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Politik CDU-Doku: Jens Spahn sucht Anschluss, AKK macht Toast
Nachrichten Politik CDU-Doku: Jens Spahn sucht Anschluss, AKK macht Toast
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23:00 03.12.2018
Der Filmemacher Stephan Lamby schuf „Der Machtkampf“ in der ARD. Viel Neues offenbarte er nicht. Quelle: Paul Zinken/dpa
Berlin

Das schönste Bild, das die Dokumentation von Stephan Lamby bereithält, stammt aus den frühen Nullerjahren. Ein gewisser Jens Spahn, gerade frisch aus dem münsterländischen Ahaus in den Bundestag gewählt, betrat seinerzeit den Fraktionssaal von CDU und CSU und traf auf Friedrich Merz und Ronald Pofalla, die da schon etwas länger im Geschäft waren. Die beiden Älteren grüßten Spahn kurz. Dann wandten sie sich wieder ihrem Gespräch zu. Der Jüngere blieb etwas verdutzt zurück – und zog weiter auf der Suche nach Parteifreunden, die bereit waren, sich mit ihm zu unterhalten. Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre.

Wenn etwas heraussticht aus der Sendung, die am Montagabend unter dem Titel „Der Machtkampf“ in der ARD lief und sich um den Wettbewerb um die Angela Merkel-Nachfolge an der Spitze der CDU dreht, dann sind es denn auch die Bilder. Die Bilder von früher vor allem. Viel Neues wird der kundige Thebaner ansonsten nicht erfahren haben.

Wolfgang Schäuble als möglicher Erbe

Als News wurde vorab lanciert, dass Merz mit seinem Mentor Wolfgang Schäuble während der „Flüchtlingskrise“ darüber gesprochen habe, womöglich Merkel abzulösen. Ganz so neu sind derlei Erwägungen freilich nicht. Dass der heutige Bundestagspräsident – und er allein – die Kanzlerin hätte beerben können, wurde vielerorts geraunt und auch geschrieben. Anders als bei früheren Dokumentationen Lambys verfehlt seine um Nähe bemühte Erzählweise diesmal auch sonst das Ziel. Tatsächlich ist das, was da enthüllt werden soll, allen noch zu frisch und zu geläufig, um der Enthüllung zu bedürfen. Aufschlussreich ist der Film trotzdem.

RND-Zeitleiste:
Was bisher im CDU-Rennen geschah

Man sieht CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, wie sie in frühen Jahren in der heimischen Küche vor Mann und Kind morgens mit dem Toaster hantiert. Später sieht man, wie die Saarländerin die Koalition mit der FDP platzen lässt. Beides signalisiert, was man heute auch spürt: Dass Kramp-Karrenbauer aus persönlich wie politisch kleinen Verhältnissen stammt und sich nach der Decke strecken muss. Der Filmemacher sagt, Merkels Rückzug komme für Kramp-Karrenbauer früh, und fügt hinzu: „zu früh?“ Das ist schon mehr Antwort als Frage.

Man sieht Merz, selbstgewiss vor einem seiner beiden Flugzeuge stehend oder im Stuhl sitzend. Im Europaparlament machte der Sauerländer von sich reden. Im Andenpakt war er, später Fraktionschef im Bundestag und schließlich ein Mann der Wirtschaft mit Millionenvermögen. Kein Zweifel: Merz kann aus dem Vollen schöpfen. Entsprechend will er auch bereits früh das Baugefühl gehabt haben, wonach Verluste bei der jüngsten Hessen-Wahl den Weg an der Parteispitze frei machen könnten. Da präsentiert sich einer, der der festen Überzeugung ist, dass es nur einen geben kann – nämlich ihn.

Prinz Charles der CDU

Bewusst als Letzter in der Reihe wird Spahn porträtiert. Wie er nach dem Erringen des ersten Bundestags-Mandats in der Heimat gefeiert wird – bevor sie ihn im Fraktionssaal wie einen kleinen Jungen abtropfen lassen. Wie er kundtut, sich „langsam nach vorne robben“ zu wollen. Wie er in der CDU zunächst für gleichgeschlechtliche Partnerschaften kämpft und Jahre später die doppelte Staatsbürgerschaft bekämpft. Mal progressiv, mal das Gegenteil – doch stets ehrgeizig. Im Frühjahr 2018 zieht Spahn erstmals in den Kabinettssaal ein und bleibt doch rastlos. Schließlich gibt er als Vorzug gegenüber seinen Konkurrenten an, das Kanzleramt in den nächsten Monaten nicht gleich als Nächstes anpeilen zu müssen – wenn er denn zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden sollte.

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Als Jens Spahn 2002 in den Bundestag einzog, hat er übrigens erlebt, wie Merkel ihren etwaigen Nachfolger Merz als Fraktionsvorsitzenden aus dem Weg räumte. Seither galt Spahn je länger, desto mehr als die Zukunftshoffnung der Partei. Jetzt macht ihn der 25 Jahre ältere Verlierer von damals vermutlich zum Prinz Charles der Christlich-Demokratischen Union.

Tja, so kann’s gehen im Leben.

Von Markus Decker/RND

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