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Claus-Brunner karrte Leiche kilometerweit durch Berlin

Nach Tod des Piraten-Politikers Claus-Brunner karrte Leiche kilometerweit durch Berlin

Es ist eine menschliche Tragödie – am Montag sind in der Wohnung des Piraten-Politikers Gerwald Claus-Brunner zwei Leichen gefunden worden. Erste Ermittlungen ergaben, dass der Politiker den Mann und dann sich tötete. Außerdem soll er den Mann gestalkt haben. Medien berichten zudem über einen schaurigen Leichentransport.

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Am Montag ist der Piraten-Politiker Gerwald Claus-Brunner tot in seiner Wohnung gefunden worden, neben ihm lag eine weitere Leiche.

Quelle: dpa

Berlin. Den Polizisten, die als erste die Wohnung des Berliner Piraten-Politikers Gerwald Claus-Brunner am Montag betraten, bot sich ein schockierender Anblick. Von einem „schaurigen Bild“ schrieb die Berliner Polizei am Dienstag. Claus-Brunner und ein anderer Mann lagen tot in der Wohnung.

Betroffenheit und Entsetzen nahmen am Tag nach der Todesnachricht zu, als Einzelheiten bekannt wurden: Nach ersten Erkenntnissen der Polizei hatte der 44-jährige Piraten-Politiker den anderen Mann getötet. Tage nach dieser Tat nahm sich Claus-Brunner, der mit seinen Latzhosen und Kopftüchern bekannt geworden war, selber das Leben.

Viele Fragen offen

Die genaueren Umstände sollte eine Mordkommission der Berliner Polizei noch ermitteln. Einige Details wurden aber schon mitgeteilt, manche Einzelheiten sind noch unklar. Laut Polizei wurde das Opfer, ein junger Mann dessen Identität noch nicht endgültig geklärt ist, durch „stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper“ getötet. Die Tat geschah aber nicht in der Mietwohnung von Brunner im Stadtteil Lichterfelde im Süden Berlins, sondern wohl in der Wohnung des Opfers, die nach Zeitungsberichten in Wedding im Norden liegen soll. Von dort soll Claus-Brunner die Leiche in seine Wohnung gebracht haben. Laut Medienberichten soll der 44-jährige Politiker mit einer Sackkarre durch Berlin transportiert haben. Die beiden Wohnungen liegen rund 15 Kilometer auseinander.

Claus-Brunner tötete sich einige Tage später in seiner Wohnung. Sprecher von Polizei und Staatsanwaltschaft wollten sich zu Details nicht äußern. Die Zeitungen „Bild“ und „B.Z.“ berichteten, Claus-Brunner, der Kommunikationselektroniker war und als Mechatroniker gearbeitet hatte, habe sich mit einem Stromschlag das Leben genommen. Die Staatsanwaltschaft bestätigte das nicht.

Gerwald Claus-Brunner

Gerwald Claus-Brunner.

Quelle: dpa-Zentralbild

Ermittler bestätigen Missbrauch nicht

Ein Sprecher sagte aber, es gebe Hinweise, dass Claus-Brunner den jüngeren Mann gestalkt, also verfolgt und belästigt habe. Dazu werde ermittelt. Bei dem Mann soll es sich um einen 29-jährigen, ehemaligen Mitarbeiter in der Berliner Piratenfraktion handeln. Vermutlich wertet die Polizei dafür Daten der Handys und Computer der beiden Toten aus. Zeitungsberichte, nach denen der getötete Mann missbraucht worden sei, bestätigten die Ermittler ausdrücklich nicht. Dazu gebe es keine Hinweise, sagten Sprecher von Polizei und Staatsanwaltschaft. Die Piratenpartei hatte am Montag mitgeteilt, man habe von einer unheilbaren Krankheit des Abgeordneten gewusst. Laut Medienberichten konnte bei der Obduktion keine lebensbedrohliche Krankheit festgestellt werden.

Claus-Brunner, der mit seiner Körpergröße und Kleidung auffiel, gehörte zur bundesweit ersten Piratenfraktion. Sie zog 2011 überraschend mit 8,9 Prozent und 15 Abgeordneten in das Berliner Landesparlament ein. Bei der Wahl am vergangenen Sonntag erreichten die Piraten nur 1,7 Prozent der Wählerstimmen und flogen wieder raus.

Am 23. Juni hatte Claus-Brunner in seiner letzten Rede im Abgeordnetenhaus mit Blick auf die nahende Wahl und die schlechten Umfragewerte der Piraten gesagt, man werde die Piratenfraktion noch vermissen. Dann folgte eine Anspielung auf seinen bevorstehenden Tod: „Und ihr werdet auch in der laufenden Legislatur für mich am Anfang irgendeiner Plenarsitzung mal aufstehen dürfen und eine Minute stillschweigen.“

Am Freitag das letzte Mal getwittert

Am Freitag twitterte Claus-Brunner zum letzten Mal: „Echter Kacktag heute, übertrifft sämtliche schlechten tage die ich je erlebt hatte bisher. Hoffe das Wochenende machts besser.“ Am Montag ging bei den Piraten in Berlin ein Brief von Claus-Brunner ein. „Darin stand, dass er nicht mehr lebt“, berichtete der Piraten-Vorsitzende Bruno Kramm. Parteimitglieder verständigten daraufhin die Polizei. Den Abschiedsbrief übergaben sie der Kripo. Kramm sagte, unabhängig vom Ablauf der beiden Todesfälle: „Eine menschliche Tragödie ist es in jedem Fall.“

Mitarbeiter der Gerichtsmedizin rollen vor dem Wohnhaus von Gerwald Claus-Brunner einen weiteren Leichnam zu ihrem Fahrzeug

Mitarbeiter der Gerichtsmedizin rollen vor dem Wohnhaus von Gerwald Claus-Brunner einen weiteren Leichnam zu ihrem Fahrzeug. Bei dem zweiten Toten soll es sich ebenfalls um einen Mann handeln. Eine Mordkommission ermittelt.

Quelle: dpa

Von Andreas Rabenstein

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