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Abu Walaa: Der Prediger ohne Gesicht

Festnahme von IS-Verdächtigen Abu Walaa: Der Prediger ohne Gesicht

Ermittler haben in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ein Netzwerk von mutmaßlichen IS-Unterstützern ausgehoben. Darunter der als Chefideologe geltende Abu Walaa, der Prediger ohne Gesicht. Er lebte unauffällig in Tönisvorst bei Krefeld.

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Bei der Produktion seiner Videos, die er über soziale Netzwerke wie Youtube verbreitet, achtet Abu Walaa darauf, dass man sein Gesicht nicht sehen kann.
 

Quelle: Al Manhaj Media via Youtube

Tönisvorst.  „Freundlich, sehr freundlich“. Nachbarn im beschaulichen Tönisvorst wissen nichts Schlechtes zu berichten über Abu Walaa, dem Mann, den deutsche Sicherheitsbehörden für einen salafistischen Chefideologen und Unterstützer der Terrormiliz „Islamischer Staat“ halten.

Walaa der gute Nachbar

Sie kennen nur den 32-jährigen Iraker, der mit Frau und vier Kindern unauffällig in einem Haus an der Zufahrtsstraße zum Ortskern lebt. Auf dem Klingelschild steht der richtige Name des Irakers Abdulaziz Abdullah A.. Ungläubigkeit schwingt bei Nachbar Paul Weber mit: „Wir können uns nicht vorstellen, dass der so was macht.“ Patente Leute seien das, würden immer grüßen, seien rücksichtsvoll – entschuldigten sich, wenn sie mal den Behindertenparkplatz belegt hätten.

Das eingeschossige grau getünchte Haus aus der Zufahrtsstraße zum Ortskern würde nicht weiter auffallen. Die Rollos sind heruntergelassen. Davor steht ein Auto mit abmontierten Nummernschild. Er habe immer mehrere Autos mit unterschiedlichen Kennzeichen gehabt, sagt Nachbar Weber. Einige Leute hätten sich gefragt, wovon der Mann lebt.

Was seine Nachbarn vermutlich noch nicht wussten: Der 32-Jährige soll nicht nur einen Wohnsitz samt verschleierter Frau und Familie in Tönisvorst haben, sondern auch einen Zweitwohnsitz samt Zweitfrau bei Hildesheim.

Salafisten-Streit: Abu Walaa gegen Pierre Vogel

 Im Internet kann man Abu Walaa in einer anderen Rolle erleben: „Sagt Euch los von diesem Übeltäter. Möge Allah sie alle erniedrigen!“, wettert der Islamistenprediger dort, der „Mann ohne Gesicht“. Bei seinem Auftritt im Netz ist nur sein Oberkörper zu sehen, hin und wieder gerät ein langer dunkler Bart ins Blickfeld der Kamera. Mit dem Übeltäter meint der 32-Jährige einen weit bekannteren islamistischen Prediger: Pierre Vogel.

Der Iraker aus Tönisvorst und Pierre Vogel aus Bergisch Gladbach sind sich inzwischen spinnefeind. Abu Walaa trägt seine Tiraden über Vogel und andere Salafisten-Prediger in holprigem Deutsch vor. Vom Tonfall her erinnern sie an das „Dissen“ zwischen sogenannten Gangsta-Rappern.

Nach einer Razzia am 10. August in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen machte Abu Wallaa öffentlich und unverblümt den Salafisten Vogel für den ungebetenen Besuch der Staatsmacht verantwortlich. Der habe ihn, Abu Walaa, und seine Hildesheimer Moschee mehrfach mit der Terrormiliz Islamischer Staat in Verbindung gebracht. Vogel helfe den „Kuffar“, den Ungläubigen, eine Moschee zu schließen.

„Nummer 1 des IS in Deutschland“

Abu Walaa, auch als „Scheich von Hildesheim“ bekannt, spart nicht mit Häme: Ein Nachrichten-Clip, in dem Vogels Anti-IS-Demo in Bremen als Reinfall bezeichnet wird, ist auf seiner Facebook-Seite zu sehen. Doch der Iraker könnte sich irren: Die Festnahmen seien durch die Aussage eines Syrien-Rückkehrers ermöglicht worden, verrät NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Der sei seinerzeit selbst geschleust worden und habe verraten, wie das Netzwerk funktioniert. Der Mann gab dem NDR, WDR und der „SZ“ in der Türkei ein Interview, in dem er den Iraker schwer belastet und als „die Nummer 1 des IS in Deutschland“ bezeichnete.

Den Behörden ist Abu Walaa als bedeutender Propagandist der salafistischen Szene schon lange bekannt. Die Bundesanwaltschaft habe seit Herbst 2015 gegen den Iraker und mutmaßliche Helfer ermittelt. Sie sollen vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen junge Muslime für den sogenannten „Heiligen Krieg“, den Dschihad, angeworben und bei der Ausreise logistisch und finanziell unterstützt haben. Der in seinem Umfeld sonst so unauffällige Walaa ist für die Ermittler die zentrale Figur im Rekrutierungsnetzwerk des IS in Deutschland.

Von RND/dpa

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