Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Panorama Gericht spricht Bill Cosby schuldig
Nachrichten Panorama Gericht spricht Bill Cosby schuldig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:43 26.04.2018
Hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen: Bill Cosby. Quelle: dpa
Norristown

Der US-Entertainer Bill Cosby ist in seinem Prozess wegen sexueller Nötigung schuldig gesprochen worden. Die zwölfköpfige Jury teilte ihre Entscheidung am Donnerstag am Gericht in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania mit, wie die Staatsanwaltschaft von Montgomery County mitteilte.

In allen drei Fällen schwerer sexueller Nötigung, die dem 80-Jährigen vorgeworfen wurden, entschied die Jury auf schuldig. Nun könnte Cosby eine lange Haftstrafe drohen.

Cosby wies Vorwürfe immer zurück

Vor rund zehn Monaten war ein erster Prozess geplatzt, weil die damalige Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht hatte einigen können. Beide Male ging es um die Frage, ob Cosby 2004 die frühere Universitätsangestellte Andrea Constand mit Tabletten hilflos gemacht und dann sexuell genötigt hat.

Vor Gericht: US-Star Bill Cosby. Quelle: dpa

Cosby, der in den 80er Jahren mit der „Bill Cosby Show“ weltberühmt geworden war, hatte die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Er selbst hatte in beiden Prozessen nicht ausgesagt, aber über seine Anwälte mitteilen lassen, die Vorgänge seien einvernehmlich gewesen.

Zahlreiche Fälle verjährt

In einer außergerichtlichen Einigung wenige Monate nach dem Vorfall hatte er Constand bereits mehr als drei Millionen Dollar gezahlt.

Cosbys Verteidigung hatte Constand als Trickbetrügerin dargestellt, die es auf das Geld des Entertainers abgesehen hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte Constand dagegen als Opfer von Cosby beschrieben, auch sie selbst hatte sich im Zeugenstand so geäußert. Insgesamt haben bislang mehr als 50 Frauen Cosby öffentlich sexuelle Belästigung vorgeworfen, die meisten Fälle sind verjährt.

Immer wieder Anschuldigungen

Mehr als 50 Frauen haben dem US-Entertainer Bill Cosby sexuelle Belästigung, Missbrauch oder Vergewaltigung vorgeworfen. Cosby hat das alles bislang stets zurückgewiesen. Chronologie einer überschatteten Karriere:

1937 - William Henry Cosby wird als Sohn eines Stewards der US-Marine und eines Zimmermädchens in Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren.

1956 - Cosby bricht nach der zehnten Klasse die Schule ab und tritt wie sein Vater der Navy bei. Einige Jahre später erhält er ein Leichtathletik-Stipendium der Temple University in Philadelphia.

1962/63 - Erste Versuche als Comedian.

1964 - Cosby heiratet seine heutige Frau Camille Hanks Cosby.

1965 - Cosby ist der erste Afroamerikaner, der als prominenter Hauptdarsteller in einer TV-Serie auftritt. Für diese Rolle in der Krimi-Serie „Tennisschläger und Kanonen“ gewinnt er in den folgenden Jahren insgesamt vier Emmys. Zugleich erhebt eine 22-jährige Sekretärin einer Talentagentur den ersten Vorwurf sexueller Nötigung.

1969 - Cosby tritt erstmals in einer nach ihm benannten Sitcom auf.

1972 - Cosby entwickelt die Zeichentrickserie „Fat Albert and the Cosby Kids“, in der er einer der Cartoon-Figuren seine Stimme leiht. Mindestens sieben Frauen behaupten, Cosby habe sie Anfang der 1970er Jahre unter Drogen gesetzt und vergewaltigt.

1974 - Cosby spielt an Seite von Sidney Poitier and Harry Belafonte im Film „Samstagnacht oben in der Stadt“ mit. Laut einer 2015 in Kalifornien eingereichten Zivilklage nötigt er in der Playboy-Villa in Los Angeles ein 15-jähriges Mädchen sexuell.

1984 - „Die Bill Cosby Show“ startet und wird zum Welterfolg. Das Format läuft bis 1992. In dieser Zeit behaupten mindestens 16 Frauen, dass Cosby sie unter Drogen setzte und sexuell nötigte.

1992-2004 - Cosby werden von Colleges und Universitäten mehr als ein Dutzend Ehrendoktortitel verliehen. Sechs Frauen behaupten, Cosby habe sie in diesem Zeitraum sexuell genötigt.

2004 - Cosby veröffentlicht seinen mittlerweile 22. Film, eine Kino-Adaption der Serie „Fat Albert“. Der mutmaßliche sexuelle Übergriff auf die Universitätsangestellte Andrea Constand soll sich in diesem Jahr in Cosbys Haus in Pennsylvania ereignet haben.

2005 - Constand verklagt Cosby wegen sexueller Nötigung. Cosby sagt unter Eid aus, Beruhigungsmittel für Sex mit Frauen einzusetzen. Beide Seiten einigen sich außergerichtlich auf eine ungenannte Summe.

2014 - Der Comedian Hannibal Buress macht auf der Bühne Witze, dass der „selbstgefällige“ Moralist Cosby ein Vergewaltiger sei. Das Video verbreitet sich rasch im Internet. Bald darauf häuft sich die Zahl der Frauen, die mit Vorwürfen gegen Cosby an die Öffentlichkeit gehen. Der Streamingdienst Netflix und der TV-Sender NBC stellen geplante Cosby-Projekte ein, Wiederholungen der „Bill Cosby Show“ werden gestrichen. Universitäten ziehen ihre Ehrendoktortitel zurück, Cosbys Stern am Walk of Fame wird mit dem Wort „Vergewaltiger“ beschmiert.

2015 - Weitere Frauen werfen Cosby sexuelle Nötigung vor. 13 von ihnen verklagen ihn. Gegen sieben von ihnen reicht Cosby Gegenklage wegen Verleumdung und Einkommenseinbußen ein. Seine Tour „Far From Finished“ bricht er ab. Die Staatsanwaltschaft in Pennsylvania rollt den Fall Constand neu auf und erhebt am 30. Dezember Strafanzeige.

5. Juni 2017 - Auftakt des ersten Strafprozesses gegen Cosby wegen sexueller Nötigung.

17. Juni 2017 - Nachdem sich eine zwölfköpfige Jury auch nach mehr als 50 Stunden langen Beratungen - verteilt über sechs Tage - nicht einigen kann, geht der Prozess ergebnislos zu Ende. Die Staatsanwaltschaft kündigt umgehend einen neuen Prozess an.

.

Von RND/dpa

Die Nachricht vom Tod des Star-DJs Avicii schockte weltweit zahlreiche Musikfans. Warum der Musiker im Alter von 28 Jahren starb, war bisher unklar. Nun hat die Familie erneut ein Statement veröffentlicht, das Hinweise geben könnte.

26.04.2018

Seit Wochen streitet Großbritannien über das Schicksal des todkranken Jungen Alfie Evans. Am Montag wurden die lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt, doch das laut Ärzten unheilbare Kind atmet bislang weiter.

26.04.2018

Während es aus allen Ecken der Welt Kritik für Donald Trump hagelt, bekommt er überraschende Unterstützung. Rapper Kanye West hat den US-Präsidenten als Bruder bezeichnet. Doch seine Frau rudert nur wenig später zurück.

26.04.2018