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Nachrichten Politik Frauenrechtsorganisation warnt vor Zwangsehen in den Ferien
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12:20 17.07.2015
Die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes erinnert an das Problem der Zwangsverheiratungen junger muslimischer Frauen. Quelle: Oliver Berg/Symbol
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Berlin

n. Eine Studie habe vor einiger Zeit die Zahl von 3443 Fällen im Jahr ergeben, bei denen es um drohende oder vollzogene Zwangsehen ging, sagte die Geschäftsführerin der Organisation, Christa Stolle, der Deutschen Presse-Agentur.

Eine nur auf Berlin bezogene Studie aus dem Jahr 2013, die Angaben von Beratungsstellen und der Polizei auswertete, registrierte 460 bekanntgewordene Fälle. Es gebe aber eine Dunkelziffer, deren Höhe schwer einzuschätzen sei, sagte Stolle.

Die Situation habe sich trotz erhöhter Sensibilisierung der Gesellschaft bisher nicht verbessert. Die stärkere Islamisierung in bestimmten Kreisen verschärfe das Problem noch, weil die ersten Opfer von Unterdrückung immer die Frauen seien.

Stolle sagte: "Die größte betroffene Altersgruppe sind die jungen Frauen zwischen 18 und 21 Jahren. Aber wir haben auch einen großen Anteil der 16- und 17-Jährigen, die hier noch zur Schule gehen. Die werden mitgenommen, verheiratet und dann im schlimmsten Fall dort als Ehefrauen zurückgelassen."

Entscheidend seien die Einstellung und Werte der Familie. Bildung spiele ebenfalls eine Rolle, aber es gebe auch Akademikerfamilien, die ihre Töchter in eine vorbestimmte Ehe drängen würden. "Man möchte die Familie zusammenhalten, Familie ist alles. Da hat man klare Vorstellungen. Deswegen sucht man den Kindern den Ehepartner aus. Dabei kommt es auch immer wieder zu Verheiratungen von Cousins und Cousinen."

Terre des Femmes gibt den Frauen, die eine Zwangsheirat im Ausland befürchten, den Rat, bei Beratungsstellen Kopien ihres Passes zu hinterlassen und eine eidesstattliche Erklärung abzugeben, dass sie unbedingt zurückwollen. Möglichst sollten sie nicht mit in den Urlaub fahren. "Aber das ist sehr schwer, denn die Mädchen haben eine sehr starke Bindung an die Familie", sagte Stolle.

Sie lobte einen Brief des Berliner Bezirkes Neukölln an alle Schulen, in dem Anfang Juli um erhöhte Aufmerksamkeit der Lehrer gebeten wurde. Die Schulen müssten helfen, frühzeitig eine drohende Zwangsverheiratung zu erkennen, hieß es in dem Schreiben, über das die "Bild"-Zeitung berichtet hatte. Auch mit Hilfe der Jugendämter ließe sich diese Form von Menschenrechtsverletzung verhindern. In Berlin und fünf anderen Ländern gibt es spezialisierte Einrichtungen, die in solchen Fällen eine Betreuung anbieten.

dpa

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