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Panorama So viel Hass löste eine Regenbogenfahne aus
Nachrichten Panorama So viel Hass löste eine Regenbogenfahne aus
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15:08 27.09.2017
Bei dem Konzert der Band Mashrou Leila haben Fans die Regenbogenfahne gehisst. Quelle: dpa
Kairo

„Wenn ich eine IS-Flagge geschwenkt hätte, wäre mir nicht das passiert“, schreibt der junge Ägypter bei Facebook. Der Mann befindet sich seit Sonnabend mitten in einem Sturm des Hasses. Er hat Angst, dass ihm jemand etwas antut. In Tausenden Online-Kommentaren beleidigen Nutzer ihn und fordern Vergeltung. Für etwas, das eigentlich nicht verwerflich sein sollte. Der junge Mann hatte Bilder veröffentlicht, die ihn mit einem Symbol der Toleranz zeigen: der Regenbogenflagge.

Mehrere der Fahnen, die auch für die sexuelle Vielfalt und den Respekt gegenüber Homosexuellen stehen, wurden am vergangenen Freitagabend bei einem Konzert der bekannten libanesischen Rockband Mashrou Leila in Kairo gehisst. Am Sonntag nehmen Sicherheitskräfte schließlich sieben angeblich beteiligte Konzertbesucher fest. Ihnen drohen Strafen wegen unmoralischen Verhaltens und der Förderung von Homosexualität.

Homosexualität gesetzlich nicht verboten

Der Volkszorn gegenüber den Fahnenschwenkern lässt sich im Internet nachlesen: „Dieses Land braucht etwas wie Hiroshima, um es von diesem Dreck zu reinigen“, schreibt ein Nutzer etwa. Die Welle der Entrüstung hat weite Teile des Landes erfasst.

Auch wenn Homosexualität in Ägypten gesetzlich nicht verboten ist, bleibt es ein gesellschaftliches Tabu. Schwule, Lesben und Transgender werden in dem Land am Nil als abnormal angesehen. In der Vergangenheit wurden angebliche Homosexuelle deshalb zum Beispiel wegen der Verachtung des Islam eingesperrt.

Sänger Hamed Sinno ist bekennender Schwuler. Quelle: AP

Umso überraschender scheint es im Nachhinein, dass die Band Mashrou Leila überhaupt Konzerte in Ägypten spielen durfte. Die Gruppe ist die wohl berühmteste Indie-Rockband in der arabischen Welt, auch international bekannt und spielt regelmäßig Konzerte in den USA und Europa. Ihrem schwulen Sänger Hamed Sinno schlägt aber vor allem in Ländern des Nahen Ostens viel Ablehnung entgegen. So erließ Jordanien ein Auftrittsverbot gegen die Band.

Nach Konzert folgt Auftrittsverbot

Das soll nun auch in Ägypten folgen, wie der zuständige Verband der Musiker auf Anfrage mitteilte. „Das ist verdorbene Kunst“, sagt der stellvertretende Vorsitzende, Reda Ragab. Die Werte der Gesellschaft würden von der Band nicht unterstützt. Mashrou Leila hatte nach dem Auftritt vor Tausenden Menschen in Kairo auf ihrer Facebookseite noch geschwärmt, es sei eine der schönsten Shows der Gruppe jemals gewesen: „So viel Liebe!“

Cairo! This was one of the best shows we've ever played! Was an honour to play to such a wonderful crowd! So much love! <3

Gepostet von ‎مشروع ليلى Mashrou' Leila‎ am Samstag, 23. September 2017

Der Parlamentarier Mustafa Bakri erklärte unterdessen einer regierungsnahen Zeitung zufolge, das Abgeordnetenhaus müsse diesem „Phänomen“ entgegentreten. Er witterte eine internationale Verschwörung, die die ägyptische Jugend schlecht darstellen solle. Schließlich wollten westliche Staaten Druck auf Ägypten ausüben, damit dieses die gleichgeschlechtliche Ehe anerkenne.

Der jungen Ägypter dürfte jedenfalls kaum mit diesem Echo gerechnet haben, als er die Bilder mit der Fahne veröffentlichte. „Ihr habt gewonnen“, schreibt er in einem neuen Post, „Ich habe Angst, auf die Straße zu gehen“. Er selbst sei gar nicht schwul, wie ihm von so vielen Leuten unterstellt werde, sondern habe nur sein Weltbild zum Ausdruck bringen wollen.

Anderen allerdings den eigenen Glauben aufzudrängen, sei barbarisch, schreibt er weiter. „Ihr könnt zum IS gehen. Die werden euch willkommen heißen.“

Von RND/dpa

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