Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Politik Das Geheimnis des AfD-Erfolgs
Nachrichten Politik Das Geheimnis des AfD-Erfolgs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:22 25.09.2017
Jubel bei der AfD-Wahlparty in Berlin: Die Partei ist drittstärkste Partei geworden – vor allem, weil sie in Ostdeutschland viele Wähler hat. Quelle: imago
Anzeige
Berlin

Für die AfD ist es ein großer Erfolg: 12,6 Prozent der Wähler haben die rechtspopulistische Partei gewählt, die nun mit 94 Abgeordneten in den Bundestag einzieht. Doch gleich am Morgen nach der Wahl eskaliert der Machtkampf in der Partei: Frauke Petry, Co-Vorsitzende der Partei und lange ihr bekanntestes Gesicht, nutzt eine gemeinsame Pressekonferenz mit den Spitzenvertretern der AfD, um zu erklären, dass sie der künftigen Bundestagsfraktion nicht angehören werde. Ein harter Schlag für die Partei: Petry hatte als Spitzenkandidatin der AfD in Sachsen mit 27 Prozent das bundesweit beste Ergebnis für die AfD eingefahren, zudem gewann sie in ihrem Wahlkreis das Direktmandat.

Der Machtkampf in der Partei schwelt schon seit langem. Der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen hatte Petry kurz vor ihrem Abtritt heftig attackiert. Dass sie sich zuletzt in öffentlichen Äußerungen wiederholt von den beiden Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel distanziert habe, sei „wenig hilfreich“ gewesen und „nicht hinnehmbar“, sagte er am Montag in Berlin. Petry hatte sich zuletzt von ihrer Ansicht zu rechtslastigen Positionen und Formulierungen ihrer Parteifreunde distanziert.

Der Eklat klärt den Machtkampf, zeigt aber auch erneut die Zerrissenheit der Partei, die als drittstärkste Kraft in den Bundestag einzieht. Die Wähler haben sich von den Streitereien nicht abschrecken lassen. Für sie zählten andere Dinge.

Welche Themen waren entscheidend?

So sei es der AfD gelungen, Ängste, Sorgen und Unzufriedenheit in der Bevölkerung auf ihre Mühlen zu lenken, erklärt die Forschungsgruppe Wahlen in ihrer Wahlanalyse. Der Wahlkampf sei von Furcht geprägt gewesen, heißt es auch bei Infratest dimap: 70 Prozent der Befragten äußerten die Angst, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. 60 Prozent befürchteten, dass die Kriminalität zunimmt. 38 Prozent hätten die Befürchtung, dass zu „viele Fremde“ nach Deutschland kommen. Profitieren konnte davon vor allem die AfD: 89 Prozent ihrer Wähler finden, dass die CDU die Sorgen der Bürger nicht mehr ernst nehme. 60 Prozent gaben an, dass sie von allen anderen Parteien enttäuscht seien – nur jeder Dritte sagte, er wähle die AfD aus Überzeugung. Vor allem das Thema Flüchtlinge hat der AfD genutzt: 98 Prozent der AfD-Wähler kritisieren die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung. Damit binde die Partei Protest, Sorgen und Unzufriedenheit vieler Wähler, erläutert die Forschungsgruppe Wahlen.

Wer hat vor allem die AfD gewählt: Männer oder Frauen?

Vor allem Männern wählten die AfD: 16 Prozent machten ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten. Unter Frauen kam die AfD nur auf 9 Prozent. Mit Blick auf die Altersgruppen zeigt sich, dass die AfD bei 30- bis 44-Jährigen besonders erfolgreich war, hier holte sie 16 Prozent der Stimmen. 15 Prozent waren es bei den 45- bis 59-Jährigen. Bei den Jüngeren (11 Prozent) und den über 60-Jährigen (10 Prozent) kam die AfD dagegen unterdurchschnittlich gut an.

Bei welchen Berufsgruppen ist die AfD stark?

Bei der Frage nach den Berufsgruppen zeigt sich laut Forschungsgruppe Wahlen, dass die AfD mit 19 Prozent vor allem bei den Arbeitern starken Zulauf hatte. Die zweitstärkste AfD-Wählergruppe sind die Selbstständigen, von denen 12 Prozent AfD wählten. Danach kommen Angestellte (11 Prozent) und Beamte (10 Prozent).

Welche Rolle spielt der Bildungsgrad?

Die Analyse belegt zudem, dass die Bereitschaft, AfD zu wählen, mit dem Bildungsgrad sinkt. So haben nur 7 Prozent der Wähler mit Hochschulabschluss rechtskonservativ gewählt. Bei den Abiturienten waren es 11 Prozent, bei Hauptschülern 14 Prozent. Am stärksten – 17 Prozent – schneidet die AfD bei Wählern mit Mittlerer Reife ab.

Welche Wählerbewegungen gab es?

Nach vorläufigen Zahlen von Infratest dimap profitierte die AfD vor allem von den Nichtwählern. Von dieser Gruppe habe sie nach vorläufigen Zahlen fast 1,2 Millionen Stimmen bekommen. Eine Million frühere CDU-Wähler setzten ihr Kreuz bei den Rechtspopulisten. Jeweils eine halbe Million Stimmen seien von SPD und Linken gekommen.

Wie stark ist die AfD im Osten?

Besonders stark ist die AfD in Ostdeutschland. In Sachsen wurde sie sogar mit 27 Prozent stärkste Partei – dicht gefolgt von der CDU mit 26,9 Prozent. In keinem anderen Bundesland ist die AfD so stark, hier gewann sie sogar drei Direktmandate:

In der Sächsischen Schweiz-Osterzgebirge hat Frauke Petry das Mandat mit 37,4 Prozent der Erststimmen gewonnen. Sie setzte sich klar gegen den CDU-Abgeordneten Klaus Brähmig (28,8 Prozent) durch.

In Görlitz gewann Tino Chrupalla (32,4 Prozent) gegen den sächsischen CDU-Generalsekretär und Vizevorsitzenden der Bundestagsfraktion, Michael Kretschmer (31,4 Prozent).

In Bautzen I verwies der AfD-Kandidat Karsten Hilse (33,2 Prozent) den bisherigen Inhaber des Direktmandates, Roland Ermer von der CDU (30,6 Prozent), auf Platz 2.

Auch in anderen ostdeutschen Ländern hat die AfD viele Wähler gewinnen können. In vier neuen Ländern wurde sie zweitstärkste Partei: In Thüringen holte sie 22,7 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern 18,6 Prozent, in Sachsen-Anhalt 19,6 Prozent und in Brandenburg 20,2 Prozent. In Berlin reichte es dagegen mit 12 Prozent nur für Platz fünf.

Von Udo Harms/RND/dpa

Der 19. Bundestag ist gewählt. Die Regierungparteien verlieren massiv – gerade die AfD profitiert davon. Als neue drittstärkste Kraft im Bund profitieren die Rechtspopulisten auch von über einer Million ehemaligen Nichtwählern, die ihnen ihre Stimme gegeben haben. Die FDP räumt bei der Union ab. Die Wählerwanderungen in Grafiken.

25.09.2017

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag neue Einreisebeschränkungen für Menschen aus acht Ländern verkündet. Damit will er die Terrorbedrohung für die USA verringern, wie das Weiße Haus am Sonntagabend betonte. Die neuen Regelungen sollen am 18. Oktober in Kraft treten.

25.09.2017

Die Bundesvorsitzende der AfD, Frauke Petry, hat mit einem Knalleffekt den Tag nach der Bundestagswahl eröffnet. Sie erklärte, dass sie nicht der AfD-Fraktion angehören will.

25.09.2017
Anzeige