Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Besteht Terrorgefahr in Deutschland?
Nachrichten Politik Besteht Terrorgefahr in Deutschland?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 15.07.2016
Innenminister Thomas de Maiziere (CDU). Quelle: dpa
Anzeige
Berlin

Wieder ein Anschlag im Nachbarland: Die verheerende Attacke von Nizza wirft auch Fragen zur Sicherheitslage in der Bundesrepublik auf. «Die grundsätzliche Gefährdungsbewertung für Deutschland ist unverändert», erklärte das Bundesinnenministerium dazu am Freitag. Europa sei insgesamt ein Gefahrenraum für islamistischen Terrorismus. «Die Anschläge in unseren Nachbarstaaten zeigen uns, wie real die Gefahr islamistischer Terrorakte in Europa ist.» Auch Deutschland stehe weiter im Fokus islamistischer Terroristen.

Terrorexperte: Anschlag perfide gewählt

Liveticker zum Anschlag in Nizza

Die jüngsten Attacken in Paris, Brüssel, Istanbul und nun in Nizza zeigen laut Innenressort Szenarien, vor denen Geheimdienste und Polizei immer wieder warnen: zeitversetzte Anschläge durch Kleinstgruppen an verschiedenen Orten, brutales Vorgehen von Terroristen, Attacken auf «weiche Ziele mit hohen Opferzahlen und einem gewissen Symbolwert».

Fachleute aus dem Sicherheitsapparat betonen immer wieder, dass auch in der Bundesrepublik ein Anschlag nicht auszuschließen ist. Gefahrenquellen gibt es viele: Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten, Einzeltäter, die sich im Stillen radikalisieren und aus dem Nichts zuschlagen, Schläfer von Terrororganisationen - oder kleine Teams, die für einen Anschlag gezielt ins Land eingeschleust werden.

Die Lage ist in Deutschland schon seit Monaten enorm angespannt. Hinter den Kulissen fahren die Behörden nach jeder Attacke in der direkten Nachbarschaft die Sicherheitsvorkehrungen hoch, prüfen die - enorm wachsende - Zahl an eingehenden Gefahrenhinweisen und nehmen die Islamisten-Szene und «Gefährder» besonders in den Blick.

Chronologie des Terrors in Frankreich

7. Januar 2015: Beim Attentat auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo» sterben in Paris zwölf Menschen. Zu dem Anschlag bekennt sich ein Ableger der Terrororganisation Al-Kaida. Ein dritter Täter erschießt eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er hatte sich zuvor zur Terrormiliz IS bekannt.

19. April: Nach der Ermordung einer Frau in Villejuif bei Paris wird ein Student festgenommen. Der 24-Jährige mit Kontakt nach Syrien soll mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistolen und Revolver Anschläge auf Kirchen geplant haben.

26. Juni: Ein 35-jähriger Islamist wird überwältigt, als er in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion verursachen wollte. Er hatte zuvor seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt.

21. August: Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel-Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November: Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle «Bataclan» richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

18. November: Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris nimmt die Polizei sieben mutmaßliche Komplizen der Attentäter fest. Drei weitere Verdächtige kommen ums Leben, wie sich später herausstellt - einer ist der gesuchte Abaaoud.

7. Januar 2016: Am Jahrestag der Anschläge auf «Charlie Hebdo» schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

24. März 2016: Ermittler nehmen einen 34-jährigen Franzosen fest und finden in einer von ihm angemieteten Wohnung im Pariser Vorort Argenteuil ein großes Waffenarsenal, unter anderem mit fünf Kalaschnikow-Sturmgewehren, einer Maschinenpistole und Sprengstoff. Nach Ansicht der Ermittler gehörte der Festgenommene zu einem Terrornetzwerk, das kurz vor einem schweren Anschlag stand.

14. Juni 2016: Ein Mann ersticht in Magnanville im westlichen Umland von Paris einen Polizisten und verschanzt sich in dessen Haus, wo später auch die Lebensgefährtin des Opfers tot aufgefunden wird. Die Polizei stürmt das Gebäude und erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte. Vor dem Hintergrund der laufenden Fußball-EM hatten zahlreiche Behörden immer wieder vor der hohen Terrorgefahr in Frankreich gewarnt.

14. Juli 2016: Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in der Hafenstadt Nizza mindestens 80 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt, als ein Lastwagen durch eine feiernde Menschenmenge raste.

Von dpa

Ein Berliner Terrorexperte sieht in dem Anschlag von Nizza klare Strategien und wiederkehrende Muster. Der Zeitpunkt des Anschlags sei „kalkuliert und perfide gewählt“, sagt Rolf Tophoven.

15.07.2016

Mit einer Schweigeminute hat der Brandenburger Landtag am Freitag der Opfer des Terroranschlags von Nizza gedacht. Vor der Französischen Botschaft in Berlin gibt es zahlreiche Beileidsbekundungen. Das deutsch-französische Volksfest in Berlin ist abgesagt.

15.07.2016

„Riesiger Schmerz“: Der Terror ist zurück in Frankreich. Die Bestürzung ist groß, aber auch die Welle der Solidarität. Politiker sagen Unterstützung zu, und in den sozialen Medien heißt es #PrayForNice.

15.07.2016
Anzeige