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Trumps neue Kumpel

Kohle-Renaissance in den USA Trumps neue Kumpel

Bei der Weltklimakonferenz in Bonn ging es in den vergangenen zwei Wochen auch um das Thema Kohle als Klimakiller. Unterdessen erlebt der Bergbau in den USA eine Renaissance. 14 Förderstätten stehen in den Appalachen vor der Wiedereröffnung.

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In naher Zukunft sollen in den Appalachen wieder zahlreiche Kumpel arbeiten, ähnlich wie ihre Kollegen in Pennsylvania.

Quelle: BLOOMBERG

Welch. Der Wind streicht durch verwilderte Vorgärten. Eine Schaukel, auf der schon lange kein Kind mehr gesessen hat, quietscht. Die verlassenen Häuser und leer stehenden Geschäfte erscheinen wie stumme Botschafter einer verloren gegangenen Epoche. Das Städtchen Welch im Landkreis McDowell im Südwesten der Appalachen zählte in den vergangenen Jahren zu den trostlosesten Gemeinden Amerikas. Doch ausgerechnet hier, im Epizentrum des Wirtschaftsumbruchs, wächst wieder die Hoffnung.

Gradmesser der neuen Zuversicht sind die übergroßen Lastwagen. Mit jedem tonnenschweren Truck, der durch die schmalen Straßen von Welch donnert, hebt sich die Stimmung. Die Anwohner des Stadtzentrums stören sich offenbar nicht an dem ohrenbetäubenden Lärm, und die Polizisten fühlen sich nicht angesprochen, wenn die eiligen Fahrer die Geschwindigkeitsbegrenzungen ignorieren. “Coal country is back“ (die Kohleregion kehrt zurück) ist der neue Schlachtruf einer fast vergessenen Region.

Kunstlehrer Daniel Philipps ist begeistert über den regionalen Aufschwung

Kunstlehrer Daniel Philipps ist begeistert über den regionalen Aufschwung.

Quelle: Stefan Koch

“Wer hätte gedacht, dass ich das noch erleben darf!“, ruft Daniel Philipps mit Begeisterung in der Stimme. Der Kunstlehrer an der örtlichen Highschool hat gerade ein paar Einkäufe erledigt, lehnt entspannt an seinem Pickup-Laster und schwärmt von dem regionalen Aufschwung: Nach einer bald endlosen Talfahrt gehe es endlich wieder aufwärts – wenn auch langsam. Der 64-Jährige ist eng mit dieser Kommune verwachsen: hier aufgewachsen, im nächstgelegenen College seine Pädagogikausbildung absolviert und mit unzähligen Generationen von Schülern bestens bekannt.

Wenn Philipps durch seine Stadt spaziert, grüßt der freundliche Herr mit den grau melierten Haaren fast unentwegt die Passanten. Über nahezu jeden kann der Lehrer eine Anekdote erzählen. Und doch habe er zeit seines Lebens nie so richtig zu dieser Gemeinschaft dazugehört, immer sei er eine Art Beobachter seiner eigenen Heimat geblieben, erzählt Philipps.

14 Kohlebergwerke sollen wieder eröffnen

Die Distanz lasse sich leicht erklären: Als Lehrer besitze er stets ein gesichertes Einkommen. Im Gegensatz zu seinem geregelten Alltag würden die Bergarbeiter in ihrem Berufsleben Achterbahn fahren: Manchmal ginge es rauf bis zu einem Spitzeneinkommen von 70 000 Euro pro Jahr, und dann würde unerwartet das Kündigungsschreiben in der Post liegen, weil der Verkaufspreis für die Kohle absackt. Oder die Bergwerke gehen angesichts der verschärften Konkurrenz gleich vollständig pleite – und mit dem Job verlieren viele Arbeiter auch noch ihre Rentenversorgung, da die Altersversicherung an den Arbeitgeber gekoppelt ist. Es sei eben eine andere, harte Welt.

Doch trotz der ständigen Aufs und Abs lässt sich auch Philipps von der neuen Hoffnung bereitwillig anstecken: In 14 Kohlebergwerken der Region, deren Maschinen zum Teil seit Jahren ruhen, stehe eine Wiedereröffnung unmittelbar bevor. Andere Minen, die nur auf Sparflamme liefen, würden in diesen Monaten ihre Kapazitäten wieder ausweiten.

Das lässt sich sogar auf den Straßen beobachten: Neben den Fahrbahnen sind regelmäßig kleine Werbetafeln von Firmen zu sehen, die Grubenarbeitern einen Job in Aussicht stellen. Für die Unternehmen ist es nach all den Jahren des Niedergangs allerdings gar nicht so einfach, qualifiziertes Personal zu finden: “Viele gute Leute sind der Arbeit in anderen Städten hinterhergezogen“, sagt Philipps.

Unzählige Häuser, Geschäfte und Tankstellen im Landkreis McDowell stehen leer, während Bergbaufirmen händeringend nach neuen Mitarbeitern Au

Unzählige Häuser, Geschäfte und Tankstellen im Landkreis McDowell stehen leer, während Bergbaufirmen händeringend nach neuen Mitarbeitern Ausschau halten.

Quelle: Stefan Koch

Die Bemerkung des Lehrers ist eine freundliche Umschreibung eines geradezu katastrophalen Zusammenbruchs: Von den mehr als 100 000 Einwohnern des Landkreises, die in dieser wilden Berglandschaft in der Nachkriegszeit ihr Auskommen fanden, sind knapp 18 000 geblieben. Es begann mit einer leichten Abwanderung und endete in einer regelrechten Flucht. Auch die Zahlen der US-Administration spiegeln den Niedergang wider: Allein von 2008 bis 2016 fiel die Produktion in den Kohlewerken von 117 Millionen Tonnen pro Jahr auf 36 Millionen. Und zu allem Übel erlebten die Bergleute mehrere Automatisierungswellen, die den Bedarf an Arbeitskräften um ein weiteres Mal rapide senkten.

Für das “County“ McDowell bleiben nur traurige Rekorde: Nirgends in den Vereinigten Staaten ist die Lebenserwartung so niedrig und die Quote der Drogen- und Medikamentenabhängigen so hoch wie in diesem Teil der Appalachen. Es verwundert daher nicht, dass zu den häufigeren Todesursachen vor allem Überdosen an Schmerzmitteln zählen.

Die Ärmsten der Armen geraten aber nicht durch ihre Not in die landesweiten Schlagzeilen, sondern durch ihr Wahlverhalten: Sie, die bei den Präsidentschaftswahlen jahrzehntelang zur Stammwählerschaft der Demokraten zählten, stimmten im vergangenen November mit breiter Mehrheit für den Quereinsteiger Donald Trump. Mehr als 80 Prozent hatten einst für Bill Clinton gestimmt, nun waren es fast 80 Prozent für den umstrittenen Republikaner.

Trump-Besuch mit Grubenhelm

Es hatte ihnen gefallen, wie der Geschäftsmann bei seinem Besuch in Charleston mit einem Grubenhelm auf dem Kopf und einem grimmigen Gesichtsausdruck vor sie trat und ihnen entgegenrief: “Ich bringe die Kumpels zurück zur Arbeit.“ Die so heftig umworbenen Wähler waren ob dieser Versprechen zwar nicht weniger skeptisch als die Trump-Gegner an der Ost- und Westküste Amerikas. Aber der Politikneuling aus New York war eben der Einzige, der ihre vagen Hoffnungen bestärkte. Sogar Hillary Clinton räumt in diesen Tagen freimütig ein, dass es im Wahlkampf vielleicht ihr größter Fehler war, das baldige Ende des Kohlebergbaus zu erklären.

Ist es also Trumps Verdienst, dass zumindest einige Leute in den abgelegenen Regionen wieder in Lohn und Brot kommen? Auf überörtlicher Ebene ist man voll des Lobes für den Chef des Weißen Hauses: “Seit der Wahl ist die Stimmung viel besser“, sagt Bill Raney, Chef der West Virginia Coal Association. Im gesamten Bundesstaat würden die Arbeitslosen in ihre Jobs zurückkehren, behauptet der Lobbyist. Und Gouverneur Jim Justice, der vor zwei Jahren von den Republikanern zur Demokratischen Partei wechselte und vor wenigen Wochen wieder zurück zu seiner alten Partei ging, schwärmt vom neuen Präsidenten.

Das Lob kommt nicht von ungefähr: Ebenso wie Trump war Justice vor seinem Politikerdasein Geschäftsmann und brachte es mit einem Kohle-Imperium zum Milliardär. Beide standen im November zur Wahl und bestärkten sich in ihren Thesen gegenseitig – Trump als Präsidentschaftskandidat und Justice als Kandidat für das Amt des Gouverneurs.

Nirgends in den Vereinigten Staaten ist die Lebenserwartung so niedrig und die Quote der Drogen- und Medikamentenabhängigen so hoch wie in diese

Nirgends in den Vereinigten Staaten ist die Lebenserwartung so niedrig und die Quote der Drogen- und Medikamentenabhängigen so hoch wie in diesem Teil der Appalachen.

Quelle: ZUMA Wire

Diese Verbundenheit könnte dem obersten Vertreter West Virginias bei seinem neuesten Vorhaben zugutekommen: Justice appelliert an die US-Regierung, den Bergbau in den Appalachen in Zukunft kräftig zu subventionieren, da diese Kohle für den Stahlbau in der Rüstungsindustrie und für die Energieversorgung der Ostküste eine wichtige Rolle spiele und damit eine quasi-strategische Bedeutung besitze. Dass ausgerechnet Trump, der die Rolle des Staates radikal zurückdrängen will, neue milliardenschwere Hilfen einführt, gilt in Washington zwar als unrealistisch.

Dennoch horchen die Kumpel in den strukturschwachen Gegenden bei so einer Forderung erwartungsgemäß auf. Einige fühlen sich gar an ihre Kindheit erinnert, als McDowell als Kohlekammer Amerikas bezeichnet wurde, die zu Kriegszeiten für die Rüstungsindustrie eine enorme Rolle spielte. Doch die vermeintlich glorreichen Zeiten sind vorbei, und so mancher Alteingesessene weiß zu berichten, dass auch in den Fünfziger- und Sechzigerjahren die Armut in den Appalachen ein weit verbreitetes Phänomen war.

Vor Ort überwiegt die Skepsis

So überwiegt vor Ort die Skepsis über den Einfluss der Regierung auf den Rohstoffmarkt. “Als ein Verdienst des Präsidenten würde hier wohl niemand diese Trendwende bezeichnen“, sagt Melissa Nester. Die 51-Jährige leitet die örtliche Zeitung “The Welch News“ und beobachtet die Wirtschaftsentwicklung von Berufs wegen seit bald 30 Jahren. Gerade erst veröffentlichte sie eine Sonderbeilage über die Geschichte der Kohleproduktion im Landkreis McDowell.

Nester hat viele Bosse in den hiesigen Bergwerken kommen und gehen sehen und oft genug über den weltweiten Kohlemarkt diskutiert. Sie weiß, dass die Kohle aus den südlichen Appalachen zumeist nicht zur Energiegewinnung genutzt, sondern insbesondere in der Stahlproduktion benötigt wird. Der kostbare Rohstoff aus den umliegenden Bergen ist ein Spezialfall – metallurgische Kohle.

Kunden aus aller Welt fragen nach dem schwarzen Gold aus Virginia, West Virginia und Kentucky nach. In der ersten Reihe der Käufer stehen Chinesen und nicht zuletzt Inder. Sie zahlen das Vier- bis Fünffache dessen, was für gewöhnliche Kohle aufgebracht wird. Dass der Weltmarktpreis in jüngster Zeit so rasant steigt, habe diverse Ursachen, sagt Nester, aber sicherlich nicht den Regierungswechsel in Washington. Vielmehr sei auf dem Weltmarkt die gedrosselte Kohleförderung in China und die schwierige Lage zu spüren, in der sich die großen australischen Exporteure befinden: Die Bergbauunternehmen in Down Under würden unter den Folgeschäden von tropischen Wirbelstürmen leiden, und der dortige Wiederaufbau sei noch immer nicht abgeschlossen.

Chronistin des Niedergangs und Wiederaufstiegs des Kohlebergbaus in McDowell

Chronistin des Niedergangs und Wiederaufstiegs des Kohlebergbaus in McDowell: Journalistin Melissa Nester.

Quelle: Stefan Koch

Ob der kleine Aufschwung in den krisengeschüttelten Appalachen von Dauer ist, mag die Zeitungschefin Nester ohnehin nicht sagen: “Vielleicht ist es nur eine Atempause. Aber wir können sie nutzen, um über langfristige Lösungen nachzudenken.“

Tatsächlich erlebt der “Mountain State“ zurzeit einen bemerkenswerten Umbruch. So gab der deutsche Industriedienstleister Bilfinger kürzlich bekannt, in den kommenden Monaten eine Methanolfabrik in Rio de Janeiro abzubauen, um sie in einem Nachbarkreis von McDowell wieder aufzustellen. Über Jahrzehnte wanderten Industrieanlagen zumeist in die umgekehrte Richtung. Doch das preisgünstige Erdgas, das auch in West Virginia aus dem Boden geholt wird, lässt die Produktionsbedingungen in Amerika in einem besseren Licht erscheinen.

Auch in anderen Branchen hellt sich die Lage auf: So organisiert der deutsche Chemieriese BASF in West Virginia neuerdings Umschulungen, die sich an frühere Bergbauleute richten. “Es ist nicht einfach, in unserer Heimat einen vernünftigen Job zu finden“, sagt die Journalistin Nester, “aber für diejenigen, die ein bisschen beweglich sind, steigen die Chancen deutlich.“

Früher galt der Landkreis McDowell als der förderstärkste in ganz Amerika

Früher galt der Landkreis McDowell als der förderstärkste in ganz Amerika. Die Werke, die nun ihre Arbeit wieder aufnehmen, zählen zu den kleineren Förderstätten.

Quelle: ZUMA Wire

Donald Trumps vergeblicher Kampf gegen Wind und Sonne

Der heimliche Star der amerikanischen Energiewende heißt Daniel Kammen. Der Professor aus Berkeley wirbt seit Jahren für den Ausbau der Windkraft- und Solaranlagen. Einen gewissen Kultstatus erwarb sich der 55-Jährige aber erst mit seinem Kündigungsschreiben an Donald Trump. Kammen stieg kürzlich aus einem – ehrenamtlichen – Beratergremium der US-Regierung aus, da er die Reaktionen des Präsidenten auf den Neonazi-Aufmarsch in Charlottesville für unerträglich hält. Sein Brief an das Weiße Haus enthielt eine pikante Geheimbotschaft: Die Anfangsbuchstaben der einzelnen Absätze ergeben das Wort “IMPEACH“ – die Kurzform für ein Amtsenthebungsverfahren.

Der Protest des Wissenschaftlers zielt in erster Linie auf die gesellschaftspolitischen Aussagen des neuen Regierungschefs. Dessen doppelbödige Aussagen würden das Miteinander in Amerika spürbar erschweren. Mit dem umstrittenen energiepolitischen Kurs kommt der Physiker aus Kalifornien dagegen besser klar. Trotz der rückwärtsgewandten Rhetorik könne Trump die Entwicklung vielleicht ein wenig abbremsen, wenn auch keineswegs aufhalten: Die energiepolitische Landschaft Amerikas verändert sich in einem atemberaubenden Tempo, sagt Kammen.

Tatsächlich lässt sich der Wandel in Kammens Heimatbundesstaat wohl am besten beobachten. Kalifornien gilt amerikaweit als führend in der Wind- und Solarbranche. Das betonte auch Arnold Schwarzenegger vor wenigen Tagen während der Weltklimakonferenz in Bonn. “Kalifornien führt die Revolution der alternativen Energien an“, sagte der Ex-Gouverneur des US-Bundesstaates. Einen maßgeblichen Anteil an dieser Entwicklung haben weniger bundesstaatliche Förderprogramme als vielmehr privatwirtschaftliche Initiativen. So sitzt Microsoft-Chef Bill Gates einem Fonds vor, der ausschließlich in erneuerbare Energien investiert.

Eine Delegation aus den USA beim COP23 Klimagipfel in Bonn

Eine Delegation aus den USA beim COP23 Klimagipfel in Bonn: die Gouverneurinnen und Gouverneure von Virginia, Oregon, Washington, Kalifornien und Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Quelle: imago/ZUMA Press

Angeführt von Milliardären wie Amazon-Gründer Jeff Bezos und dem britischen Unternehmer Richard Branson zahlten finanzkräftige Investoren mittlerweile knapp eine Milliarde Euro ein, um umweltfreundliche Technologien voranzutreiben. Rückenwind kommt zudem von kühl kalkulierenden Strategen wie den Bankern von Goldman Sachs. Die New Yorker Finanziers gehen gar von einem dreistelligen Milliardenbetrag aus, der in den nächsten zehn Jahren in die erneuerbaren Energien Amerikas gesteckt wird.

Obwohl Trump die Vorgaben zur Verringerung der Treibhausgase lockern will, dürfte der Einfluss Washingtons begrenzt bleiben: Unabhängig von dem Clean Power Plan, der vom damaligen Präsidenten Barack Obama unterzeichnet wurde, erließen 28 von 50 Bundesstaaten eigenständige Verordnungen zum Klimaschutz. Auch die großen Versorgungsunternehmen, die die Bundesstaaten eigenständig behandeln, setzen auf den langfristigen Trend und bauen ihre umweltgerechten Kapazitäten weiter aus.

Die Kosten für Solarparks sinken

Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Halbjahr 2017 erhöhte sich die Leistungskraft der Photovoltaikanlagen um fast fünf Gigawatt. Nach Einschätzung der Analysten der Solar Energy Industries Association (SEIA) ist das Wachstum in erster Linie den sinkenden Anlagenpreisen zu verdanken – und weniger den steuerlichen Anreizen. Auffällig sei das steigende Interesse an gewerblichen Solaranlagen und an großen Solarparks. Auch das Energieministerium in Washington sieht in erster Linie privatwirtschaftliche Impulse: So seien die Kosten für den Bau von Solarparks, die eine Leistung von mehr als zwei Megawatt besitzen, um etwa 20 Prozent gesunken.

Obwohl die Preise in den Vereinigten Staaten für Strom und Benzin deutlich niedriger liegen als in Deutschland, schreitet der Umbau der Energieversorgung in Siebenmeilenstiefeln voran: 2008 stammten 9 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen, 2016 waren es 15 Prozent – bei weiter steigender Tendenz. Einen Siegeszug tritt vor allem die Solarenergie an: In nur zwei Jahren verdoppelte sich die Solarstromproduktion, da die Preise für die Solarpanels deutlich fallen.

Weltweit größte Windkraftanlagen in Texas

Gravierende Verschiebungen sind auch in der Windkraft zu beobachten. Galt über Jahre der Bundesstaat Iowa als Inbegriff der amerikanischen Windenergie, stehen nun ausgerechnet die vermeintlich so konservativen Texaner vorn. Die weltweit größten Anlagen sind längst im Cowboy-Land zu besichtigen. Zu verdanken ist diese Kurskorrektur dem heutigen Energieminister Rick Perry, der in seiner Zeit als Gouverneur des “Lone Star State“ den Bau von Hochspannungsleitungen durchsetzte – mit denen der windreiche Westen des Bundesstaates mit den Großstädten im Süden verbunden wurde.

Es zählt wohl zu den Kuriositäten amerikanischer Politik, dass ausgerechnet die Republikaner dem Ökostrom den Weg bereiten: In Illinois wurde kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das die Investitionen in die Erneuerbaren befeuern soll. Und in Michigan werden die Stromerzeuger kurzerhand per Verordnung gezwungen, den Anteil ihrer umweltfreundlichen Quellen sprunghaft zu erhöhen.

Eine Art Sonderentwicklung ist dagegen in Oklahoma zu beobachten. Der Bundesstaat, der eigentlich für seine einflussreiche Erdöllobby bekannt ist, zählt zu den jungen Aufsteigern in der Windindustrie. Das Engagement ist allerdings eher fremdgesteuert: Der Mammutkonzern Google investiert in den ländlichen Gebieten, die äußerst dünn besiedelt sind, hohe Summen in Windräder, um die Versorgung eines neuen Rechenzentrums eigenständig sicherzustellen.

Von Stefan Koch

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