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16:07 04.09.2017
Der französische Regierungschef Édouard Philippe. Quelle: dpa
Paris

Zu den Dingen, die Édouard Philippe mit seinem Chef Emmanuel Macron gemein hat, gehört, dass ihn kaum einer kommen sah – so schnell schoss er an die Spitze des Landes. Ministererfahrung brachte er nicht mit, als er nach Macrons Wahlsieg im Mai Frankreichs Regierungschef wurde. Dennoch galt der 46-Jährige, bis dahin allgemein für seine Arbeit respektierter Bürgermeister der Hafenstadt Le Havre, als eine der aufstrebenden Nachwuchshoffnungen der Republikaner. Diese Parteizugehörigkeit war ein wichtiges Kriterium für seine Auswahl: Indem Macron, der aus dem Dunstkreis der Sozialisten kam, einen Republikaner an seine Seite holte, vollzog er die versprochene Öffnung und Überwindung ideologischer Grenzen.

Kritik aus den eigenen Reihen an diesem „Verrat“ konterte Philippe, er bleibe seinen konservativen Werten treu. Er ist ein Pragmatiker, der sich in der politischen Mitte situiert; hing er als Student der sozialdemokratischen Linie des früheren Premierministers Michel Rocard an, so unterstützte er später den gemäßigt konservativen Ex-Regierungschef Alain Juppé.

„Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit“

Auch nach dreieinhalb Monaten im Amt ist der hochgewachsen-elegante Philippe den Franzosen weitgehend fremd geblieben. Dass Macron Anfang Juli ausgerechnet einen Tag vor dessen Regierungserklärung selbst eine große Rede vor dem versammelten Parlament hielt, stellte Philippe in den Schatten, wie um anzuzeigen, wer das Steuer lenkt – der Präsident, nicht der Premier.

Erst die Vorstellung der anstehenden Arbeitsmarktreform vor einigen Tagen katapultiert diesen in die erste Reihe. Mit selbstbewusster Sachlichkeit erklärte Philippe, warum Frankreich diese Liberalisierungsmaßnahmen brauche und er stolz auf den Mut seiner Regierung sei, sie anzugehen. Auf die Kritik an seinem allzu zurückhaltenden Auftreten erwiderte er, worauf es in seiner Funktion ankomme: „Arbeit, Arbeit und nochmal Arbeit. Mir geht es nicht darum, spektakulär zu sein, sondern unser Land voranzubringen.“ Zu viele Politiker verzichteten auf Reformen, weil sie nur auf ihre Beliebtheitswerte schielten. Vergleiche man die Regierung mit einem Orchester, sei er weder Solist noch Schlagzeuger, sondern Dirigent.

Philippe kennt auch die Privatwirtschaft

Auch wenn er leisere Töne anschlägt, so hat Édouard Philippe weitere Gemeinsamkeiten mit Macron, darunter den Weg durchs französische Elitensystem. Nach dem Abitur in Bonn, wo sein Vater das deutsch-französische Gymnasium leitete, studierte er wie der Präsident an den renommierten Kaderschmieden Sciences Po und ENA (École nationale d’administration).

Dann begann er seine Karriere beim obersten französischen Verwaltungsgericht. Er kennt auch die Privatwirtschaft, arbeitete in der US-Anwaltskanzlei Debevois & Plimpton sowie beim Atomenergiekonzern Areva, bis er sich ganz der Politik widmete, unter anderem als Regionalrat und Abgeordneter. Philippe hat drei Kinder mit seiner Frau Édith, Direktorin der Elitehochschule Sciences Po – auf deren Bänken sich beide einst kennenlernten. In seinen wenigen freien Stunden betreibt der Premierminister Boxsport, früher schrieb er mit einem Kollegen Politthriller. Einer davon trägt den Titel „Im Schatten“. Aus diesem tritt Philippe nun heraus; zumindest ab und zu.

Von Birgit Holzer

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