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20:30 09.12.2018
Die kolumbianische Popsängerin Shakira muss sich bald wohl wegen Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Quelle: Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Madrid

Auch Finanzbeamte lesen Zeitung. Da stießen sie vor gut einem Jahr auf die Paradise Papers, eines dieser Riesenlecks in der ansonsten gut versiegelten Welt der Schönen und Reichen, die ihre Steuern am liebsten da zahlen, wo sie fast keine Steuern zu bezahlen haben. Mit den Paradise Papers kamen auch zwei Dinge über die kolumbianische Popsängerin Shakira ans Licht: dass sie ihre reichlichen Einnahmen über zwei Gesellschaften in Malta und in Luxemburg verwaltete; und dass sie bis 2014 auf den Bahamas residierte.

Das wunderte die spanischen Finanzbeamten. Da sie auch die Regenbogenpresse lasen, wussten sie, dass Sängerin Shakira spätestens seit März 2011 mit Gerard Piqué, Fußballer beim FC Barcelona, zusammen ist. Im Januar 2013 brachte Shakira in Barcelona ihr erstes Kind von Piqué zur Welt, zwei Jahre später ihr zweites, und in der Zwischenzeit – Ende 2013 – kaufte sich das Paar ein Haus in der Nähe von Barcelona. Den Wohnsitz Bahamas mochten ihr die Zeitung lesenden Finanzbeamten einfach nicht glauben.

Ein Jahr stöberten Beamte in Shakiras Leben herum

Ein Jahr haben das Finanzamt und die auf Wirtschaftsdelikte spezialisierte Abteilung der Staatsanwaltschaft von Barcelona danach in Shakiras Leben herumgestöbert. Ende November schlossen sie die Ermittlungen ab – mit dem Ergebnis, dass die Staatsanwaltschaft in den kommenden Tagen Klage gegen Shakira einreichen wolle, berichtete die Madrider Zeitung „El País“ am Freitagabend. 14,5 Millionen Euro Steuern soll die 41-Jährige zwischen 2012 und 2014 hinterzogen haben, so viel, wie andere Leute nicht in ihrem ganzen Leben verdienen.

Shakiras Anwälte wiesen die Vorwürfe zurück. Die Popdiva schulde den spanischen Behörden keinerlei Geld, zitierte „El País“ aus einer Mitteilung ihrer Sprecher. Die Künstlerin sei die meiste Zeit außerhalb Spaniens tätig gewesen und habe den größten Teil ihrer Einnahmen bei internationalen Tourneen erzielt, hieß es.

Lebte Shakira schon vor 2015 in Barcelona?

Die Herausforderung fürs Finanzamt bestand in diesem Fall darin herauszufinden, ob Shakira schon länger in Barcelona lebt. Offiziell angemeldet hat sie sich in Spanien 2015, aber die Fahnder haben den Verdacht, dass sie dort schon seit 2011 zu Hause ist. Wenn das stimmt, hätte sie auch ihre Einkommenssteuer in Spanien zahlen müssen, was sie bis einschließlich 2014 nicht tat. Wie aber findet man im Falle eines Weltstars, der auf allen Kontinenten unterwegs ist, heraus, wo er wirklich sein Zuhause hat? Dafür durchforsteten die Finanzbeamten Shakiras Nachrichten in den sozialen Netzwerken, besuchten ihre Fitnessstudios und Friseure in Barcelona. Letztere gehören selbstverständlich zu den exklusivsten ihrer Zunft, schließlich gehören Shakiras Haare zu ihrem Markenkern. Am Ende kamen die Fahnder zu dem Schluss: Shakira lebt schon länger in Barcelona als erst seit 2015.

Ob das stimmt oder nicht, darüber wird ein Gericht zu befinden haben, wenn es die Klage der Staatsanwaltschaft annimmt. Die Sängerin ließ schon mal eine Mitteilung veröffentlichen, wonach ihre „familiäre Struktur“ keinen „konventionellen Modellen“ ähnele und dass sie in Steuerfragen „immer den Kriterien und den präzisen Empfehlungen“ ihrer Berater gefolgt sei. Die kamen in ihrem Fall von PricewaterhouseCoopers und sind möglicherweise Shakiras größtes Problem. „El País“ schreibt jedenfalls, dass die Steuerfahnder der Sängerin auch deswegen so hartnäckig zu Leibe rückten, weil sich ihre Berater dem Finanzamt gegenüber lange sehr zugeknöpft gaben.

Shakira wird wegen Steuerhinterziehung angeklagt

Mittlerweile hat sie die Firma gewechselt. Aber die Staatsanwaltschaft will Shakira wegen Steuerhinterziehung in den Jahren 2012, 2013 und 2014 anzeigen. Was davor geschah, ist strafrechtlich verjährt. Ende Februar dieses Jahres zahlte Shakira dem spanischen Finanzamt mehr als 20 Millionen Euro Einkommenssteuer für das Jahr 2011 nach, allerdings unter Vorbehalt. Einer ihrer Anwälte sagte damals: „Als internationale Künstlerin hat sie unterschiedliche Wohnorte gehabt, aber immer unter vollständiger Beachtung der Rechtsordnungen, unter denen sie residiert.“

Von Martin Dahms

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