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Atomanlage in Jülich im Visier von Terroristen?

Terrorismus Atomanlage in Jülich im Visier von Terroristen?

Als der Terrorverdächtige Abdeslam kurz vor den Brüssel-Anschlägen gefasst wird, finden die Ermittler in der Wohnung in Molenbeek zahlreiche Unterlagen. Auch zum Forschungszentrum in Jülich? Der Verfassungsschutz dementiert.

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Stillgelegter Versuchsreaktor im Atomforschungszentrum in Jülich.

Quelle: Oliver Berg/Archiv

Berlin. Der Verfassungsschutz hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse darüber, dass der mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam das frühere Kernforschungszentrum Jülich im Visier hatte.

Präsident Hans-Georg Maaßen habe in dieser Angelegenheit auch keine Gespräche mit Mitgliedern des Parlamentarischen Kontrollgremiums geführt, sagte ein Sprecher der Behörde der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Auch das Forschungszentrum in Jülich versicherte, man habe "keinerlei Hinweise auf eine etwaige Gefährdung".

Die Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) hatten zuvor berichtet, Maaßen habe rund um den 24. März mehrere Mitglieder des streng vertraulich tagenden Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestages über den Fund unterrichtet. Demnach hätten belgische Ermittler in der Wohnung in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek, in der Abdeslam kurz vor den Anschlägen vom 22. März gefasst wurde, ausgedruckte Internet-Artikel über die Jülicher Anlage und Fotos von Vorstandschef Wolfgang Marquardt gefunden.

Der Kernforschungsreaktor in Jülich ist schon lange stillgelegt, auf dem Gelände befinden sich aber heute noch drei Zwischenlager mit Atommüll. Abdeslam gilt als Schlüsselfigur bei den Ermittlungen zur Pariser Terrorserie mit 130 Todesopfern am 13. November. Sein Bruder Brahim sprengte sich damals als Selbstmordattentäter in die Luft, er selbst soll ein Killerkommando zum Stade de France gefahren haben. Bis zu seiner Festnahme am 18. März war der 26-jährige Franzose der meistgesuchte Mann in Belgien. Er sitzt seither in Haft.

Die RND-Blätter berichteten, Maaßen habe mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums in streng vertraulichen Vier-Augen-Gesprächen über den Fund in Abdeslams Wohnung unterrichtet. Auch ein mit der Sache vertrauter Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz habe die Informationen bestätigt. Kanzleramt und Innenministerium hätten dagegen auf Anfrage erklärt, man kenne diese Information nicht. Bundesinnenminister Thomas de Maizière habe den zuständigen Bundestagsabgeordneten auf Anfrage mitgeteilt, sie sei nicht zutreffend.

Der Linken-Abgeordnete André Hahn, Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr), sagte der dpa, mit ihm habe Maaßen nicht gesprochen. "Ich hatte jedenfalls kein solches Gespräch. Und das PKGr hat nicht getagt", ergänzte er in einem Gespräch mit der "Mitteldeutschen Zeitung".

Das Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärte dagegen am Donnerstag, man bleibe bei der Darstellung: Mehrere Mitglieder des Kontrollgremiums hätten unabhängig voneinander angegeben, von Maaßen unter vier Augen über den Fund unterrichtet worden zu sein. Diese Information stamme nicht nur von einem Abgeordneten und nicht nur aus einer Partei, betonte RND-Chefredakteur Matthias Koch auf Anfrage.

Informationen zur angeblichen Ausspähung eines belgischen Atomforschers hatten schon früher für Aufregung gesorgt. Nach den Anschlägen in Brüssel war berichtet worden, die Attentäter hätten auch einen belgischen Atomforscher ausspioniert und Filmaufnahmen seiner Wohnung gehabt. In der Folge wurde darüber spekuliert, dass von dem observierten Fachmann womöglich radioaktives Material für eine sogenannte schmutzige Bombe erpresst werden sollte.

Unmittelbar nach den Brüsseler Anschlägen waren zudem im belgischen Atomkraftwerk Tihange alle Mitarbeiter, die nicht unbedingt gebraucht wurden, nach Hause geschickt worden. Angeblich sollte so das Risiko minimiert werden, dass sich gefährliche Personen auf dem Gelände aufhalten. Bekannt wurde auch, dass ein Dschihadist als Mitarbeiter einer externen Dienstleistungsfirma jahrelang im Hochsicherheitsbereich des belgischen Kernkraftwerks Doel arbeitete, bevor er als IS-Kämpfer nach Syrien reiste und dort starb.

dpa

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