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Politik EU einigt sich auf Verbot von Einweg-Plastik
Nachrichten Politik EU einigt sich auf Verbot von Einweg-Plastik
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10:36 19.12.2018
Ein Mitarbeiter der Abfallwirtschaft Region Hannover steht vor Kunststoffmüll auf einer Deponie Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Brüssel

Das EU-Verbot von Plastiktellern, Trinkhalmen und anderen Wegwerfprodukten aus Kunststoff ist unter Dach und Fach. Unterhändler des Europaparlaments und der EU-Staaten einigten sich am Mittwochmorgen in Brüssel auf die Einzelheiten, wie die österreichische Ratspräsidentschaft mitteilte.

Die EU-Kommission hatte im Mai vorgeschlagen, Einmalgeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfartikel aus Plastik zu verbieten. EU-Länder und EU-Parlament beschlossen die Vorschläge jeweils mit leichten Änderungen. Ziel der vorangegangenen Verhandlungsrunde ist ein Kompromiss der drei Institutionen.

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Alternative zu Kunststoff: Es geht auch ohne Plastik

Die neuen Maßnahmen gegen Plastikmüll dürften fast alle Verbraucher bemerken. Verboten werden sollen aber nur Gegenstände, für die es bessere Alternativen gibt. Bedeutsam ist das Paket vor allem für die Kunststoffbranche, die nach Behördenangaben 2015 einen Umsatz von 340 Milliarden Euro machte und 1,5 Millionen Menschen beschäftigte.

Die Gesetzgeber hoffen auf große Umweltvorteile. Das Paket soll den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, rechnete die Kommission einmal vor. Verbraucher könnten bis zu 6,5 Milliarden Euro sparen.

Immer mehr Plastik in Ozeanen

Die Kommission begründete den Vorstoß vor allem mit dem Schutz der Ozeane. Mehr als 100 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben auf den Weltmeeren. Mindestens. Andere Schätzungen gingen schon vor Jahren von 140 Millionen Tonnen aus.

1988 etwa hat man auf Spitzbergen im Nordmeer in vier von 45 Eissturmvögeln Plastik in den Verdauungsorganen gefunden – 2013 hatten 40 von 45 Vögeln Plastik verschluckt. Vor allem die Tierwelt leidet unter den zunehmenden Müllmengen. Wale, Schildkröten, Fische und andere Meeresbewohner ersticken an Plastikteilen oder verfangen sich in Abfallprodukten.

Plastikmüll in Zahlen

20 000 Einwegbecher für Kaffee, Wasser oder Säfte werden stündlich in Berlin verbraucht – hochgerechnet aufs Jahr sind das 170 Millionen Becher. Das hat die Deutsche Umwelthilfe errechnet. All diese Becher zusammen würden sich zu einem 2400 Tonnen schweren Abfallberg türmen. Für die Herstellung werden laut Umwelthilfe 2580 Bäume, 1320 Tonnen Rohöl und 85 Millionen Liter Wasser verbraucht.

Bei Müllsammlungen an den US-Küsten wurden innerhalb von fünf Jahren fast 7,5 Millionen Plastiktrinkhalme gefunden. Hochgerechnetauf alle Küsten der Welt könnte sich die Zahl der Plastikhalme auf 8,3 Milliarden addieren. Das wären dann 2000 Tonnen von insgesamt neun Millionen Tonnen Plastikmüll in Gewässern.

Jährlich werden in Deutschland sechs Milliarden Plastiktüten verbraucht. Die durchschnittliche Gebrauchsdauer für eine Plastik-Tüte in Deutschland liegt bei 25 Minuten.

Eine Plastikflasche benötigt im Meer 450 Jahre, um sich zu zersetzen.

Forscher schätzen, dass bis zum Jahr 2050 ungefähr 34 Milliarden Tonnen Kunststoff produziert werden.

Mikroplastik im Stuhl entdeckt

Wie dramatisch die Auswirkungen mittlerweile sind, zeigt auch eine aktuelle Pilotstudie von österreichischen Wissenschaftlern. Erstmals haben die Forscher Mikroplastik in Stuhlproben von Menschen nachgewiesen. Die Kunststoffpartikel wurden in den Proben von allen acht Studienteilnehmern gefunden, wie die Medizinische Universität Wien teilte das österreichische Umweltbundesamt mit.

Teil der neuen EU-Strategie ist auch die Beteiligung von Herstellern an den Kosten für die Sammlung und Verwertung der betreffenden Produkte. So könnte beispielsweise die Tabakindustrie künftig für das Einsammeln von Zigarettenstummeln zur Kasse gebeten werden. Einen entsprechenden Vorstoß hatte die Umweltministerin Svenja Schulze eingebracht, berichtete die Funke Mediengruppe.

Aus einer Revolution wird ein Fluch

Als der Schwede Ruben Rausing 1951 die erste Milch im kunststoffbeschichteten Papierbehälter, dem Tetra Pak, auf den Markt brachte, war das der Startschuss für eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Lebensmittel wurden in Plastik verpackt, hielten sich länger frisch, konnten unkomplizierter und in größeren Mengen transportiert werden. Die Rausings wurden Milliardäre, Tetra Pak stieg zum Weltkonzern auf, der rund um den Globus Filialen hat.

Doch der Segen wurde zum Fluch. Wissenschaftler der University of California haben errechnet, dass seit dem ersten Tetra Pak weltweit rund 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoffe produziert worden sind – natürlich nicht ausschließlich für Verpackungen, Einwegflaschen oder -geschirr. Bis 2015 fielen knapp 6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an. Nur 9 Prozent wurden wiederverwertet, 12 Prozent wurden verbrannt. Der Rest, 79 Prozent, landete auf Deponien oder in der Umwelt. Eine niederschmetternde Bilanz, die jeder auch im eigenen Haushalt ziehen kann. Im Durchschnitt produziert jeder Deutsche 37 Kilogramm Plastikmüll im Jahr. In Europa fallen jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an.

Von RND/mkr/dpa

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