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20:06 01.04.2016
Hans-Dietrich Genscher wurde 89 Jahre. Quelle: POP-EYE
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Potsdam

Er war ein großer Staatsmann und Europäer, der Weltgeschichte schrieb. Als Wegbereiter der Wiedervereinigung wurde er besonders im Osten Deutschlands verehrt. Unvergessen bleibt Prag 1989, als er DDR-Flüchtlingen die Ausreise in den Westen verkündete. In der Nacht zu Freitag ist Hans-Dieter Genscher im Alter von 89 Jahren an Herz-Kreislauf-Versagen in seinem Haus in Wachtberg-Pech bei Bonn verstorben, wie sein persönliches Büro mitteilte.

Immer wieder führten den langjährigen Bundesaußenminister berufliche und private Stationen auch nach Brandenburg. Politiker und Weggefährten trauern um den FDP-Politiker und würdigen seine Verdienste. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erklärte, Genscher sei einer der Väter der europäischen Entspannungspolitik gewesen. Davon hätten die Menschen in der früheren DDR in besonderer Weise profitier. FDP-Landeschef Axel Graf Bülow sagte: „Er war ein großer Liberaler und ein großartiger Mensch. Seine Verdienste werden bleiben.“

Manfred Stolpe, Regierungschef in Brandenburg von 1990 bis 2002, kennt Genscher noch aus DDR-Zeiten. „Er war ein politisches Genie“, sagte Stolpe der MAZ. Genscher habe über politischen Weitblick und das Gespür für das Machbare verfügt. Bei der Wiedervereinigung habe er eine „Schlüsselrolle“ gespielt, weil er Vertrauen zum damaligen sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse aufgebaut habe, der wiederum einen kurzen Draht zu Michael Gorbatschow hatte. „Das führte letztlich dazu, dass sich die Sowjets bewegten“, sagte Stolpe. Genscher habe immer die gute Zusammenarbeit mit Russland am Herzen gelegen. „Das brauchen wir auch für die Zukunft“, betonte Stolpe. Der frühere FDP-Chef habe aber auch Anteil gehabt, dass 1990 in Brandenburg eine „Ampelkoalition“ mit der FDP zustande kam. Genscher gehörte auch zu den Verteidigern des einstigen evangelischen Konsistorialpräsidenten Stolpe gegen Stasi-Vorwürfe in einem Untersuchungsausschuss. „Das war sehr hilfreich“, erinnert sich Stolpe über Genschers Auftritt 1993.

Die stellvertretende FDP-Landesvorsitzende Linda Teuteberg würdigte Genscher als einen Politiker, der „rastlos, offen, herzlich und klug“ gewesen sei. „Er war ein Vorbild für mich“, sagte die 35-Jährige der MAZ. Genscher habe sie im Wahlkampf 2009 in Potsdam unterstützt. „Wir sind weiter im Kontakt geblieben“, sagte Teuteberg. Sie habe ihn auch einmal in seinem Haus in Bonn besucht.

„Wir haben einen Freund Potsdams verloren“, sagte Oberbürgermeister Jann Jakobs und erinnerte an den Medienpreis der Journalistenvereinigung M 100 Sanssouci Colloquium, den Genscher 2009 in Potsdam erhielt. Es seien Genschers Verdienste für Völkerverständigung und seine herausragende Rolle bei der Überwindung der deutschen und europäischen Teilung gewürdigt worden, betonte Jakobs.

Auch der letzte DDR-Außenminister Markus Meckel, der in Brandenburg bis 2005 Bundestagsabgeordneter war, trauert. „Schon bei unserer ersten Begegnung gab der erfahrene, stets freundlich zugewandte Diplomat mir als Anfänger einen großen Vertrauensvorschuss, und auch nach der Wiedervereinigung hatten wir einen guten und vertrauensvollen Kontakt“, erinnerte sich Meckel als jetziger Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Wir beide waren uns – er als Architekt und ich als Neuling – der Tragweite der Zwei-plus-vier-Verhandlungen immer bewusst und können mit Stolz sagen, dass dieses der wichtigste, zukunftsträchtigste und wohl auch beste Vertrag für Deutschland und Europa ist.“ Dafür gelte Genscher großer Dank, Anerkennung und Respekt.

Von Igor Göldner

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