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Politik Der Staat, ein Managementparadies
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11:45 20.02.2017
Das offizielle Kabinettsfoto mit den Bundesministerinnen und Ministern aller Ressorts, die am 15. Februar in Berlin an der Sitzung des Bundeskabinetts im Bundeskanzleramt zusammen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (6.v.l. CDU) teilnehmen. Quelle: Guido Bergmann/Bundesregierung/dpa
Potsdam

Mich fragen die Kinder: Wie geht das, dass Politiker ihre Jobs wechseln wie Handschuhe? Gestern Außenminister – heute Präsident, früher Innenminister – jetzt Schatzmeister, gestern Kleinstadtbürgermeister – heute Kanzlerkandidat, gestern kinderreiche Ärztin – heute Landesverteidigerin. Muss man keine Qualifikation haben, um einen Staat zu führen?

Nee, muss man nicht, antworte ich. Schon Lenin wusste: Jede Köchin müsste einen Staat managen können. Das ist leichter, als eine Firma zu führen. Deswegen gehen Unternehmen öfter pleite als Staaten. Wenn eine Firma in die Insolvenz geht, teilen die Gläubiger unter sich, was übrig bleibt. Frankreich und Griechenland waren mehrmals bankrott, und was mussten sie abgeben? Die Akropolis? Die Champs-Élysées?

Wladimir Kaminer, hier bei einer LEsung Anfang 2017 aus seinem Buch „Meine Mutter, ihre Katze & der Staubsauger“ im Fritz-Henßler-Haus Dortmund. Der Autor gilt als „Lieblingsrusse“ der Deutschen. Quelle: imago stock&people

Firmen haben Konkurrenz und keine geschützten Grenzen, jeder kann sie übernehmen. Die Grenzen eines Staates sind durch Konventionen und Verträge gesichert, außerdem haben Staaten Armeen, manche sogar Atomwaffen. Firmen können ihre Absatzmärkte nicht mit Gewalt schützen, die Konkurrenz wegbomben. Staaten können das. Der Staat ist eine Aktiengesellschaft mit Millionen Aktionären, aber jeder besitzt nur eine Aktie, das macht die Kontrolle über das Management beinahe unmöglich. Die einzige Gefahr für die Lenker wären rivalisierende Mächte, aber mit Atomwaffen im Portfolio ist auch diese bedeutungslos. Der Staat ist ein Managementparadies. Die meisten Politiker, die viele Jahre mitregieren, wären aus einer Firma nach drei Wochen rausgeflogen.

Wladimir Kaminer ist Autor und Kolumnist russisch-jüdischer Herkunft. Er wohnt in Berlin. Seine Bücher „Militärmusik“ und „Russendisko“ machten ihn auch außerhalb Deutschlands bekannt.

Von Wladimir Kaminer

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