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Panorama Protestierende Flüchtlinge verhindern Abschiebung
Nachrichten Panorama Protestierende Flüchtlinge verhindern Abschiebung
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15:16 15.03.2018
Donauwörth: Vor dem Bahnhof stehen sich Polizei und Flüchtlinge gegenüber. Quelle: dpa
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Donauwörth

Erneut ist es im nordschwäbischen Donauwörth zu einem größeren Polizeieinsatz im Umfeld des dortigen Flüchtlingsheims gekommen. Zahlreiche Bewohner wurden dabei festgenommen. Nach Angaben der Polizei stießen Beamte bei einer geplanten Abschiebung auf heftigen Widerstand. Die Polizei sei deswegen bis zum Mittwochabend in der Aufnahmeeinrichtung im Einsatz gewesen, teilte das Polizeipräsidium in Augsburg mit. Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte den Polizeieinsatz „als massiven Einschüchterungsversuch“ der Asylbewerber.

Der Einsatz hatte bereits in den frühen Morgenstunden des Mittwochs begonnen. Die Polizisten wollten einen gambischen Staatsangehörigen abholen, der abgeschoben werden sollte. „Die Maßnahmen wurden durch etwa 50 Bewohner verhindert, indem sie durch aggressives Verhalten auf die Einsatzkräfte einwirkten“, hieß es im Polizeibericht. Auf Grund dessen sei die Abschiebung abgebrochen werden.

Später rückten die Beamten mit Kräften der Bereitschaftspolizei wieder an, um mehrere Haftbefehle gegen Bewohner zu vollstrecken. Dabei sei es dann erneut zu aggressivem Widerstand gekommen, zudem hätten Bewohner die Einrichtung und Fenster des Heims beschädigt. Insgesamt seien im Laufe des Tages etwa 30 Menschen wegen Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung festgenommen worden.

Protest der Flüchtlinge gegen Abschiebungen „selbstverständlich“

Der Flüchtlingsrat meinte, dass Bayerns Behörden es wohl gerne hätten, wenn Flüchtlinge „ruhig und gelassen“ auf ihre Abschiebung warteten. „Dieser Behördendenke fehlt jedoch jeglicher Realitätssinn“, meinte Sprecher Stephan Dünnwald. „Selbstverständlich protestieren Flüchtlinge gegen Abschiebungen und leisten Widerstand.“

Bereits im Februar kam es in Donauwörth zu einem größeren Polizeieinsatz, als zahlreiche Flüchtlinge spontan mit der Eisenbahn ausreisen wollten und zum Bahnhof liefen. Die Menschen aus Gambia hatten nach Angaben der Polizei versucht, mit dem ICE auf eigene Faust nach Italien zu kommen, nachdem ihre Asylanträge abgelehnt worden waren. Beim Bahnhof versammelten sich etwa 150 Flüchtlinge, der Bahnverkehr wurde deswegen zeitweise eingestellt.

Kritiker bemängeln immer wieder, dass die Politik durch die zentrale Unterbringung von Flüchtlingen solche Zwischenfälle begünstige. Dadurch, dass Asylbewerber in großen Heimen auf engem Raum leben müssten, komme es auch verstärkt zu Gewalt und Widerstand. „Proteste von Flüchtlingen wie in Donauwörth sind das Ergebnis der rigiden bayerischen Lagerpolitik“, betonte der Flüchtlingsrat erneut. „Große Lager“ bedeuteten auch „große Probleme“.

Von RND/dpa

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