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Das Triviale siegt

Speakers’ Corner Das Triviale siegt

Realitystar gegen Zentralbankchef: Daniela Katzenberger kennt jeder – Mario Draghi nur die Hälfte der Deutschen. Ein Umfrageergebnis zum Verzweifeln, findet unser Gastkommentator.

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Unterhaltsam oder irrelevant? Daniela Katzenberger bei der Buchvorstellung „Mieze Undercover“.

Quelle: imago

Hamburg. Unter den vielen verstörenden Nachrichten der vergangenen Tage und Wochen ist dies die verstörendste: Einer repräsentativen Umfrage des Konsumforschungsinstituts GfK zufolge wissen 91 Prozent der Deutschen, wer Daniela Katzenberger ist – aber nur 51 Prozent kennen Mario Draghi. Das spricht zum einen für die Herrschaft der Trivialität und erhärtet zum anderen den Verdacht, immer mehr Bürger seien für das Geschäft der Demokratie nicht wirklich geeignet.

Ist es nicht geradezu tragisch, dass sich Frau Katzenberger – die Allegorie des leerdrehenden TV-Boulevards in seiner ganzen fatalen Irrelevanz – bundesweit als Marke durchgesetzt hat, wohingegen Zentralbankchef Draghi, dessen geldpolitische Entscheidungen für das reale Leben der Menschen von höchster Relevanz sind, der Hälfte der Deutschen nicht einmal ein Begriff ist? Eine Demokratie ist auf informierte, in der Sache kundige, mit bestem Gewissen und eben auch Wissen ausgestattete Bürger angewiesen, um guten Staat machen zu können. Wir müssen aber erkennen, dass sich televisionäre Selbstinszenierung als Geschäftsgrundlage saturierter und zunehmend gespaltener Gesellschaften offenbar auszahlt. Die Allgegenwart des pfälzernden Reality-Show-Models Katzenberger steht übertragen für den Sieg des Entertainments über das kritische Bewusstsein.

Man könnte resignieren. Oder den Sondierungsrunden-Jamaikanern zurufen, der Demokratiebefähigung der nächsten Generationen höchste Priorität einzuräumen und jeden verfügbaren Euro in inhaltliche Bildung und frühkindliche Förderung zu investieren.

Christian Schüle ist Schriftsteller in Hamburg.

Von Christian Schüle / RND

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