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16:34 28.03.2018
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron führt eine Vorschul-Pflicht ein – Vorbild für Deutschland? Quelle: dpa
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Berlin

Der Erzieherverband VBE lehnt eine Schulpflicht für Kinder ab drei Jahren, wie sie ab September in Frankreich eingeführt wird, ab. „Kinder müssen auch Kinder bleiben können. Eine erweiterte Schulpflicht steht dem entgegen“, sagte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Besser, als die Schulpflicht zu erweitern, ist es, Anreize zu schaffen. Der Rechtsanspruch auf Betreuung von unter 6-Jährigen ist ein Baustein, ein anderer, möglichst niedrigere Beiträge zu erheben, damit sich vor allem für geringverdienende Familien ein Platz auch rechnet.“

Beckmann warnt vor gegenteiligen Entwicklungen: „Die Zahl der betreuten unter 6-jährigen stagniert auf hohem Niveau, hat im Vergleich zu 2015 sogar um 1,5 Prozentpunkte abgenommen. In dem Wissen, das laut neuesten Berechnungen 130 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen, ist anzunehmen, dass einige Eltern einfach keine Plätze für ihren Nachwuchs finden.“ Er forderte bessere Bezahlung und die Möglichkeit der Beschäftigten, sich stetig fortzubilden. „Die frühe Betreuung in Kindertagesstätten und ähnlichen Betreuungsangeboten sichert den Integrationserfolg. Dafür werden ausreichend Plätze, ein niedrigschwelliger Zugang zu diesen Angeboten, vor allem für Personen aus ökonomisch schwierigen Verhältnissen oder mit Migrationshintergrund, sowie gut ausgebildetes Personal gebraucht. Der VBE spricht sich deshalb für eine Fachhochschulausbildung für die an Kita Beschäftigten aus“, sagte VBE-Bundeschef Beckmann dem RND.

„Für Deutschland keine Option“

Der familienpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Marcus Weinberg (CDU), äußerte sich ebenfalls ablehnend zu den Plänen in Frankreich. „Schon dreijährigen Kindern eine Schulpflicht aufzuerlegen, ist für Deutschland keine Option. Es ist die Aufgabe des Staates, Familien eine qualitativ hochwertige Betreuung ihrer Kinder anzubieten. Dieses Angebot wird angenommen: Bereits 93,4% der Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren werden in einer Kindertagesstätte betreut“, sagte Weinberg dem RND. „Auch ich bin der festen Überzeugung, dass ein Kind von der Betreuung in der Kita profitiert. Frühkindliche Bildung und soziale Kontakte mit Gleichaltrigen sind wichtig. Aber wir haben die individuellen Lebensmodelle der Familien zu respektieren, auch die Entscheidung, sich bis zum Schuleintrittsalter um die Betreuung ihrer Kinder selber zu kümmern“, so Weinberg.

Linken-Familienpolitiker Norbert Müller hält die Diskussion für eine Phantomdebatte. „In Deutschland fehlen mindestens 300 000 Kita-Plätze und weit mehr als 100 000 Erzieher und Erzieherinnen. Das beeinträchtigt die Qualität in Kitas. Diese Probleme müssen gelöst werden“, sagte Müller dem RND.

Vorschul-Pflicht in Frankreich ab 2019

In Frankreich wird der Besuch der Vorschule für Kinder ab dem Schuljahr 2019/2020 Pflicht. Der Schritt ist eher symbolischer Natur, denn schon jetzt besucht nach Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat fast jedes Kind in Frankreich mit drei Jahren eine „école maternelle“.

In diesen Vorschulen werden die Kinder in 24 Wochenstunden auf die Grundschule vorbereitet. Es geht nach Ministeriumsangaben unter anderem darum, mögliche Sprachschwierigkeiten zu mindern. Außerdem sollen die Kinder das soziale Miteinander lernen.

Von Thoralf Cleven/RND

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