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15:14 12.02.2017
First Ladies unter sich: Elke Büdenbender (links) mit ihrer Vorgängerin Daniela Schadt. Quelle: dpa
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Berlin

Frank-Walter Steinmeier hatte zwei Stunden Verspätung, also sprang seine Frau für ihn ein. „Ich als Außenminister“, sagte Elke Büdenbender. Dann hielt sie dessen Rede für ein weltoffenes Deutschland. Die Gäste waren angetan, wie Reporter nach dem einige Jahre zurückliegenden Auftritt notierten.

Büdenbender wurde im Siegerland geboren und ist seit 1999 Richterin für Sozialrecht am Verwaltungsgericht Berlin. Sie wird, wenn die Bundespräsidentenwahl am Sonntag ohne Überraschungen verläuft, Deutschlands neue First Lady.

„Selbstbewusst, intelligent, einfach toll“

Bisher ist die 55-Jährige in der Öffentlichkeit wenig präsent. Man weiß, dass ihr Mann ihr 2010 eine Niere gespendet hat und sie den Tag der Transplantation seitdem wie einen Geburtstag feiern. Beide haben eine mittlerweile erwachsene Tochter, Merit.

„Selbstbewusst, intelligent, einfach toll“, so hat Ex-Kanzler Gerhard Schröder Elke Büdenbender mal beschrieben. „Frank macht seinen Job, ich mache meinen“, sagte sie. Die beiden lernten sich 1988 während des Studiums in Gießen kennen und heirateten 1995. Sie behielt ihren Namen.

Mit Jeans und T-Shirt auf dem Mountainbike durch Berlin

In Berlin-Zehlendorf war sie eine der Mütter, die ihre Tochter mit dem Fahrrad von der Schule abholten. Geärgert hat es sie, wenn ihr Mann als langweilig beschrieben wurde. „Wer um Mitternacht von einer Auslandsreise nach Hause kommt und dann bis zwei Uhr mit der Tochter Ikea-Regale aufbaut, kann doch nur ein toller Typ sein.“

Der sechs Jahre ältere Steinmeier skizziert die Gemeinsamkeiten mit seiner Frau so: „Auch ihr Vater hat als Tischler gearbeitet, auch ihre Mutter war berufstätig, auch sie war das erste Kind in ihrer Familie, das eine Universität von innen gesehen hat.“ Das Familienleben klingt bodenständig. Seine Frau werkele im Garten, aber fürs Rasenmähen sei er zuständig. In der Freizeit liebe sie es, in Jeans und T-Shirt mit dem Mountainbike durch Berlin zu sausen.

Richtertätigkeit und Rolle als First Lady vertragen sich nicht

Bei Steinmeiers Reisen war seine Frau selten dabei. Ob das anders wird, wenn er Bundespräsident ist? Wie der „Spiegel“ berichtet, will sich Büdenbender beurlauben lassen. Ursprünglich habe sie vorgehabt, ihre Arbeit am Verwaltungsgericht auch als First Lady weiterzuführen. Am Gericht seien jedoch Zweifel laut geworden, ob die Richtertätigkeit mit der Rolle als Frau des Staatsoberhaupts vereinbar sei.

Eine Bestätigung für den Bericht gab es nicht. Steinmeier hatte mehrfach betont, über die künftige Rolle seiner Frau nicht vor der Wahl zum Bundespräsidenten sprechen zu wollen.

Es sieht nicht so aus, als würde es bald großen Rummel um sie geben. Nach dem Abschied von Bettina Wulff (Amtszeit 2010-2012) ist der Glamourfaktor ohnehin gesunken im Schloss Bellevue. Elke Büdenbender wäre nicht die erste First Lady gewesen, die ihren Job weiter gemacht hätte: Veronica Carstens behielt ihre Praxis als Ärztin.

Welche Rolle Büdenbender einnehmen wird, ist noch offen

Büdenbenders Vorgängerin Daniela Schadt war voll eingestiegen. Die Partnerin von Joachim Gauck war viel für soziale Zwecke unterwegs. Sie reiste fünf Jahre lang um die Welt, von Japan bis Chile. Als Unicef-Schirmherrin war sie solo in Jordanien und in der Ukraine unterwegs.

Ihren Job als politische Journalistin bei der „Nürnberger Zeitung“ gab Schadt auf. Sonst hätte sie womöglich die Arbeit ihres Lebensgefährten beurteilen müssen. Was die 57-Jährige nach dem Auszug aus Schloss Bellevue vorhat, ist noch nicht bekannt, sie will aber weiter arbeiten.

Eine First Lady braucht vor allem „Interesse an Menschen“

First Lady, das ist in Deutschland immer noch ein Wort, das nach Zeitschriften beim Friseur klingt. Der Job ist nirgends festgeschrieben, aber birgt Erwartungen. Noch immer wird bei Frauen besonders auf die Garderobe geschaut. Alle elf Frauen der bisherigen Bundespräsidenten haben sich sozial engagiert, von Elly Heuss-Knapp bis Daniela Schadt. Einige blieben im Gedächtnis, etwa Mildred Scheel, die Gründerin der Krebshilfe.

Welche Rolle Elke Büdenbender spielen wird, ist noch offen. Ihre Vorgängerin nennt drei Eigenschaften, die eine First Lady braucht: „Als Allererstes: Interesse an Menschen. Offenheit und Humor.“

Von RND/dpa

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