Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Eine gute Wahl – Macron knapp vor Le Pen

Kommentar Eine gute Wahl – Macron knapp vor Le Pen

Am Sonntagabend haben die Franzosen über die Präsidentschaftskandidaten für die Stichwahl am 7. Mai entschieden. Laut ersten Prognosen lag Emmanuel Macron knapp vor Marine Le Pen. Eine gute Wahl, meint unsere Paris-Korrespondentin Birgit Holzer.

Paris 48.856614 2.352222
Google Map of 48.856614,2.352222
Paris Mehr Infos
Nächster Artikel
Präsidentschaftswahl: Vive la France!

Treten am 7. Mai zur Stichwahl an: Präsidentschaftskandidaten Marine Le Pen und Emmanuel Macron.
 

Quelle: Dpa

Paris.  Die beste Nachricht zuerst: Die Franzosen haben am Sonntag dem unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron die Chance gegeben, bei der Stichwahl am 7. Mai nächster Präsident Frankreichs zu werden. Und damit einem überzeugten Pro-Europäer und Vertreter einer jüngeren Politiker-Generation, der traditionelle Links-Rechts-Konfrontation aufbrechen und im Zentrum regieren will. Die aktuellen Ergebnisse können Sie in unserem Liveticker verfolgen.

Damit bescherten die Wähler dem Republikaner François Fillon ein frühzeitiges Aus, der nach dem Skandal wegen Scheinbeschäftigung und den Betrugsvorwürfen nicht mehr glaubwürdig war. Das bewies er auch mit seinen mit heftigen Angriffen auf die Justiz, die gegen ihn ermittelt, sowie Medien, die enthüllten, dass er doch nicht der aufrecht-ehrliche Staatsmann ist, als der er sich präsentierte. Zu Recht kam nun die Rechnung.

Sozialliberale Linie Macrons setzt sich durch

Auch den Sozialisten Benoit Hamon katapultierte das Votum ins Abseits. Seine Ideen wie die von einem bedingungslosen Grundeinkommen mochten zwar innovativ erscheinen – angesichts der wirtschaftlichen Schwäche Frankreichs aber auch illusorisch. Die Wahl zeigt, dass es ein großes Potenzial für die Linke in Frankreich gibt, die insgesamt die Mehrheit hat – aber die sozialliberale Linie Macrons setzte sich durch. Weil sie Brücken schlägt. Beide großen Volksparteien müssen nun aufarbeiten, warum sie die zweite Runde verpasst haben – das war noch nie da.

Auch eine schlechtere Nachricht brachte der gestrige Wahltag hervor: Das hohe Ergebnis für die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Zwar lag sie hinter den eigenen Erwartungen zurück, ist keineswegs stärkste Kraft wie lange befürchtet. Trotzdem ist es der Chefin des Front National gelungen, mit ihren Forderungen nach einem Einwanderungsstopp und einem Referendum über einen EU-Austritt Frankreichs viele Menschen an einer empfindlichen Stelle zu treffen: die Frage nach ihrer Identität. Ihre Wähler haben Angst, in der Globalisierung unterzugehen. Angst, gegenüber Muslimen und Ausländern in die Minderheit zu geraten.

Le Pens Wahl zur Präsidentin gilt als unwahrscheinlich

Es gilt als unwahrscheinlich, dass sie in zwei Wochen tatsächlich zur Präsidentin gewählt wird. Doch bemerkenswert erscheint bereits, dass ihre Qualifizierung keinen überrascht – ein starker Front National ist längst Normalität und übersetzt die weit verbreitete EU-feindliche Stimmung im Land.

Zwei Visionen stehen einander künftig gegenüber: Le Pens tiefschwarzes Bild von einem Frankreich, das von Brüssel und Berlin fremdbestimmt werde und dessen wirtschaftliche Probleme allein den Kosten der Einwanderung und dem unlauteren Wettbewerb anderer EU-Länder geschuldet seien. Dagegen schlägt sie Abschottung in jeder Hinsicht vor – wirtschaftlich, mental, politisch.

Diametral entgegengesetzt erscheint Macrons Ansatz, der dem Land wieder Mut machen, Blockaden lösen, es nicht nur in Europa halten, sondern zu einem starken Partner ausbauen will. Wie eine gute Nachricht bei der Stichwahl lauten würde – und wie die schlechte? Die Antwort erscheint eindeutig.

Von RND/Birgit Holzer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Politik
6c46fbda-d530-11e7-9deb-d9e101ec633c
In Basel ist ein ICE entgleist

Am Mittwochabend ist in Basel ein ICE der Deutschen Bahn teilweise entgleist

Heiligabend fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Sollten die Geschäfte trotzdem öffnen?