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13:10 23.02.2018
US-Präsident Donald Trump traf sich am Mittwochabend mit Angehörigen der Opfer des Parkland-Schulmassakers. Quelle: AP
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Washington

Donald Trump spielt in der jüngsten Tragödie eine eigentümliche Rolle. Am Mittwochabend traf sich der Präsident mit Angehörigen der Opfer, um - wie es das Weiße Haus formuliert - nach Lösungen zu suchen. Überraschenderweise zeigt sich Trump gesprächsbereit, zumindest leichte Verschärfungen der Waffengesetze auf den Weg zu bringen. In seiner ersten Reaktion auf den Massenmord an 17 Schülern, Lehrern und Passanten hatte er angedeutet, dass es sich bei dem Attentäter Nikolas Cruz um einen psychisch Kranken handeln könnte.

Unerwähnt bleibt allerdings, dass es der Präsident war, der im vergangenen Jahr eine Verordnung einkassieren ließ, die es psychisch Kranken bisher erschwert hatte, Waffen zu kaufen.

Amerikas Umgang mit Betroffenen gilt als veraltet

Nichtsdestotrotz werfen Trumps Bemerkungen ein grelles Licht auf eine Bevölkerungsgruppe, die seit Jahrzehnten im Schatten der amerikanischen Gesellschaft lebt. So geht das Ministerium für Stadtentwicklung davon aus, dass fast die Hälfte der mehr als 600.000 Obdachlosen unter schweren psychischen Krankheiten leidet. Insgesamt sind in den USA nach Erhebungen des „National Institute of Mental Health“ mehr als zehn Millionen Menschen von diesen Krankheiten betroffen. Der Staat hält allerdings nur knapp 40.000 Plätze in psychiatrischen Kliniken vor. Besonders erschreckend: Etwa 350.000 Strafgefangene gelten als psychisch krank. Damit sind die Vereinigten Staaten zu einem Umgang mit Betroffenen zurückgekehrt, wie er vor 150 Jahren üblich war: Wer als „verrückt“ galt, landete in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts oftmals hinter Gittern.

Zu den wenigen Prominenten, die heute für psychisch Kranke ihre Stimme erheben, zählt Patrick Kennedy. Der frühere Kongressabgeordnete und Sohn von Ted Kennedy tritt regelmäßig öffentlich auf, um auf die soziale Misere hinzuweisen. So warf der 50-Jährige vor zwei Wochen der US-Regierung vor, die Betroffenen wegzusperren, anstatt ihnen seriöse Therapien anzubieten: „Bei uns gilt immer noch der Grundsatz des 19. Jahrhunderts, psychisch Kranke zu bestrafen, anstatt sie zu therapieren.“

„Die Politik hat die Kranken verraten“

Die Folgen der mangelnden Betreuung seien verheerend. James Holmes, der im Juli 2012 in Aurora, Colorado, zwölf Menschen erschoss und 70 verletzte, trug ein Batman-Kostüm, als er das Blutbad anrichtete. Das Gericht attestierte Holmes, psychisch krank zu sein. Anschließend wurde er zu einer lebenslangen Haft verurteilt. Auch Aaron Alexis, der im September 2013 auf einem Marinestützpunkt in Washington seine Waffe zog und elf Menschen mit in den Tod riss, galt als dringend behandlungsbedürftig. Die Liste lässt sich fortsetzen und reicht von Fort Hood in Texas (2009) über Tuscon in Arizona (2011) bis nach Oakland in Kalifornien (2012). Bei all diesen blutigen Vorfällen wurden nach Einschätzungen der Gerichte Menschen zu Mördern, die dringend in ärztliche Behandlung gehört hätten.

Wie auch Kennedy in seinen Vorträgen erwähnt, entstand der Missstand im Umgang mit den Kranken durch eine Abfolge von Fehlentscheidungen - oder durch schlecht umgesetzte Strategien. So wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sogenannte Irrenhäuser gebaut, um die Betroffenen aus den Gefängnissen zu befreien. In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts häuften sich jedoch die Berichte über unerträgliche Zustände in diesen streng abgeschirmten Einrichtungen, sodass die Rufe nach Dezentralisierung und einem offeneren Umgang mit psychisch Kranken lauter wurden. Spätestens mit dem Aufkommen von antipsychotischen Medikamenten wuchs die Bereitschaft, die Betroffenen stärker am öffentlichen Leben teilhaben zu lassen. Die anfänglichen Erfolge hätten jedoch nicht lange angehalten: „Die Politik hat die Kranken verraten“, sagt Kennedy. In den achtziger Jahren seien die öffentlichen Haushaltspläne so radikal zusammengestrichen worden, dass für die Schwächsten nur noch wenig übrig geblieben sei. Die Folgen ließen sich auf vielen öffentlichen Plätzen der größeren Gemeinden Amerikas beobachten.

Ob sich an dieser Misere angesichts des jüngsten Dramas in Parkland etwas ändert? Zweifel sind angebracht. Trump stellte in den vergangenen Tagen zwar eine Verbindung zwischen den Massenschießereien und psychischen Erkrankungen her - aber im neuen Haushaltsplan der US-Regierung fallen die Zuschüsse für kommunale Gesundheitszentren deutlich niedriger aus.

Von RND/Stefan Koch

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