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Das schrille Signal von West Virginia

US-Vorwahlen Das schrille Signal von West Virginia

West Virginia zählt eigentlich nicht zu den entscheidenden Bundesstaaten im Rennen um das Weiße Haus. Bei den Vorwahlen am Dienstag sendete die abgelegene Bergregion dennoch ein wichtiges Signal an die Amerikaner: Hillary Clinton mag gegenwärtig als Favoritin gelten, doch ihre Kandidatur gleicht einem langen und steinigen Weg.

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Bernie Sanders hat sich bei den US-Vorwahlen in West Virginia gegen Hillary Clinton durchgesetzt

Quelle: imago

Washington. Die Wähler in der wirtschaftlich schwachen Region, die nur zwei Autostunden von Washington entfernt beginnt, sprechen sich eindeutig für Bernie Sanders aus. Wohlwissend, dass der Senator aus Vermont rechnerisch betrachtet keine Chance mehr auf die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten besitzt, verpassen sie Clinton einen Denkzettel - und ebenso der Administration von Barack Obama.

Die einstige Hochburg des amerikanischen Bergbaus fühlt sich von den beiden Politikern im Stich gelassen, da sie mit Nachdruck für einen Ausstieg aus dem Kohleabbau werben - ohne für die betroffenen Regionen Alternativen zu benennen. So hatte Clinton erst vor wenigen Tagen unmissverständlich gesagt: „Während meiner Präsidentschaft werden viele Bergbauunternehmen ihre Geschäftsfelder verlieren. Die Arbeiter sollten sich besser schon heute einen neuen Job suchen.“

Donald Trump gewann in West Virginia

Donald Trump gewann in West Virginia.

Quelle: imago

Die Folgen des Strukturwandels sind allerdings dramatisch: West Virginia gilt als zweitärmster Bundesstaat, der seinen Bewohnern seit dem Rückgang der alten Industrie nur geringe Perspektiven bietet. Viele Menschen halten sich lediglich mit schlecht bezahlten Servicejobs über Wasser, und die Zahl der Drogenkranken bezeichnen die örtlichen Gesundheitsämter als alarmierend.

Bernie Sanders hatte daher ein leichtes Spiel, als er auf seiner Wahlkampftour durch die menschenarme Landschaft von der Profitgier der Großkonzerne und der fehlgeleiteten Politik in Washington sprach.

Und Donald Trump wiederum, der als einzig verbliebener Bewerber der Republikaner ebenfalls seinen Sieg in West Virginia feiert, geht noch einen Schritt weiter: Der umstrittene Geschäftsmann verspricht den arbeitslosen Bergarbeitern, den Kohleabbau wieder im großen Stil in Gang zu setzen - obwohl er genauso gut wie die Minenarbeiter wissen dürfte, dass dieses Versprechen in Fachkreisen als unseriös gilt. West Virginia leidet nicht erst unter einer Kohlekrise, seit dem Obama verstärkt für alternative Energien eintritt. Vielmehr ist der Kohlepreis so tief gefallen, dass die Förderung in den Appalachen größtenteils als unrentabel gilt. Ohnehin sind die Bergbauunternehmen mittlerweile so hochtechnisiert, dass sich die verbliebenen Minen von nur wenigen Facharbeitern betreiben lassen.

Doch auf ernsthafte Debatten über den Strukturwandel in Staaten wie West Virginia, Kentucky oder Wyoming lassen sich bisher weder Sanders noch Trump ein. Beide setzen darauf, Clinton eine große Distanz zur Arbeiterschaft zu unterstellen.

Ob diese Strategie landesweit bei den Wählern verfängt, lässt sich zurzeit schwer abschätzen. Fest steht, dass Sanders die Position seiner parteiinternen Favoritin schwächt, je länger er im Rennen bleibt. So mokierte sich Trump am Dienstag über seine Mitbewerberin, der es noch nicht einmal gelingen würde, sich gegen einen einzigen Gegenkandidaten durchsetzen, während er es mit insgesamt 16 parteiinternen Gegnern aufnehmen musste.

Gegenüber New Yorker Journalisten kündigte der „Front Runner“ der Republikaner in dieser Woche zudem an, es mit dem parteieigenen Programm nicht allzu genau nehmen zu wollen. Sein Ziel sei es vielmehr, auch viele Wähler aus dem ursprünglichen Lager der Demokratischen Partei für sich zu gewinnen.

Von Stefan Koch

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