Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -2 ° Nebel

Navigation:
Amnesty wirft Russland Kriegsverbrechen in Syrien vor

Konflikte Amnesty wirft Russland Kriegsverbrechen in Syrien vor

Im Westen stoßen Russlands Luftangriffe in Syrien auf Kritik, weil sie sich nicht nur gegen den IS richten. Amnesty International weist nun auf Hunderte zivile Opfer hin - und spricht von Kriegsverbrechen. Syrische Aktivisten melden zudem einen Giftgasangriff des Regimes.

Voriger Artikel
Taliban sichern sich in vielen Provinzen Gebietsgewinne
Nächster Artikel
AfD-Chefin Petry bekräftigt Kritik an Höcke

Amnesty International prangert die Einsätze der russischen Luftwaffe in Syrien an. Diese kämen Kriegsverbrechen gleich, hieß es.

Quelle: Russian Defense Ministry

London/Damaskus(dpa) - Die russischen Luftangriffe im syrischen Bürgerkrieg töten Amnesty International zufolge Hunderte Zivilisten und zerstören Wohngebiete und Kliniken. Auch eine Moschee und ein Markt seien getroffen worden, teilte die Menschenrechtsorganisation mit.

Zudem gebe es Hinweise darauf, dass die russische Armee Streumunition und Bomben ohne Lenksysteme in dicht besiedelten Gebieten einsetze. Die Angriffe verstießen gegen die Menschenrechte und kämen Kriegsverbrechen gleich.

Syrische Oppositionelle warfen zudem dem Regime in Damaskus erneut den Einsatz von Giftgas vor. Die Luftwaffe habe südwestlich der Hauptstadt Fassbomben mit einem nicht identifizierten Stoff abgeworfen, erklärten Aktivisten. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, fünf Menschen seien bei dem Angriff auf Maadamijet al-Scham getötet worden.

23 weitere litten unter Atemprobleme, roten Augen, vergrößerten Pupillen und Lungenblutungen, erklärte die Menschenrechtsbeobachter weiter. Ein Video aus dem Ort zeigt nach Angaben von Aktivisten, wie Verletzte in einer Krankenstation mit Sauerstoff behandelt werden.

Maadamijet al-Scham gehört zu den Regionen, die 2013 mit Giftgas angegriffen worden waren. Mehr als 1300 Menschen starben. Aktivisten und Regierungen im Westen machten dafür das Regime verantwortlich, das die Anschuldigung jedoch zurückwies. Allerdings willigte die Regierung anschließend ein, ihre Chemiewaffenbestände zu zerstören.

Der Amnesty-Bericht konzentriert sich auf sechs Angriffe zwischen September und November in Homs, Idlib und Aleppo, bei denen rund 200 Zivilisten und rund ein Dutzend Kämpfer ums Leben gekommen seien. Die Organisation wirft Moskau vor, falsche Angaben zu zivilen Opfern gemacht zu haben. Die Regierung habe sich zu Berichten entweder gar nicht geäußert oder bestritten, dass Zivilisten gestorben seien.

Der Kreml reagierte zurückhaltend. Er habe keine Informationen darüber, ob die Angaben von Amnesty International verlässlich seien, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Das Verteidigungsministerium werde sich mit dem Bericht auseinandersetzen, erklärte der enge Vertraute des Präsidenten Wladimir Putin der Agentur Interfax zufolge. Russland kämpft in Syrien gegen die Terrormiliz IS, aber auch gegen andere Gegner des syrischen Machthabers Baschar al-Assad.

"Es ist unbedingt notwendig, dass die mutmaßlichen Verstöße unabhängig und unparteiisch untersucht werden", sagte Philip Luther, der bei Amnesty für den Nahen Osten und Nordafrika zuständig ist, in einer Mitteilung. Für den Bericht hat die Organisation nach eigenen Angaben Augenzeugen befragt und mit Hilfe von Militärexperten Bildmaterial ausgewertet.

Als Beispiel nennt der Bericht einen Angriff am 15. Oktober, bei dem 46 Zivilisten getötet worden seien, davon 32 Kinder und elf Frauen. Sie hätten im Keller eines Wohnhauses in der Nähe von Homs Schutz gesucht. Filmmaterial habe keine Hinweise darauf gegeben, dass Kämpfer vor Ort gewesen seien. Zudem hätten Waffenexperten aus Bildern der Zerstörung geschlossen, dass möglicherweise Aerosolbomben zum Einsatz gekommen seien. Sie werden auch Vakuumbomben genannt, ihr Einsatz in der Nähe von Zivilisten ist verboten.

Nach Berichten über die Zerstörung einer Moschee am 1. Oktober in der Region Idlib habe Russland die Fotos als gefälscht bezeichnet, heißt es bei Amnesty weiter. Satellitenbilder, die beweisen sollten, dass das Gebäude noch stehe, hätten aber eine andere Moschee gezeigt. "Die russischen Behörden haben anscheinend Taschenspielertricks genutzt, um zu versuchen, sich Vorwürfen und der Prüfung ihrer Taten in Syrien zu entziehen", kritisierte Luther.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161203-99-408078_large_4_3.jpg
Fotostrecke: Real macht Barças Siegträume in 90. Minute zunichte

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?