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Donald Trump, der Tabubrecher

Analyse zum TV-Duell Donald Trump, der Tabubrecher

Es hätte für Donald Trump eine erfolgreiche TV-Debatte werden können. Der Spitzenkandidat tritt in Las Vegas disziplinierter und konzentrierter auf als erwartet. Doch zehn Minuten vor Ende des Streitgesprächs versteigt sich der Republikaner zu dieser Aussage: Er könne nicht sagen, ob er den Ausgang der Präsidentschaftswahl anerkennen werde. Ein Tabubruch.

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Synchronstimmen – Donald Trump und Hillary Clinton reden an einem Moment der Debatte zur gleichen Zeit.
 

Quelle: Getty

Las Vegas. Es ist ein Paukenschlag, der in den verbleibenden drei Wochen die Diskussionen prägen dürfte. Der Quereinsteiger stellt das gesamte Wahlsystem seines Landes in Frage, wiegelt seine engsten Anhänger auf und stellt eines der prägenden Elemente der amerikanischen Demokratie in Frage: den friedlichen Machtübergang.

Wörtlich sagt Trump: „Ich werde mir das dann anschauen. Ich schaue es mir nicht jetzt an. Ich mache es spannend.“ Moderator Chris Wallace ist sichtlich erstaunt und versucht es ein zweites Mal: Dass der Verlierer den Sieger anerkennt, habe doch eine lange Tradition, damit es nicht zu gefährlichen Spannungen kommt. Doch Trump bleibt stur: Man werde sehen. In der mehr als 200-jährigen Geschichten der Vereinigten Staaten von Amerika hat es das noch nicht gegeben.

Dunkle Kräfte und Verschwörungstheorien

Schon seit mehreren Tagen hatte Trump auf Wahlkampfveranstaltungen behauptet, Hillary Clinton würde ihm mit Hilfe der Medien und anderer dunkler Kräfte den Wahlsieg stehlen. Verschwörungstheorien, die sogar seinen eigenen Parteifreunden zu weit gehen. So lässt seine Tochter Ivanka kurz vor der Debatte an der Universität von Nevada wissen, dass sich ihr Vater selbstverständlich nach der Wahl „richtig“ verhalten werde. Auch sein Running Mate Mike Pence beschwichtigt: Selbstverständlich würde der Kandidat der „Grand Old Party“ das Votum der Wähler akzeptieren.

Paul Ryan, als Parlamentssprecher der ranghöchste Republikaner, wies kürzlich noch auf einen speziellen Punkt hin: Da die besonders umkämpften Bundesstaaten größtenteils von Gouverneuren geführt werden, die aus seiner Partei stammen, wäre es schon seltsam, wenn sie die Wahlen zum Schaden eines republikanischen Kandidaten manipulieren würden.

Doch von all den mahnenden Stimmen lässt sich Trump offenbar nicht beeindrucken. Das Wort „Niederlage“ will ihm einfach nicht über die Lippen kommen, noch nicht einmal hypothetisch.

Bereitet sich Trump schon auf seine Niederlage vor?

Wie sich der kalkulierte Tabubruch auf die Anhängerschaft des Multimilliardärs auswirkt, lässt sich noch nicht abschätzen. Aber selbst aus dem Weißen Haus waren bereits Stimmen zu hören, die davor warnten, mit dem Feuer zu spielen. Andere Wahlbeobachter wie David Axelrod sehen in dieser Provokation eher den Versuch, sich auf eine sich abzeichnende Niederlage vorzubereiten. Trump stricke an einer Legende, um sich im Zweifelsfall rechtfertigen zu können, so der frühere Obama-Berater Axelrod.

Tatsächlich sehen die Blitzumfragen unmittelbar nach dem TV-Duell Clinton als Siegerin der Auseinandersetzung. Laut CNN waren 52 Prozent der Meinung, Clinton habe gesiegt, 39 Prozent sahen Trump vorn. Trump habe zwar in den ersten 45 Minuten gegenüber seiner Mitbewerberin eine starke Figur abgegeben, sei im letzten Drittel jedoch deutlich abgesackt. Zu der Niederlage dürfte nicht zuletzt seine Reaktion auf die Vorwürfe beigetragen haben, mehrere Frauen sexuell belästigt zu haben: „Die Geschichten sind alle völlig falsch. Ich habe mich noch nicht einmal bei meiner Frau entschuldigt, weil ich nichts getan habe.“

Den Skandal einfach vom Tisch wischen zu wollen, reicht vielen Wählern eben nicht aus.

Von RND/Stefan Koch

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