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Egon Krenz fordert differenzierteres DDR-Geschichtsbild

Ex-DDR-Politiker wird 80 Jahre alt Egon Krenz fordert differenzierteres DDR-Geschichtsbild

Am kommenden Sonntag wird Egon Krenz 80 Jahre alt. Der einstige DDR-Politiker hat enge Beziehungen zu Russland und kritisiert die Politik des Westens gegenüber Russland. Außerdem fordert er ein differenziertes DDR-Geschichtsbild. Millionen von Menschen hätten gerne in dem Land gelebt.

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Egon Krenz bei einem Vortrag im März.

Quelle: imago

Ribnitz-Damgarten. Der letzte Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und kurzzeitige Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Egon Krenz, hat ein differenzierteres DDR-Geschichtsbild gefordert. „Es hat nicht nur Widerständler gegeben, sondern Millionen Menschen, die gerne in der DDR gelebt und das Land aufgebaut haben“, sagte Krenz der Deutschen Presse-Agentur kurz vor seinem 80. Geburtstag. Dabei bestritt er nicht, dass es Missstände in der DDR und viele Unzufriedene gegeben habe. Er betonte jedoch, dass die anderen Länder und Systeme nicht besser seien. „Ich erwarte keine Loblieder. Die Wahrheit aber schon.“

In diesem Zusammenhang kritisierte er heftig die aktuelle Politik des Westens gegenüber Russland. Sie sei von Geschichtslosigkeit geprägt. Die Präsenz von Nato-Truppen im Baltikum betrachtete er als eine provokative Machtdemonstration.

1986

1986: 1.-Mai-Demonstration in der Karl-Marx-Allee, Tribüne der Staats - und Parteiführung der SED, mit Egon Krenz (links Erich Mielke).

Quelle: imago/Rolf Zöllner

Eine Karriere in der DDR

Der am 19. März 1937 in Kolberg geborene Egon Krenz hat in der FDJ eine geradlinige Karriere gemacht. Von 1959 war er im Bezirk Rostock auf diversen Funktionärsposten, und von 1961 bis 1964 Sekretär des FDJ-Zentralrats. Anschließend besuchte er die Moskauer Parteihochschule, ab 1971 war er Vorsitzender der Pionier-Organisation und ab Anfang 1974 erster Sekretär und damit Vorsitzender des FDJ-Zentralrats. 1983 wurde Krenz Mitglied des Politbüros und Sekretär des Zentralkomitees der SED für Sicherheitsfragen, Jugend, Sport, Staats- und Rechtsfragen.

1979

1979: Auf der Ehrentribüne bei der Musik- und Tanzschau „Ein bunter Blumenstrauß für unsere Republik“ im „Stadion der Weltjugend“ sitzen in Ostberlin Willi Stoph (Vorsitzender des Ministerrates, Margot Honecker (Kulturministerin), Generalsekretär Erich Honecker und Egon Krenz (Vorsitzender der FDJ, von links.). 500.000 FDJ’ler kamen zum Nationalen Jugendfestival der DDR zu Pfingsten in Ost-Berlin zusammen.

Quelle: dpa

Nachdem er 1984 zum Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates ernannt wurde, galt er als designierter Nachfolger Erich Honeckers. Im Oktober 1989 war es soweit. Für 50 Tage stand Krenz an der Spitze der SED, des Staatsrates und des Nationalen Verteidigungsrates der DDR und trat am 3. Dezember 1989 von allen Ämtern zurück. Im Januar 1990 legte er auch sein Volkskammermandat nieder.

1993 erhob die Berliner Staatsanwaltschaft gegen ihn Anklage wegen Totschlags und Mitverantwortung für das DDR-Grenzregime. Der Prozess endete 1997 mit einer Verurteilung zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft. Eine Revision wurde vom Bundesgerichtshof abgelehnt, eine Verfassungsbeschwerde vom Bundesverfassungsgericht ebenso wie eine Menschenrechtsbeschwerde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte abgewiesen. 2003 wurde er entlassen. Krenz lebt in Mecklenburg-Vorpommern.

1997

1997: Krenz bei einer Gerichtsverhandlung in Berlin.

Quelle: dpa

Von dpa

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