Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Die Mark setzt auf Freiwilligkeit
Nachrichten Politik Die Mark setzt auf Freiwilligkeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:24 07.08.2018
Streitthema im Sommer: Sollten junge Menschen zu sozialen Diensten verpflichtet werden? Quelle: Caroline Seidel
Anzeige
, Potsdam

Die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht wird auch in Brandenburg kontrovers diskutiert. Auf Seiten der Landesregierung herrscht eher Skepsis gegenüber der von der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer ins Spiel gebrachten Idee, durch ein verpflichtendes Dienstjahr, sei es in der Armee, sei es im sozialen Bereich, den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft zu stärken.

Infrastruktur für Pflichtjahr zu teuer

Die der Linkspartei angehörende Sozialministerin Diana Golze weist auf die vielen Steuermillionen hin, die nötig wären, um eine Infrastruktur für entsprechende Pflichtdienste neu aufzubauen. „Dieses Geld könnte man viel besser zum Beispiel für die Pflege und für die Bekämpfung von Kinderarmut investieren“, sagt Golze. Natürlich sei es für junge Menschen eine wichtige Lebenserfahrung, sich nach der Schule ein Jahr im sozialen, ökologischen oder kulturellen Bereich für das Gemeinwohl zu engagieren. „Für ein solches Engagement vor Ausbildung oder Studium gibt es aber bereits gute Möglichkeiten, zum Beispiel das Freiwillige Soziale oder Ökologische Jahr.“ Golze hält die Stärkung dieser bestehenden freiwilligen Dienste für sinnvoller.

Selbst der Oppositionsführer, CDU-Landeschef Ingo Senftleben, geht auf Distanz zum Vorschlag aus der CDU-Bundesebene. „Wir sollten nicht so sehr über das Müssen reden, sondern stärker über das Wollen. Anreize schaffen ist besser als Verpflichtungen auszusprechen“, sagt er. Solche Anreize für Freiwillige könnte die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs oder von Freizeit- und Kulturangeboten sein.

Soziale Dienste nur mit Herzblut

Auch die oppositionellen Grünen lehnen ein soziales Pflichtjahr ab. Die Landesvorsitzende Petra Budke nennt die fehlenden Voraussetzungen im Grundgesetz als ihr Hauptargument gegen eine allgemeine Dienstpflicht. Budke sieht aber auch praktische Gründe: „Es würde entsprechenden sozialen Einrichtungen wenig nützen, wenn sie junge Leute bekämen, die ohne Herzblut bei der Sache sind“, so Budke. Gerade in Einrichtungen wie Kitas oder Krankenhäuser brächte man Helfer, die ihre Arbeit mit Spaß und Engagement erledigten. Außerdem fehlten bisher die Strukturen, um solche Pflichtdienste zu verwalten.

Budke tritt stattdessen für eine Stärkung des Freiwilligendienstes ein. Junge Leute würden zum Beispiel davon profitieren, wenn ihnen die Arbeit in Pflegediensten beim Erlangen eines Medizinstudienplatzes angerechnet würden.

Gegen eine allgemeine Dienstpflicht ist auch das Diakonische Werk Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. „Ob Pflegeeinrichtung oder Kita: soziale Arbeit gehört in die Hände von Profis“, sagt Vorstandsmitglied Martin Matz. Die Arbeit könne aber gerne durch Freiwillige ergänzt werden. Dafür gäbe es schon das Freiwillige soziale Jahr (FSJ) und den Bundesfreiwilligendienst. Eine Stärkung dieser Freiwilligendienste sei durchaus im Sinne der Diakonie. „Am Ende ziehen wir professionell ausgebildete Kräfte und Freiwillige ganz klar den Dienstverpflichteten vor“, so Matz.

Lieber ÖPNV-Tickets für Freiwillige

Ähnlich sieht es der Landesverband Brandenburg des Roten Kreuzes. Sprecherin Iris Möker lehnt zwar ein soziales Pflichtjahr nicht rundweg ab, betont aber, dass die Freiwilligendienste in Brandenburg sehr gut funktionieren. Freiwilligkeit gehöre auch zu den Grundsätzen des Deutschen Roten Kreuzes. „Hier gilt es, die vorhandenen Strukturen auszubauen“, so Möker.

Gerade in Brandenburg würden viele Freiwillige profitieren, wenn sie zum Beispiel ein Ticket für den Personennahverkehr bekämen. „Sie haben oft sehr weite Wege.“ Ihr Taschengeld für den Dienst reiche nicht aus. Möker ist sicher, dass das DRK Brandenburg bei solchen Entschädigungen noch mehr Freiwillige bekäme und noch mehr Stellen besetzen könnte.

Anders sieht es die Volkssolidarität Brandenburg. Peter Lange, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende, ist zwar kein euphorischer Fan einer allgemeinen Dienstpflicht, räumt aber ein: „Sie könnte an der ein oder anderen Stelle Probleme lindern.“ Zu sozialen Diensten Verpflichtete könnten im stationären Bereich als Pflegehilfskräfte eingesetzt werden, zum Beispiel, indem sie die Körperpflege Hilfsbedürftige übernehmen oder beim Zubereiten und Austeilen der Mahlzeiten helfen.

Krankenhäuser für Pflichtdienste offen

Die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht dürfe aber nicht dazu führen, dass der Pflegenotstand ignoriert und die Ausbildung und Einstellung examinierter Pflegekräfte vernachlässigt werde, betont Lange.

Auch die Landeskrankenhausgesellschaft Brandenburg zeigt sich für ein verpflichtendes Dienstjahr offen. „Den Dienst am Kranken und Pflegebedürftigen halten wir grundsätzlich für sinnvoll“, sagt der Geschäftsführer Jens-Uwe Schreck. Man habe früher sehr gute Erfahrungen mit dem Zivildienst gemacht. „Wir wären auch grundsätzlich bereit, entsprechende Strukturen bereitzustellen“, sagt Schreck. Ob der Dienst nun auf Freiwilligkeit oder auf einer gesetzlichen Verpflichtung beruhe sei aus Sicht der Landeskrankenhausgesellschaft zunächst einmal „einerlei“.

Von Rüdiger Braun

Das Saarland zu Rheinland-Pfalz? Berlin und Brandenburg zusammen? Norddeutschland von der Nordsee bis zur Ostsee? Die Vorstellungen des langjährigen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) zu Fusionen von Bundesländern finden nur ein Echo: Ablehnung.

07.08.2018

50 Milliarden Euro soll die Regierung in Mindestlöhne und Rentenversicherung stecken, fordert der Sozialverband. Sonst drohe großen Teilen der Bevölkerung Altersarmut. Zudem warnt der Vorsitzende Rolf Rosenbrock, Deutschland diskutiere über die falschen Themen.

07.08.2018

Forsa-Chef Manfred Güllner sieht die Grünen weiter im Aufwind und schließt nicht aus, dass die Partei der SPD den Rang ablaufen wird. Es gebe eine neue Generation pragmatisch orientierter grüner Wähler.

07.08.2018
Anzeige