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Panorama „Kiezmarke“ kaufen – und Obdachlosen helfen
Nachrichten Panorama „Kiezmarke“ kaufen – und Obdachlosen helfen
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15:31 13.12.2018
Moderator Joko Winterscheidt wirbt für die „Kiezmarke“. Quelle: One Warm Winter
Berlin

Eine warme Mahlzeit, winterfeste Kleidung, ein heißes Getränk: Gerade in der kalten Jahreszeit sind viele Obdachlose auf Hilfe anderer angewiesen. Oft scheitert die Hilfsbereitschaft jedoch an der Unsicherheit der Menschen: Kauft sich der Betroffene tatsächlich von meinem Geld etwas zu essen? Sollte ich vielleicht lieber ein Brötchen spenden? Deshalb wurde in Berlin jetzt eine eigene Währung eingeführt: die „Kiezmarke“.

Hinter der Idee steckt die Initiative „One Warm Winter“, die sich seit Jahren für Obdachlose einsetzt. Mit der fiktiven Währung können Bedürftige Waren, Essen oder Dienstleistungen in der Hauptstadt bezahlen. „Mit der Kiezmarke wollen wir den Mädels und Jungs auf der Straße die Möglichkeit geben, wieder mehr am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihnen etwas zu geben, das für die meisten selbstverständlich, für sie selbst aber Luxus ist: eine Mahlzeit, Kleidung oder ein Haarschnitt“, sagt Dominic Czaja, Mitbegründer der Initiative.

Kiezmarke“ gegen Essen oder Dienstleistung eintauschen

Das System ist einfach: Wer helfen möchte, kann die „Kiezmarke“ bei einem der fünf Kooperationspartner kaufen und sie einem Menschen auf der Straße geben. Der kann sie im Laden gegen Waren oder Dienstleistungen eintauschen.

Beim Friseur „Ebony und Ivory“ gibt es etwa einen Haarschnitt, bei „Schiller Burger“ Pommes und Burger, bei C&A Kleidung. „Es gibt in Berlin viele Menschen, die helfen wollen und viele Menschen, die Hilfe benötigen. Mit der Kiezmarke bringen wir sie zusammen“, sagt Julia Troll, Projektleiterin von „One Warm Winter“. Den Gewinn jeder verkauften Marke spenden die Läden der Obdachloseninitiative.

Betroffene sollen mehr ins Kiezleben integriert werden

Den Initiatoren der „Kiezmarke“ gehe es nicht einfach nur ums schenken, sondern um Integration und ein Miteinander. „Wir wollen die Betroffenen, die sonst oft unter sich bleiben, mehr ins Kiezleben integrieren. Schenker und Beschenkte kommen im Idealfall ins Gespräch, und die Obdachlosen haben die Chance, am Leben ein Stück weit teilzunehmen“, sagt Troll.

52.000 Menschen in Deutschland leben auf der Straße

Doch in den kalten Monaten geht es oft auch ums schiere Überleben. Die Zahl der Obdachlosen, die dem Kältetod zum Opfer gefallen sind, zeigt, wie wichtig die Arbeit von Obdachlosenorganisationen, aber auch Privatpersonen ist. Schon vor dem meteorologischen Winteranfang am 1. Dezember sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe mindestens acht wohnungslose Menschen auf der Straße erfroren. Etwa 52.000 Menschen in Deutschland, die auf der Straße leben, sind auf eine Winterunterkunft angewiesen, schätzt die Bundesarbeitsgemeinschaft.

Viele Großstädte versuchen deshalb, ihre Angebote für Menschen ohne Obdach vor allem im Winter auszuweiten. In Berlin sind seit November zwei U-Bahnhöfe über Nacht geöffnet. Zudem sind Kältebusse im Einsatz, die hilflose Obdachlose in Einrichtungen bringen. München stellt im Rahmen ihres Kälteschutzprogramms mindestens 850 Bettenplätze für Frauen, Männer und Familien ohne Obdach zur Verfügung. In Hamburg bietet das Winternotprogramm bis Ende März 760 zusätzliche Plätze. In Köln sind es mehr als 600 Winternotbetten. Und in Frankfurt am Main können in diesem Jahr erstmals bis zu 150 Menschen in einer früheren Ladengalerie einer U-Bahn-Station Unterschlupf finden.

Bewegung will wachsen

Bereits zwei Tage nach Einführung der „Kiezmarke“ haben sich weitere Läden gemeldet, die die Marke bei sich anbieten wollen. Auch Anfragen aus anderen Teilen Deutschlands habe es bereits gegeben. „Es wäre natürlich ein absoluter Traum, wenn wir unsere Bewegung auf weitere Städte ausweiten können“, sagt Troll.

Auch prominente Gesichter werben für die Idee unter dem Motto „Dein Kiez hat dich lieb“: So fordern Moderator Joko Winterscheidt, Palina Rojinski und Rapper Marteria dazu auf, die Straße ein kleines bisschen weniger hart zu machen.

Von RND/mat

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