „Jeder Mann, der Frauen auf diese Art und Weise erniedrigt und degradiert, muss dafür verurteilt und zur Rechenschaft gezogen werden, unabhängig von Reichtum und Status.“

Freund der Demokraten

Freund der Demokraten: Michelle Obama distanziert sich mittlerweile von Weinstein.

Quelle: AP

Das Thema Rassismus ist Hollywood grundlegender angegangen: Die Oscar-Academy will, nachdem ihr lange vorgeworfen wurde, zu wenige farbige Künstler aufs Podium zu hieven, bunter werden und macht verstärkt Vertreter von Minderheiten zu Mitgliedern. Wie aber geht man mit anderen Missständen um, die offenbar zum System Hollywood gehören? Irgendwann muss jede junge Schauspielerin ein Produzentenbüro betreten.

Weinsteins Ehefrau, die Designerin Georgina Chapman, hat Konsequenzen gezogen: Nach zehn Jahren Ehe will sie sich trennen. Die Weinstein Company hatte für gestern eine Namensänderung auf die Tagesordnung gesetzt. Allein mit einem neuen Etikett dürften die Vorfälle aber nicht vergessen sein.

Von Stefan Stosch/RND

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