Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Berlin trauert in Blau-Weiß-Rot

Nach Terror von Paris Berlin trauert in Blau-Weiß-Rot

Tag 1 nach der Terrorserie von Paris: Vor der französischen Botschaft im Herzen Berlins legen Menschen den ganzen Tag über Blumen und Kerzen nieder. Auch die Kanzlerin kommt vorbei. Die Fahnen wehen auf Halbmast, die Gedanken sind in Paris.

Voriger Artikel
Anspannung in Flüchtlingsunterkunft nach Massenschlägerei
Nächster Artikel
Staatsakt für Altkanzler Schmidt im Hamburger Michel

Zeichen der Anteilnahme: Das Brandenburger Tor in den Farben Frankreichs.

Quelle: dpa

Berlin. «Mein Gefühl und meine Trauer müssen irgendwohin», sagt Astrid Hollmann vor der französischen Botschaft in Berlin. Nach der furchtbaren Terrorserie in Paris kommen den ganzen Tag über Menschen an den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor. Fassungslosigkeit, Trauer, Wut und Trotz sind zu spüren. «Unser schönes Europa dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen», sagt die 46-jährige Berlinerin und trifft den Nerv vieler.

Bis zum Nachmittag versammeln sich mehrere Hundert Menschen vor der Botschaft. Sie stehen in stillem Bedenken beieinander, einzeln oder in Gruppen. Manche fassen sich an den Händen. Gegen 17.00 Uhr leuchtet das Brandenburger Tor in den französischen Nationalfarben Blau, Weiß und Rot auf - so wie schon Anfang des Jahres nach dem Anschlag auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo».

Menschen legen weiße Rosen mit Trauerflor nieder und zünden Kerzen an. «Unser Beileid - Es lebe Frankreich! Es lebe Europa! Es lebe die Menschlichkeit!» steht in Französisch auf einem provisorisch ausgedruckten Foto.

«Es ist ein Horror», sagt eine Berlinerin, die erst am Morgen von den Schreckensnachrichten erfahren hat. Dass unschuldige junge Leute sterben mussten wie früher an der Mauer, habe sie besonders betroffen gemacht, sagt sie.

Eine andere junge Frau hat Tränen in den Augen. Ihr Mitgefühl haben vor allem die Rockband und die Besucher in der Pariser Konzerthalle «Bataclan», in der sie selbst schon war. «Dass Menschen angegriffen werden, die einfach nur Spaß haben wollen», findet sie furchtbar. «Liebe braucht die Welt», steht auf einem Zettel mit roten Kerzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt am Nachmittag mit mehreren Ministern zu der weiträumig abgesperrten Botschaft. Als sie sich zu den versammelten Menschen umdreht und ihnen kurz zuwinkt, erhält sie spontan Beifall. Ein einsamer «Abtreten»-Rufer wird leise, aber bestimmt aus der Menge zurechtgewiesen: «Hier geht es ums Gedenken.»

«In tiefer Trauer und in großer Freundschaft», schreibt Merkel ins Kondolenzbuch. «...Und wir verteidigen, was Sie in Europa einst ins Leben riefen: Liberté, Egalité, Fraternité», hatte dort kurz zuvor schon Bundespräsident Joachim Gauck versprochen.

Vor der mit Polizeigittern gesicherten Botschaft geht das Leben auf dem geschichtsträchtigen, quirligen Platz an der Ostseite des Brandenburger Tores scheinbar unberührt weiter. Touristengruppen starten ihre Touren durch die Hauptstadt und posieren für ein Foto mit Berlins berühmtestem Wahrzeichen. Im Hintergrund werden die Fahnen am deutschen Parlament wie auf anderen öffentlichen Gebäuden der Stadt auf halbmast gesetzt.

Der Pariser Platz, der seit gut 200 Jahren den Namen der französischen Hauptstadt trägt, hat schon viele Tränen gesehen - der Freude wie der Trauer. Im Zweiten Weltkrieg wurde er fast vollständig zerstört und erst nach der Deutschen Einheit wieder aufgebaut.

Zu Zeiten der Berliner Mauer war er für die meisten Menschen Niemandsland - von Grenzanlagen gesichert und nicht zu erreichen. Umso unvergessener ist Silvester 1989, als Tausende Menschen auf der Mauer euphorisch die Wiedervereinigung feierten.

«Wir werden jetzt solidarisch sein mit unseren französischen Freunden», hatte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) schon zuvor bei einer Parteiveranstaltung versichert. Und: «Wir lassen uns unser offenes und freies Leben nicht kaputt machen.»

«In solchen Zeiten muss man sich erst recht solidarisch zeigen», meint auch eine Berlinerin, die mit Blumen und einer Kerze zur Botschaft gekommen war. Mit diesen Worten gibt sie die Kerze dem drei Jahre alte Frederic ab, der mit seinem Vater an der Absperrung steht. Sie wollen der Familie und Freunden in Paris in diesen Stunden ein bisschen näher sein.

Von Anett Indyka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161207-99-459075_large_4_3.jpg
Fotostrecke: BVB holt mit starkem 2:2 bei Real den Gruppensieg

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?