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Politik Hat das Weiße Haus das Video mit Jim Acosta manipuliert?
Nachrichten Politik Hat das Weiße Haus das Video mit Jim Acosta manipuliert?
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16:40 08.11.2018
Nach einer Pressekonferenz wurde dem CNN-Reporter Jim Acosta der Zugang zum Weißen Haus verwehrt. Quelle: Al Drago/imago
Washington

Eklat im Weißen Haus: Erst liefert sich Präsident Donald Trump mit einem CNN-Reporter ein Wortgefecht, dann entzieht das Weiße Haus dem hartnäckigen Journalisten „bis auf Weiteres“ die Akkreditierung. Über die Begründung gibt es Streit. Im Mittelpunkt steht die Weigerung des Journalisten Jim Acosta, einer Mitarbeiterin des Weißen Hauses das Mikrofon zurückzugeben, nachdem Trump gesagt hatte, es sei genug.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, rechtfertigte Acostas Ausschluss: „Wir werden es nicht hinnehmen, dass ein Reporter Hand an eine junge Frau anlegt, die bloß versucht, ihren Job als Praktikantin im Weißen Haus zu machen“, schrieb Sanders auf Twitter.

CNN stellte sich voll hinter seinen Reporter. Die Anschuldigung, Acosta habe bei einer Praktikantin „Hand angelegt“, sei eine Lüge, erklärte der Fernsehsender. Der Entzug der Akkreditierung sei „beispiellos“ und eine „Gefahr für unsere Demokratie“.

Twitter-Diskussion um den Streit entbrannt

Tatsächlich ist in einem Video der Pressekonferenz zu sehen, wie Acosta versucht, Trump weiterhin Fragen zu stellen, während dieser versucht, ihm das Wort zu entziehen. „Das reicht. Das reicht“, sagt Trump mehrmals. Eine Mitarbeiterin des Weißen Hauses versucht daraufhin, Acosta das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. Sie greift mehrfach danach, Acosta hält es jedoch fest und wehrt ihren Arm ab. Dabei berührt er mit seiner Rückhand ihren Oberarm. „Entschuldigen Sie, Ma'am“, sagte er. Erst später gelingt es ihr, das Mikrofon mitzunehmen.

Auf Twitter ist nun eine Debatte darüber entbrannt, ob das Video durch die Regierung manipuliert worden ist. Dana Schwartz, eine amerikanische Journalistin, schreibt: „Dieses Video ist manipuliert. Es wird verlangsamt und in dem Moment beschleunigt, als Acostas Hand herunterkommt, um es so aussehen zu lassen, als würde er einen Karateschlag machen oder so. Das ist beschämende Propaganda.“ Die Journalistin bezeichnet die mutmaßliche Manipulation sogar als Orwellianisch (brutaler Politik-Stil mit strenger Kontrolle, Anm. d. Red.).

Hier sehen Sie den Tweet der Journalistin Dana Schwartz:

„Die Regierung fälscht buchstäblich Beweise, um einen Privatmann zu Unrecht eines Verbrechens zu beschuldigen, um seine Rechte zu widerrufen“, schrieb Dana Schwarz weiter. Ihre Follower pflichteten ihr bei. „Das ist unwirklich. Das ist eine verfickte Technik, mit der ich Kampfszenen bearbeitet habe. Es ist einer der ältesten Tricks“, schreibt David Jakubovic. Das von Sanders auf Twitter verbreitete Video stammt allem Anschein nach nicht vom Weißen Haus selbst. Der Aktivist und Trump-Anhänger Paul Joseph Watson behauptet, die Videosequenz mit einem Schnittprogramm erstellt und dabei die Zoomfunktion verwendet zu haben. Watson bestreitet, die Aufnahme manipuliert zu haben.

Kein Beweis für eine Manipulation

Das leichte Gerangel zwischen Acosta und der Mitarbeiterin wird in dem Videoclip herangezoomt und in Zeitlupenwiederholung gezeigt. Der Vorwurf der Nutzer lautet, dass in der Zoom-Szene bei der Bewegung von Acostas Arm nach unten weitere Einzelbilder hineinkopiert worden seien, um die Szene dramatischer wirken zu lassen. Dafür gibt es aber bislang keinen eindeutigen Beweis. Beim US-Fernsehformat besteht eine Sendesekunde aus 30 einzelnen Bildern. Bedingt durch die Zeitlupe wird nicht jedes einzelne Bild einer Szene flüssig dargestellt. Dies könnte der Grund dafür sein, dass der in Zeitlupe abgespielte Ausschnitt im Ablauf leicht von der Originalaufnahme abweicht.

Nach dem Streit mit Trump wird dem CNN-Reporter Jim Acosta von einer Mitarb ieterin des Weißen Hauses das Mikrofon entzogen. Quelle: Evan Vucci/AP

CNN wertete den Ausschluss seines Reporters als „Vergeltung“ für Acostas herausfordernde Fragen. Sanders „liefert betrügerische Anschuldigungen und zitierte einen Vorfall, der nie stattgefunden hat“, hieß es. Der Reporter hatte Trumps Darstellung einer „Invasion“ von Migranten aus Zentralamerika hinterfragt und dann Fragen zu den laufenden Russland-Untersuchungen des Sonderermittler Robert Mueller gestellt.

Trump greift CNN offensiv an

„Wenn Sie Fake News in die Welt setzen, was CNN tut, dann sind Sie der Feind des Volkes“, warf ihm Trump daraufhin vor. CNN müsse sich schämen, einen Menschen wie Acosta zu beschäftigen. „Sie sind eine furchtbare, unverschämte Person“, fuhr der Präsident den in den USA bekannten Reporter an.

CNN attackiert Trump-Pressesprecherin

Als Reaktion auf die Rechtfertigung des Weißen Hauses erhob CNN Vorwürfe gegen Trump-Pressesprecherin Sarah Sanders. Die Anschuldigungen von Sanders gegen Acosta seien betrügerisch, erklärte der Sender am Donnerstag auf seiner Homepage. „Diese beispiellose Entscheidung ist eine Bedrohung für unsere Demokratie und das Land verdient Besseres. Jim Acosta hat unsere volle Unterstützung“, heißt es weiter in dem CNN-Statement.

Der Verband der im Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten (WHCA) kritisierte den Entzug der Akkreditierung für Acosta als „schwach und fehlgeleitet“. Den Zugang zum Weißen Haus zu widerrufen stehe nicht im Verhältnis zu dem angeblichen Vergehen und sei „nicht akzeptabel“, heißt es in einer Erklärung. Der WHCA forderte das Weiße Haus auf, die Entscheidung rückgängig zu machen. Die Regierung lehnt das allerdings ab. Wie das Weiße Haus mitteilt, stehen sie zu ihrer Entscheidung, den dauerhaften Zugang Jim Acostas zum Weißen Haus zu widerrufen. „Wir werden das unangemessene Verhalten, das in diesem Video eindeutig dokumentiert ist, nicht tolerieren“, schreibt die Sprecherin Sarah Sanders auf Twitter.

Von RND/dpa/df

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