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Langschläfer jubeln: Endlich wieder Winterzeit

Zeitumstellung Langschläfer jubeln: Endlich wieder Winterzeit

Der Verein für Zweitnormalität kämpft für die Toleranz von Langschläfern – und gegen die Sommerzeit. Der Vereinsvorsitzende Günter Woog erklärt im MAZ-Interview, warum die Zeitumstellung abgeschafft werden sollte und wie Lang- und Kurzschläfer ihren gemeinsamen Alltag organieren können.

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Langschläfer freuen sich über die Umstellung auf Winterzeit.
 

Quelle: dpa

Hannover.  Wer in der Nacht zu Sonntag arbeiten muss, hat Pech – seine Schicht dauert eine Stunde länger als gewöhnlich. Alle anderen dürfen einfach ein bisschen länger schlafen, denn die Umstellung auf die Winterzeit nachts um drei beschert uns eine Extrastunde. Menschen wie Günter Woog passt diese geschenkte Zeit perfekt ins Konzept. Der Gründer des „Vereins für Zweitnormalität“ hat es sich vor 30 Jahren zum Prinzip gemacht, erst dann aufzustehen, wenn er von selbst aufgewacht ist – das Diktat der Uhr hält er für kontraproduktiv. Mit dieser Einstellung eckt er allerdings immer wieder an und stellt fest, dass Menschen, die ihre innere Uhr zum Maßstab machen, oft schief angesehen werden. Sein Verein, den er 1993 gründete, setzt sich daher für zeitversetzt schlafende Menschen ein.

Herr Woog, sollte die Uhrenumstellung abgeschafft werden?

Ja. Wir sparen durch die Umstellung ja keine Energie, was der ursprüngliche Gedanke war, also können wir uns den Stress der Zeitverschiebung sparen. Wenn generell mehr Rücksicht auf die Bevölkerung genommen würde, zum Beispiel mit flexiblen Arbeitszeiten, dann könnte man sich den Tag besser einteilen, nach dem Biorhythmus leben und müsste sich nicht nach der Uhr richten.

Mit Ihrem „Verein für Zweitnormalität“ setzen Sie sich für mehr Respekt gegenüber Spätaufstehern ein – aber was meinen Sie mit „Zweitnormalität“? Leben Sie in einer anderen Welt?

Wir hören immer wieder, wir seien nicht normal, weil wir vom üblichen Zeitrhythmus abweichen. Ab was ist schon normal? Es gibt nicht nur eine Normalität, sondern zwei oder mehrere, das soll der Vereinsname ausdrücken.

Erinnern Sie sich noch an den Moment, als Sie merkten, dass Sie Langschläfer sind?

Das war schon zu Schulzeiten. Der Unterrichtsbeginn war einfach zu früh. Meine Mutter hat mich dann immer aus dem Bett geschmissen, manchmal bekam ich auch einen nassen Waschlappen ins Gesicht.

Wie lange dauert Ihr Tag?

So bis drei, vier Uhr nachts – oder morgens, je nach Betrachtungsweise. Ich esse auch erst gegen 20 Uhr zu Mittag.

Wodurch wollen Sie denn mehr Toleranz für Langschläfer erreichen?

Wir wollen durch neue Forschungen eine Akzeptanz in der Gesellschaft schaffen. Viele Promis haben sich ja auch als Spätmenschen bekannt, Einstein zum Beispiel.

Gibt es denn neue Erkenntnisse zur Schlafforschung, die Ihre Initiative stützen?

Professor Till Roenneberg, ein Chronobiologe von der Max-Plack-Universität in München, hat mit diversen Studien belegt, dass es verschiedene Chronotypen gibt – also Menschen, die zu unterschiedlichen Tageszeiten leistungsstark sind. Dem kann ich nur zustimmen. Und der diesjährige Nobelpreis für Medizin geht an drei Genetiker, die das Funktionieren der inneren Uhr untersuchten – auch das passt zu unserer Überzeugung, dass nicht alle Menschen zum selben Zeitpunkt fit sind.

Aber wie können denn dann Lang-und Kurzschläfer einen gemeinsamen Alltag organisieren?

Das Zeitfenster reicht ja aus, um etwas zu unternehmen. Und wenn man die Menschen fragt, was sie am Wochenende machen, ist es meistens „ausschlafen“. Also stehen doch viele zu früh auf.

Sind Ihre Freunde und Verwandten auch Langschläfer?

Ja. Um den Verein zu gründen, brauchten wir sieben Leute – ganz schnell haben wir aber zehn gefunden. Auch meine Frau ist ein Spättyp. Sie muss allerdings wegen der Arbeit und unserem neunjährigen Sohn früh raus. Aber sie ist auch anpassungsfähiger als ich.

Also könnten Sie sich nicht ans Frühaufstehen gewöhnen?

Das ginge bei mir gar nicht. Ich würde mich hinlegen, ohne müde zu sein. Als ob ich ohne Hunger esse. In einer gewissen Toleranz ließe sich das bestimmt verschieben, aber nicht dauerhaft.

Von Lisa Neumann/RND

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