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Lindnern, merkeln, wulffen

Wortschöpfungen Lindnern, merkeln, wulffen

Wer sich aus einer gemeinsam geplanten Gruppenaktivität zum spätmöglichsten Zeitpunkt herauszieht, kannt gut lindnern. In Deutschland wird auch fleißig gemerkelt, gewulfft oder gegauckt. Das ist nicht immer schmeichelhaft für die Politiker.

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„Ich habe davon gehört, ja, ich habe auch Humor“: Der FDP-Chef lindnerte sich aus den Sondierungsgesprächen.

Quelle: dpa

Hannover. Kommt der Christian heute? Nein, der lindnert. Kaum hatte die FDP die Jamaika-Sondierungsgespräche platzen lassen, war schon ein neues Wort geboren: lindnern, frei nach der Aufkündigung der Verhandlungen durch den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner. Wer lindnert, sagt eine gemeinsam geplante Gruppenaktivität zum letztmöglichen Zeitpunkt ab. Der Politiker selbst kann sich mit der Wortschöpfung durchaus anfreunden. „Ich habe davon gehört, ja, ich habe ja auch Humor“, sagte der FDP-Politiker jetzt. Der 38-Jährige hält den Begriff allerdings für falsch definiert. Wenn er es sich aussuchen könnte, sollte lindnern seiner Meinung nach stehen für: „die offene Prüfung von politischen Optionen und die Bereitschaft, zu den eigenen Grundsätzen zu stehen – selbst wenn man dann durch einen Hagelschauer gehen muss“.

Wulffen – eine lange Nachricht auf die Mailbox sprechen

Es sind aber nun mal nicht die Politiker, die entscheiden, was Volkes Stimme meint. Dann hätte sich der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff sicherlich auch eine andere Bedeutung für wulffen ausgesucht. Das Tätigkeitswort steht gleich für mehrere Handlungen: „jemandem eine lange Nachricht auf der Mailbox hinterlassen“, „nicht die ganze Wahrheit sagen, ohne ausdrücklich zu lügen“ oder, platterdings, „möglichst viel mitnehmen, ohne zu bezahlen“. Verglichen damit hat Bundeskanzlerin Angela Merkel noch Glück gehabt. Wer merkelt tut nichts, entscheidet nichts, sagt nichts. Ob abwaigeln (abzocken), schrödern (rüpelhaftes Verhalten) oder guttenbergen (abschreiben, plagiieren) – ihr Fett haben schon viele Politiker abbekommen.

Einen eher ernsten Hintergrund liefert die Wortschöpfung rund um den ehemaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck. Das Verb gaucken trat immer dann auf den Plan, sobald sich jemand für den öffentlichen Dienst in den neuen Ländern bewarb und per Anfrage an die Behörde nachweisen musste, dass er kein Stasi-Spitzel war.

Stoibers Rede wurde zum Internethit

Und auch wenn Edmund Stoiber politisch schon lange keine Rolle mehr spielt, stoibern immer noch viele Menschen so vor sich hin. Das Synonym für verhaspeln bekam durch eine legendäre Rede des damaligen bayrischen Ministerpräsidenten richtig Aufwind. 2002 pries Stoiber die Vorzüge einer Transrapid-Strecke zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen in Erding an. Stoiber verhaspelte sich so unglaublich, dass er seine Zuhörer ratlos zurückließ. Das Video davon wurde zum Internethit. Noch heute wird das Gestammel in Bayern als Jahrhundertrede bezeichnet. Bumm, äh, zack – der Vortrag wurde sogar von einem jungen Drummer vertont.

Von hma/RND

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