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Politik Bernd Lucke: Einst AfD-Chef jetzt ALFA-Tier
Nachrichten Politik Bernd Lucke: Einst AfD-Chef jetzt ALFA-Tier
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21:35 19.07.2015
Bernd Lucke hat erneut eine Partei gegründet. Quelle: dpa
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Kassel

Bernd Lucke hat erneut eine Partei gegründet. Der einstige AfD-Vorsitzende und Gründer der Partei hat am Sonntag mit der "Allianz für Fortschritt und Aufbruch" die Partei ALFA gegründet. Lucke wurde beim Gründungstreffen in Kassel zum Vorsitzenden gewählt. Auch Landesverbände soll es geben. Für 2017 strebt Lucke den Einzug in den Bundestag an.

Thematischer Schwerpunkt werde die Kritik am Euro und an der europäischen Wirtschafts- und Währungspolitik sein, kündigte Lucke an. Die bisherige Euro-Rettungspolitik sei völlig gescheitert, die amtierende Regierung habe "grundfalsche" Entscheidungen getroffen.

Streit um Rechtsruck der Alternative für Deutschland

Lucke war aus der AfD aus Verägerung über den rechtskonservativen Kurs ausgetreten. Zuletzt hatte es einen Machtkampf zwichen ihm und der aktuellen Vorsitzenden Frauke Petry gegeben. Beide rangen um den Kurs der Partei. Petry strebte einen nationalkonservativen Kurs an, Lucke einen wirtschaftliberalen. Petry konnte sich durchsetzen und wurde Anfang Juli auf dem Parteitag der AfD zur neuen Vorsitzenden gewählt.

Aus Enttäuschung über den Rechtsruck waren viele AfD-Mitglieder ausgetreten und schlossen sich Luckes Kurs an. Auch in Brandenburg gibt es etliche Unterstützer von Bernd Lucke. Wegen der Querelen um den AfD-Kurs verließen rund 30 Mitglieder die Alternative für Deutschland. Einer ist Roland Hahn, er sitzt im Gemeindeauschuss von Blankenfelde-Mahlow und unterstützt Luckes Kurs. Er glaubt, dass die neue Partei regen Zulauf bekommen werde, sagte er am Sonntag in einem RBB-Bericht.

Alexander Gauland glaubt nicht an Zukunft von Luckes Partei

Brandenburgs AfD-Chef Alexander Gauland räumt Luckes Partei dagegen keine großen Chancen ein. „Sie verfügt über kein Alleinstellungsmerkmal, denn in dem politischen Spektrum, wo diese Menschen sich verorten, tummeln sich schon viel zu viele Parteien“, sagte er. Dennoch scheint auch er sich um die Zukunft der AfD zu sorgen. So hat laut eines RBB-Berichts die Landesspitze kürzlich einen Brief an die Brandenburger AfD-Mitglieder verschickt: "Bleiben Sie also dabei und schließen Sie die Reihen für eine gemeinsame Zukunft", heißt es darin.

Lucke hat prominente Ex-AfD-Mitglieder als Unterstützer

Die ALFA wende sich gegen einen Missbrauch der Asylgesetze und setze sich für eine "geordnete" Zuwanderungspolitik ein. "Zuwanderungspolitik ist ein Problemfeld in unserem Land", sagte Lucke. Auch gegen eine Technik- und Fortschrittsfeindlichkeit, die sich unter dem Einfluss der Grünen in Deutschland verbreitet habe, sei die neue Partei. Energie- und Bildungspolitik gehöre ebenfalls zum Programm. Ob sie bereits bei den Landtagswahlen 2016 antreten könne, sei noch nicht klar.

"Die AfD ist überhaupt keine seriöse Partei mehr", sagte Lucke. Sie sei nach rechts abgedriftet, habe keine wissenschaftliche Expertise mehr und sei ein Sammelbecken von Verschwörungstheoretikern. Deshalb sei eine Alternative dringend nötig. Laut Lucke werden neben ihm weitere vier ehemalige AfD-Europaabgeordnete Mitglied der neuen Partei, ihre Mandate würden sie behalten. Darunter befinde sich auch der frühere BDI-Chef Hans-Olaf Henkel.

ALFA hat 70 Gründungsmitglieder

Zuvor hatte Lucke am Ende der Versammlung in einem Kasseler Hotel unter dem Applaus der rund 70 Gründungsmitglieder zu konstruktiver und sachlicher Arbeit aufgerufen und von einer sehr guten Stimmung gesprochen. Die Mitglieder gehören zu dem von Lucke im Mai gegründeten Verein "Weckruf 2015".

Lucke sprach von insgesamt bis zu 5000 Interessenten für die neue Partei. "Es liegt viel Arbeit vor uns, dessen sind wir uns bewusst", sagte er. Das Gründungstreffen war nicht öffentlich.

 Als stellvertretende Vorsitzende Luckes wurden der Europaabgeordnete Bernd Kölmer sowie die früheren AfD-Landespolitiker Gunther Nickels und Reiner Rohlje gewählt. ALFA-Generalsekretärin ist die Europa-Abgeordnete Ulrike Trebesius.

dpa

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