Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Terrorfahnder jagen Tatverdächtigen

Die Attentäter von Paris Terrorfahnder jagen Tatverdächtigen

Die Terrormiliz IS hat sich zu den Anschlägen von Paris bekannt. Doch wer sind die Attentäter? Die Behörden ermitteln mit Hochdruck, es werden immer mehr schockierende Details bekannt. Jetzt haben die Terrorfahnder ein Bild von einem der Terroristen veröffentlicht. Er ist auf der Flucht.

Voriger Artikel
So erlebte ein MAZ-Sportreporter die Terrornacht
Nächster Artikel
Deutsches Terroropfer stammt aus München

Die Terrornacht von Paris: Er soll ein Attentäter gewesen sein. Die Polizei sucht international nach dem Mann. Er ist auf der Flucht.
 

Quelle: Polizei

Paris. Nach den schrecklichen Anschlägen in Paris am Freitag laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Wir haben zusammengetragen, was bisher über die Täter bekannt ist. 

Wo ist der dritte Bruder?

Nach der schlimmsten Terrorserie in der Geschichte Frankreichs mit mehr als 130 Todesopfern sind die Ermittler einem möglichen Attentäter auf der Spur. Ein Verdächtiger war am Sonntagabend noch auf der Flucht. Die belgische Justiz schrieb den 26-jährigen Mann international zur Fahndung aus, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtete.

Abdeslam Salah wird dringend gesucht. Er soll ein Attentäter in Paris gewesen sein.

Quelle: Polizei

Die Ermittler waren zuvor auf drei Brüder gestoßen: Einer ist bei den Anschlägen gestorben. Der zweite wurde in Belgien festgenommen, ohne dass klar sei, ob er bei den Anschlägen mitgewirkt hat. Nach dem dritten Bruder, Abdeslam Salah, wird jetzt gefahndet.

„Am besorgniserregendsten ist die Information, dass möglicherweise noch eine Tätergruppe unterwegs ist“, sagte der Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Sonntagabend im ZDF. Deswegen sei es richtig, die Kontrollen an der Grenze zu Frankreich zunächst beizubehalten. Unterdessen arbeite man unter Hochdruck an möglichen Verbindungen zu Deutschland. „Es wird jetzt jeder Stein umgedreht, ob es irgendeinen Bezug gibt.“

Ein Terrorkommando konnte fliehen

Mindestens einem Terrorkommando scheint zunächst die Flucht gelungen zu sein. Ermittler stellten am Sonntagmorgen ein Auto östlich von Paris sicher. Nach Einschätzung der Polizei bedeutet dies, dass eines der drei Terrorkommandos fliehen konnte, wie der Sender Europe 1 berichtete. Unklar blieb, ob der oder die Täter weiter auf der Flucht sind, oder bereits am Samstag in Belgien gefasst wurden. Der sichergestellte schwarze Seat soll laut Ermittlern von den Terroristen benutzt worden sein, die vor mehreren Cafés und Restaurants im Zentrum von Paris wahllos Menschen erschossen. Im Auto fanden die Ermittler Kalaschnikows, die bei den Anschlägen verwendet wurden.

Zwei der Attentäter lebten zuletzt bei Brüssel

Zwei der getöteten Attentäter von Paris lebten zuletzt im Großraum Brüssel. Es handele sich um Personen mit französischem Pass, wie die Brüsseler Staatsanwaltschaft am Sonntag nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga mitteilte. Weitere Details zu ihrer Identität gab es zunächst nicht.

Bei der Anti-Terror-Razzia am Samstagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurden nach jüngsten Angaben insgesamt sieben Personen festgenommen . Ob sie in die Anschläge verwickelt sind, wird zurzeit untersucht. Fahnder aus Frankreich unterstützten die Arbeit der belgischen Ermittler, hieß es.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits am Samstagabend nach der Polizeiaktion in Molenbeek bestätigt, dass eine Spur der Attentäter von Paris nach Belgien führt, und von mehreren Festnahmen gesprochen. Den Ermittlern zufolge hatten die Pariser Behörden in vier konkreten Fällen in Brüssel um Amtshilfe gebeten.

Unter anderem ging es dabei um Informationen zu einem in Belgien angemeldeten Mietwagen, der in der Nähe der Pariser Konzerthalle «Bataclan» gefunden worden war.

Der Mieter eines der Mietwagen soll am Samstagvormittag bei Cambrai in eine Routinekontrolle der Polizei geraten, zunächst aber nicht festgenommen worden sein. Ob er zu den am Abend in Molenbeek gefassten Personen zählt, blieb zunächst unklar. Die Staatsanwaltschaft bestätigte nur, dass das Fahrzeug, mit dem er zuletzt unterwegs war, in Molenbeek sichergestellt wurde.

Ein Attentäter identifiziert

Omar Ismaïl Mostefaï (29) ist von den französischen Ermittlern als erster Attentäter nach den Anschlägen von Paris identifiziert worden. Der am 21. November 1985 in Courcouronnes südlich von Paris geborene Mostefaï war polizeibekannt und galt nach Berichten französischer Medien lange Zeit als Kleinkrimineller. Sein Strafregister weist demnach aus der Zeit zwischen 2004 und 2010 acht Verurteilungen für kleinere Delikte aus.

Wegen Mostefaïs zunehmender Radikalisierung legten die Behörden nach Angaben des für Terrorismus zuständigen obersten Staatsanwalts François Molins 2010 eine sogenannte S-Kartei an. Solche Aktenverzeichnisse bekommen in Frankreich Verdächtige, die möglicherweise zu einer Gefahr für die Staatssicherheit werden könnten.

Mostefaï soll häufig eine Moschee in Lucé südwestlich von Paris besucht haben. Zudem werden Informationen überprüft, nach denen er sich 2014 in Syrien aufgehalten haben soll. Mostefaï gehörte zu den Attentätern im Konzertsaal «Bataclan». Ein Fingerabdruck des Daumens seiner Leiche offenbarte seine Identität.

Angehörige im Polizeigewahrsam

Französische Ermittler haben sechs Angehörige des Selbstmordattentäters aus dem Pariser Konzertsaal «Bataclan» in Polizeigewahrsam genommen. Das berichtet der französische Fernsehsender BFMTV am Sonntag. Die Befragung von Angehörigen gehört in solchen Fällen zu den Ermittlungen.

Bereits am Samstag war bekanntgeworden, dass Vater und Bruder eines Selbstmordattentäters in Polizeigewahrsam kamen. Die Wohnungen der beiden Männer wurden durchsucht. Der Bruder des 29-jährigen Attentäters lebt demnach in einem Ort südlich von Paris, der Vater gut 100 Kilometer weiter östlich.

Attentäter wollten ins Stade de France

Einem Bericht der französischen Sportzeitung «L’Équipe» (Sonntag) zufolge haben zwei Attentäter versucht, ins Stadion beim Fußball-Testspiel Frankreich gegen Deutschland zu gelangen. Beide sollen aber entgegen anderslautender Berichte keine Tickets für die Partie im gehabt haben und deswegen auch nicht ins Stade de France gekommen sein, schrieb das Blatt am Sonntag.

Um 21.05 Uhr am Freitagabend und damit etwa fünf Minuten nach Anpfiff soll dem Bericht zufolge einer der Attentäter im Sektor Ost, der andere im Sektor Nord vergeblich versucht haben, in den Stadionbereich zu kommen.

Das «Wall Street Journal» hatte dagegen am Samstag berichtet, dass mindestens ein Attentäter ein Ticket für das Spiel gehabt haben sollte. Er sei von einem Ordner beim Sicherheitscheck aber aufgehalten worden, berichtete die Zeitung unter Berufung auf einen anderen Ordner und einen Polizisten. Beim Versuch zu entkommen, habe der Mann den Sprengstoff zur Explosion gebracht.

Einer der Paris-Attentäter kam über die Balkanroute

Einer der Attentäter von Paris ist möglicherweise über die Balkanroute nach Frankreich gereist. Ein 25-Jähriger namens Ahmed Almuhamed sei mit einem syrischen Pass am 7. Oktober aus Mazedonien nach Serbien eingereist, berichtete nach die serbische Zeitung «Blic» am Sonntag. Er sei im Erstaufnahmezentrum in der südlichen Stadt Presevo registriert worden und habe dann seinen Weg nach Kroatien und später nach Österreich fortgesetzt.

Die französischen Behörden haben sich laut «Blic» an Belgrad gewandt, um nähere Informationen über den Mann zu bekommen. Der Mann sei bei seinem Transit durch Serbien nicht bewaffnet gewesen.

Das Ministerium für Bürgerschutz in Athen berichtete, dass einer der mutmaßlichen Terroristen Anfang Oktober aus der Türkei nach Griechenland gekommen sein könnte. «Der Inhaber des Passes, der an einem Tatort (in Paris) gefunden worden ist, war am 3. Oktober 2015 nach den Regelungen der EU auf der Insel Leros (als Flüchtling) registriert worden», teilte das Ministerium mit. Das Ministerium wisse nicht, durch welche Länder der Mann dann weitergereist sei.

Wie der staatliche griechische Rundfunk (ERT) unter Berufung auf Kreise der Polizei weiter berichtete, könnte auch ein zweiter Mann, der an den Terroranschlägen beteiligt gewesen sein soll, aus der Türkei nach Griechenland in die EU eingereist sein. Eine offizielle Erklärung dazu lag jedoch zunächst nicht vor.

Die griechischen Sicherheitsbehörden hätten in beiden Fällen die Fingerabdrücke der mutmaßlichen Terroristen an die französischen Behörden übermittelt, hieß es.

IS bekennt sich zu Paris-Terror

Zuvor hatte sich die Terrormiliz IS zu den Anschlägen von Paris bekannt. Im Internet tauchte am Samstag eine entsprechende Botschaft im Namen des Islamischen Staates auf. Ob die Erklärung echt ist, war noch nicht verifiziert.

„Hauptstadt der Unzucht und Laster“

«Eine treue Gruppe der Armee des Kalifats [...] griff die Hauptstadt der Unzucht und Laster an», hieß es in einer im Internet kursierenden Botschaft im Namen des IS. Es seien Sprengstoffgürtel und Maschinenpistolen eingesetzt worden.

Neue Drohungen gegen Paris

In dem Schreiben werden neue Drohungen ausgesprochen: Frankreich werde ganz oben auf der Liste der Ziele bleiben, heißt es darin. Und weiter: Frankreich und jene, die seinem Pfad folgen, wissen, dass sie ganz oben auf der Liste der Ziele des Islamischen Staates stünden, und der Geruch des Todes werde ihre Nasen nicht verlassen, solange sie den Propheten beleidigten und Muslime im Land des Kalifats angriffen.

IS: „Nur der erste Tropfen Regen“

 Sollten die Angriffe in Paris tatsächlich auf das Konto des Islamischen Staates gehen, wäre dies die erste koordinierte Attacke der Terrormiliz in der westlichen Welt . Dabei seien die Anschläge vom 13. November „nur der erste Tropfen Regen und eine Warnung“, heißt es in der Mitteilung.

Hollande spricht von „Kriegsakt“

Der französische Präsident François Hollande hat schon vor Bekanntwerden des Bekennerschreibens die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) für die Anschläge von Paris verantwortlich gemacht. «Das ist ein Kriegsakt, der von Daesh (IS) verübt wurde», sagte Hollande am Samstag in Paris.

Experte: Neue Dimension des Terrorismus

Die Anschläge von Paris stellen nach Expertenansicht eine neue Dimension des Terrorismus dar. Es handele sich um eine koordinierte Aktion und eine synchrone Anschlagsserie einer ganzen Zelle, sagte der Terrorexperte Rolf Tophoven am Samstag. Das operative Vorgehen der Terroristen zeige zunehmend « kriegsmäßige Planungen », bei dem die Täter an mehreren Orten gleichzeitig zuschlagen.

Sicherheit

Schutz vor Terror: Brauchen deutsche Sicherheitsbehörden mehr Befugnisse?

Die Anschläge seien nach den ersten Erkenntnissen wohl eindeutig von der Terrormiliz IS inspiriert. «Das passt klar in das IS-Modell», sagte Tophoven. «Frankreich ist aktiv in der Koalition gegen den Islamischen Staat.» Es habe schon mehrere schwere Attacken auf das Land gegeben. «Frankreich ist permanent im Visier von Terroristen.»

Aber auch Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des Terrorismus. «Das kann jederzeit auch bei uns passieren.»

Von MAZonline

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-161128-99-345689_large_3_4.jpg
Fotostrecke: VfB-Stürmer Terodde trifft und trifft und lobt Mitspieler

Die olympischen Spiele werden künftig nicht mehr bei ARD und ZDF übertragen - eine gute Entscheidung?