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16:18 14.06.2018
Die kleine Nelly hatte Glück: Für sie gab es noch einen kindgerechten Schrittmacher. Doch die Geräte sind Mangelware. Quelle: obs
Berlin

Die kleine Nelly ist gerade einmal sechs Monate alt, als sie einen Herzschrittmacher bekommt. Das Mädchen ist mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt gekommen – es schlägt sehr langsam. Nur ein Schrittmacher kann das Herz der kleinen Patientin wieder in den richtigen Rhythmus bringen. Doch Nelly hat Glück: Im April bekommt sie das letzte kindgerechte Gerät, das die Pädiatrische Kardiologie auf Lager hatte. Der nächste Patient hat aber vielleicht kein Glück mehr. Denn der Medizingerätehersteller hat die Produktion der kindgerechten Herzschrittmacher eingestellt.

Ärzte müssen bei der Behandlung improvisieren

Ein Skandal, finden Ärzte, Patienten und Forscher. Aber leider kein Einzelfall, weiß Hashim Abdul-Khaliq, Direktor der Pädiatrischen Kardiologie am Universitätsklinikum des Saarlandes und Sprecher des Kompetenznetzes Angeborene Herzfehler. „Von solchen Entscheidungen sind bundesweit sämtliche Kinderherzzentren betroffen.“ Denn der Bedarf eines Schrittmachers für Früh- und Neugeborene sei selten. So selten, dass der Markt nicht lukrativ sei.

Der Mangel an kindgerechten Implantaten zwinge Kardiologen und Herzchirurgen dazu, Medizinprodukte für Erwachsene einzusetzen. Und hier liegt ein großes Problem: „Die Geräte sind für Kinder unpassend und stellen daher ein erhebliches Gesundheitsrisiko für sie dar“, sagt Hashim Abdul-Khaliq. „Das ist aus medizinischen wie ethischen Gründen nicht vertretbar.“ Defibrillatoren, Schrittmacher, Herzkatheter und Arzneimittel müssten an den Körper angepasst sein. Sie seien für das Überleben und die Lebensqualität von Kindern mit angeborenen Herzfehlern entscheidend.

Appell an Wirtschaft und Politik

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sowie die Hersteller von Herzschrittmachern, Defibrillatoren, Herzkathetern und Arzneimitteln erhielten vor Kurzem einen Brandbrief. Darin forderten Mediziner, Forscher und Patientenverbände eine gezielte Forschungsförderung und die Gewährleistung passender Schrittmacher. Denn im Bedarfsfall könnten Geräte und Medikamente das Leben der kleinen Patienten retten.

In dem Appell berufen sich die Unterzeichner auf das Grundgesetz: „Laut Artikel 2 unserer Verfassung hat jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit“, sagt Sven Dittrich, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie (DGPK). Die Entscheidung der Hersteller gefährde aber den notwendigen Dienst an der Gesundheit.

Jedes hundertste Kind ist herzkrank

Jedes hundertste Kind wird in Deutschland mit einem Herzfehler geboren. Neunzig Prozent der Patienten kann wegen der medizinischen Versorgung ein fast normales Leben führen. Dennoch sind noch nicht alle Fragen zu Ursache und Verlauf der Herzerkrankungen geklärt.

Von RND

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