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16 Tote nach Angriff auf Universität in Kabul

Konflikte 16 Tote nach Angriff auf Universität in Kabul

"So nah habe ich den Terror noch nie erlebt", sagt ein Student der Amerikanischen Universität. Andere sagen: "Dies war ein Anschlag auf unsere Zukunft." In Kabul sitzt der Schock nach einer Attacke von Extremisten auf Hunderte junger Leute tief.

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Auch Mauern und Stacheldraht konnten die Angreifer nicht aufhalten.

Quelle: Jawad Jalali

Kabul. Ein Angriff mutmaßlicher Taliban auf die große Amerikanische Universität in der afghanischen Hauptstadt Kabul mit 16 Toten hat dort Entsetzen ausgelöst. Viele der Stundenten stehen unter Schock.

Bei der fast zehnstündigen Belagerung, die erst in der Nacht zum Donnerstag endete, starben nach Behördenangaben sieben Studenten und Lehrer, drei Wächter und drei Polizisten. Auch die drei Angreifer seien umgekommen. Die Universität teilte auf ihrer Facebook-Seite mit, die Einrichtung bleibe bis auf weiteres geschlossen.

Die Universität ist eine der beliebtesten in dem Land, das nur wenig hochwertige Bildung anbietet. Auch viele bereits berufstätige junge Leute studieren dort frühmorgens oder abends, um sich zusätzlich zu qualifizieren. Viele Afghanen wiesen am Donnerstag darauf hin, dass dies auch ein Angriff auf die Zukunft des Landes gewesen sei.

Während des Angriffs sollen 700 Studenten und Lehrer auf dem Gelände gewesen sein. 39 Menschen, darunter neun Polizisten, wurden bei dem Angriff nach Behördenangaben verletzt. Studenten berichteten, dass auch ein aus Uganda stammender Professor unter den Verletzten sei.

Am Tag danach wurde der Schock der jungen Leute, aber auch in der Bevölkerung und Regierung deutlich. "Es war eine furchtbare Erfahrung, so nah hatte ich den Terror noch nie erlebt", sagte der Student Ahmad Hussain Taheri. "Wir waren zu siebt im Sportsaal. Es ist ein gesicherter Raum, aber von draußen konnten wir die Schreie von Studenten hören, die die Taliban baten, sie nicht zu töten." Die Angreifer hätten Handgranaten in einige Klassen geworfen. "Sie haben auch versucht, unsere Tür zu öffnen", sagte Taheri. Um ein Uhr morgens seien er und seine Freunde von der Krisenreaktionseinheit der Polizei befreit worden.

Dschawed Wadat schilderte die Nacht so: "Ich war gerade vom Gebet in die Klasse zurückgekommen, da gab es plötzlich eine laute Explosion. Das Licht ging aus und überall war Staub. Wir rannten raus, so schnell wir konnten. Da waren Schreie und Schüsse. Das Gute war, dass wir im vergangenen Semester ein Sicherheitstraining hatten, also kannten wir die Fluchtroute zum Notausgang. Aber die Mädchen haben viel geweint. Zwei sind kollabiert."

Besonders betrauert wurde der Tod eines jungen Professors, Nakib Ahmad Chapalwak, der nach einem Stipendium in den USA als Rechtslehrer wieder nach Afghanistan zurückgekehrt war. "Einer der brillantesten jungen Afghanen ist tot, ich kann nicht aufhören zu weinen", twitterte eine Mitarbeiterin des Präsidentenpalasts.

Präsident Aschraf Ghani sagte in einer Palast-Mitteilung, der Anschlag sei ein feiger Versuch gewesen, Entwicklung und Fortschritt im Land zu hemmen. Er besuchte verletzte Studenten im Krankenhaus.

Der Angriff hatte am Mittwochabend gegen 19 Uhr (Ortszeit) begonnen. Zur Identität der Täter gab es am Donnerstag keine Informationen. Zunächst bekannte sich keine extremistische Gruppe zu der Tat.

Der gut vernetzte Journalist Sami Yousafzai berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Talibankommandeur, der Angriff sei in der Militärführung der Extremisten diskutiert worden. Einige seien dagegen gewesen. Letztlich sei er gebilligt worden.

dpa

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