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Ein Mann geht mit der „Zeit“

Helmut Schmidt als Herausgeber Ein Mann geht mit der „Zeit“

Es gibt viele Journalisten, die Politiker wurden, aber relativ wenige, die den umgekehrten Weg gegangen sind. Helmut Schmidt war einer von ihnen. 32 Jahre lang war er Herausgeber der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“.

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Helmut Schmidt.

Quelle: dpa

Hannover. Es gibt viele Journalisten, die Politiker wurden, aber relativ wenige, die den umgekehrten Weg gegangen sind. Helmut Schmidt war hierzulande der prominenteste Vertreter dieser Spezies. Mit der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte er als Herausgeber eine Bühne und ein intellektuelles Umfeld, um seine Thesen zu Wirtschaft und Politik unters Volk zu bringen.

Angst vor Sozialdemokratisierung

Reibungslos verlief der Wechsel 1983 nicht. Manch ein selbstbewusster „Zeit“-Redakteur befürchtete die Sozialdemokratisierung seines Blattes – ein Trugschluss, wie sich rasch herausstellte. Helmut Schmidt verstand es zu überzeugen. Theo Sommer, sein Weggefährte bei der „Zeit“, schildert im Buch „Unser Schmidt: Der Staatsmann und Publizist“, wie der Altkanzler in einer „hochemotionalen Konferenz“ so argumentierte, dass einige Redakteure am Ende etwas ganz anderes vertraten als zu Beginn. „Er kam mir vor wie ein Adler, der eine Maus in die Ackerfurche jagt“, kommentierte anschließend Mitherausgeberin Marion Gräfin Dönhoff den Vorfall.

Legendäre Beiträge zur Weltlage

Wann immer er konnte, nahm der Altkanzler an den Konferenzen teil. Legendär waren im holzgetäfelten Konferenzraum seine Beiträge zur Weltlage, manchmal langatmig ausschweifend, aber immer kenntnisreich und – als elder statesman konnte er sich stets auf Informationen aus erster Hand berufen.

Schmidt wurde mit der Zeit omnipräsent: Vorträge, TV-Talkshows und schließlich die „Zeit“-eigene Gesprächsreihe „Auf eine Zigarette mit...“, in der Chefredakteur Giovanni de Lorenzo kongenial die Stichworte lieferte. Nur dem Internet konnte Schmidt nichts abgewinnen. „Ich empfinde es als bedrohlich.“ Aber er sagte auch: „Es hat Zukunft.“

Von Rüdiger Ditz

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