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Die Drachenbändigerin vom Ammersee

Nahaufnahme Die Drachenbändigerin vom Ammersee

Kaum jemand nervte Markus Söder in den letzten Jahren so sehr wie Katharina Schulze. Dabei ist es Ziel der Grünen-Spitzenkandidatin, in Bayern zu regieren – und das geht nur mit der CSU.

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Katharina Schulze, 32, ist die zweitjüngste Abgeordnete im Bayerischen Landtag und schon Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Quelle: dpa

München. Grün und Schwarz in Bayern in eine Regierung führen. Das war vor kurzem noch unvorstellbar. Dieser Frau könnte der Schritt gelingen. Katharina Schulze trägt einen dunkelgrauen Umhang, ein helles Tuch liegt über ihrer Schulter, auf der ein kleiner, grüner Drache sitzt. Ihr langes, blondes Haar ist offen und zu den Spitzen hin gelockt. Die Figur sprenge Ketten und befreie Sklaven, erklärt Schulze. Die Grünenpolitikerin ist verkleidet als Daenerys Targaryen, Mutter der Drachen in „Game of Thrones“, ihrer Lieblingsserie. Ein gutes Motto für die bayerischen Landtagswahlen dieses Jahr im Oktober.

Es ist der vergangene Freitag. Die bayerische Politprominenz ist zur Fastnacht in Veitshöchheim geladen. Der Mann, dem Schulze die Macht zumindest in Teilen entreißen möchte, sitzt zwei Plätze weiter und hat sich das Kostüm des Prinzregenten Luitpold ausgesucht. Markus Söder, baldiger CSU-Ministerpräsident und einer der ärgsten politischen Konkurrenten der 32-Jährigen.

Ein zweistelliges Ergebnis ist das Ziel – und dann eine Koalition mit Söder?

Schulze ist neben dem 39-jährigen Ludwig Hartmann Spitzenkandidatin der Grünen. Die Basis stimmte bei der Urwahl mit fast 90 Prozent für sie. Sie ist die zweitjüngste Abgeordnete des Landtags, bereits Fraktionsvorsitzende und ein Gesicht, das man sich merken sollte.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem die Grünen in Bayern wandeln müssen. Auf der einen Seite ist die CSU der Lieblingsfeind, der Grund für die Existenz der Grünen. Man erinnere nur an Wackersdorf. Auf der anderen Seite ist eine Koalition mit dieser CSU die einzige Möglichkeit, in Bayern überhaupt mal etwas bestimmen zu können. Der Zeitpunkt dafür scheint gekommen.

Ein zweistelliges Ergebnis hat Schulze als Ziel für die Landtagswahl ausgegeben. „Eine absolute Mehrheit kriegt die CSU nicht mehr“, sagt sie. Und dann eine Koalition mit Markus Söder? „Wir Grüne haben in den Jamaika-Verhandlungen bewiesen, dass wir seriös sind. Wir sind gesprächsoffen für alle demokratischen Parteien.“ Eine Floskel. In diesem Fall heißt das jedoch: Klar könnte ich mir das vorstellen.

Schulze geht öfter mit Polizeibeamten auf Streife und lobt sie so häufig, wie das sonst nur CSU-Politiker machen

Zweimal konnte sie sich schon gegen die CSU und Söder durchsetzen. Bei den Bürgerentscheiden über eine Ausrichtung der Olympischen Winterspiele und über eine Erweiterung des Münchner Flughafens um eine dritte Start- und Landebahn leitete sie die Kampagnen der Gegner – und gewann. Vor allem der Entscheid um Söders geliebten Franz-Josef-Strauß-Flughafen tut weh. Mehr als sechs Jahre danach versucht er immer noch, die dritte Bahn über Umwege durchzusetzen.

Schulzes Themen sind die Gleichstellung von Mann und Frau, Europa und die Digitalisierung. Sie will einen Glasfaseranschluss für jeden bayerischen Haushalt. „Da hat der Herr Heimatminister Söder nicht geliefert“, sagt sie.

Ihre Facharbeit war eine Broschüre über Christoph Probst, die bis heute den Fünftklässlern am ersten Schultag zusammen mit einer weißen Rose gegeben wird

Ungewöhnlich für eine Grüne, hat sie die Kompetenzfelder der CSU, Innen und Sicherheit, besetzt. Schulze fährt öfter mal mit Polizeibeamten auf Streife und lobt diese so häufig, wie es sonst nur Innenminister Joachim Herrmann macht.

Am wichtigsten ist ihr der Kampf gegen den Rechtsextremismus. Sie besuchte das Christoph-Probst-Gymnasium in Gilching nahe Starnberg. Für ihre Facharbeit fertigte sie eine Broschüre über den Namensgeber an, die bis heute zusammen mit einer weißen Rose den Fünftklässlern am ersten Schultag mitgegeben wird.

Zu Weihnachten verschickte Schulzes Büro eine Postkarte mit der 32-Jährigen, Sonnenblumenflagge in der Hand. Schriftzug unten: „1918, 1968, 2018: Wie wird die nächste Revolution in Bayern?“ Schwarz-Grün scheint jedenfalls nicht ausgeschlossen.

Von Jean-Marie Magro

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